Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

01.01.2020

11:14

Baukindergeld

Beliebter Verkaufsschlager

Die Häme bei der Einführung war einst groß. Doch die Finanzspritze für junge Familien ist ein Bestseller. Berater sollten alle Details kennen, um in Finanzierungsgesprächen zu punkten.

Düsseldorf Die Kritiker sind weitgehend verstummt. Die Befürchtungen, dass das im Herbst 2018 eingeführte Baukindergeld ein Ladenhüter werden könnte, haben sich als falsch erwiesen. Rund 135.000 Familien in Deutschland haben innerhalb des ersten Jahres Förderanträge gestellt. Damit wurden den Antragstellern innerhalb der kurzen Programmlaufzeit bereits Zuschüsse in Höhe von insgesamt rund 2,8 Milliarden Euro gewährt, meldet die zuständige staatliche Förderbank KfW. Für die gesamte Laufzeit stehen 9,9 Milliarden Euro für das Baukindergeld zur Verfügung.

Vor allem junge Familien greifen zu, um mit dem Baukindergeld zumindest einen Teil der stark steigenden Preise für Grundstücke und Immobilien abmildern zu können. Mehr als 80 Prozent der geförderten Familien haben laut KfW ein oder zwei Kinder, rund 60 Prozent ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen in Höhe von bis zu 40.000 Euro.

Wichtige Urteile: Diese drei Gerichtsentscheidungen können Finanzberater direkt betreffen

Wichtige Urteile

Diese drei Gerichtsentscheidungen können Finanzberater direkt betreffen

In 2019 fällten deutsche Gerichte erneut zahlreiche Urteile zugunsten und zulasten von Finanzberatern – zum Beispiel, dass die Beweislast bei der Beratung zur Rürup-Rente beim Vermittler liegt. Die Urteilsbegründungen im Detail und Tipps, wie sich Finanzberater absichern.

Pro Jahr erhält eine Familie 1.200 Euro je Kind. Das Baukindergeld wird zehn Jahre lang gezahlt, sodass Familien mit einem Kind insgesamt 12.000 Euro, Familien mit zwei Kindern 24 000 Euro erhalten. Einen Antrag auf Baukindergeld können Familien stellen, die zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 ihren Kaufvertrag unterzeichnet beziehungsweise eine Baugenehmigung erhalten haben. Die Anträge werden bei der KfW online über das Zuschussportal gestellt.

Das erste Jahr Baukindergeld zeigt aber auch eines: Die Förderung hilft, das Vertragswerk dahinter ist allerdings stark verschachtelt und war in Teilen unverständlich oder nicht eindeutig. Daher hat die KfW jetzt nochmals nachgeschärft. Auch Finanzberater sollten die Details kennen, um im Beratungsgespräch auf der Höhe der Zeit zu sein.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Neu bei Anträgen seit 17. Mai 2019

    Immobilienerwerber müssen den Förderantrag für das KfW-Förderprogramm 424 spätestens sechs Monate nach Einzug stellen (zuvor: drei Monate). Ein Antrag vor dem Einzug ist nicht zulässig. Nicht mehr förderfähig ist die Übertragung von Wohneigentum bei Ehegatten, Lebenspartnern oder sonstigen Lebensgemeinschaften, bei Verwandten in gerader Linie, bei vorweggenommener Erbfolge, bei testamentarischer Verfügung oder Schenkung.

    Die Prüfung bei der KfW erfolgt nach wie vor auf Grundlage von Unterlagen, die der Antragsteller einreichen muss. Dazu zählen die Meldebestätigung oder die Meldebescheinigung bei Kauf einer bereits selbst genutzten Immobilie, der Grundbuchauszug sowie die Einkommensteuerbescheide von zwei Jahren vor dem Einzug. Zusätzlich gilt eine Einkommensgrenze: Wer zu viel verdient, geht leer aus.

    Einkommensgrenze beim Baukindergeld

    Das „zu versteuernde Einkommen“, also das steuerpflichtige Einkommen einer dreiköpfigen Familie, Eltern und ein Kind unter 18 Jahren, darf höchstens 90 000 Euro im Jahr betragen: 75 000 Euro steuerpflichtiges Einkommen der Eltern zuzüglich 15 000 Euro Freibetrag für das Kind. Entsprechend höher darf das steuerpflichtige Haushaltseinkommen bei einer vierköpfigen oder fünfköpfigen Familie sein. Denn jedem Kind genehmigt der Fiskus einen eigenen Freibetrag von 15 000 Euro. Entscheidend ist das zu versteuernde Einkommen im zweiten und im dritten Jahr vor Antragstellung. Die Beträge werden addiert und durch zwei geteilt.

    Bauherren und Käufer müssen die Höhe des Haushaltseinkommens mithilfe der Einkommensteuerbescheide nachweisen. Aber was tun, wenn die Steuerbescheide fehlen, etwa weil in den vergangenen Jahren keine Einkommensteuererklärungen abgegeben wurden?

    Baukindergeld bei fehlenden Einkommensteuerbescheiden

    Nicht jeder in Deutschland muss eine Einkommensteuererklärung abgeben. Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Abrechnung mit dem Finanzamt freiwillig. Der Fachbegriff dafür lautet „Arbeitnehmerveranlagung“ (früher: Lohnsteuerjahresausgleich). Doch wer diese nicht gemacht hat, weil er nicht musste, dem fehlen naturgemäß die Einkommensteuerbescheide.

    Die Lösung: Die freiwillige Steuererklärung nachträglich abgeben. Denn die sogenannte „Antragsveranlagung“ kann auch im Nachhinein für die vergangenen vier Jahre nachgeholt werden – bis Silvester 2019 also noch für das Steuerjahr 2015.

    Zeitenwende: Vom Sparer zum Investor

    Zeitenwende

    Vom Sparer zum Investor

    Das Zinstief erschüttert die Geldanlage in den Grundfesten. Anleger verlieren mit klassischen Sparprodukten Geld. Auf den Konten schlummern Billionen. Das Potenzial für Finanzberater ist enorm.

    Das bedeutet für Käufer und Häuslebauer: Wer im Jahr 2019 seinen Antrag auf Baukindergeld stellen möchte, muss eine Antragsveranlagung für die Jahre 2016 und 2017 beim Finanzamt einreichen. Wer im Jahr 2020 Baukindergeld beansprucht, muss also entsprechend für die Jahre 2017 und 2018 die Antragsveranlagung nachholen.

    Auch die Wechselfälle des Lebens wie Familiengründung oder Scheidung können sich auf den Zufluss der staatlichen Förderung auswirken.

    Baukindergeld in der Schwangerschaft

    Ob auch Bauherren und Käufer, die ihr erstes Kind erwarten, Anspruch auf Baukindergeld haben, hängt vom Einzelfall ab. Entscheidend ist die Zahl der Kinder unter 18 Jahren, die bei Antragstellung im Haushalt leben und für die der Antragsteller Kindergeld erhält. Die Folge: Wird der Nachwuchs erst nach Antragstellung geboren oder wird ein Kind erst danach adoptiert und so in den Haushalt aufgenommen, besteht kein Anspruch auf Baukindergeld.

    Wegfall der Selbstnutzung

    Gegen die großen Risiken im Leben wie Krankheit, Scheidung und Jobverlust ist meist kein Kraut gewachsen. Wird aus diesem oder einem anderen Grund das geförderte Wohneigentum vor Ablauf des zehnjährigen Förderzeitraums aufgegeben, müssen die Eigentümer die KfW über den Wegfall der Selbstnutzung informieren. Dies gilt unabhängig von den Gründen für die Aufgabe dieser (Mit-)Eigentümerschaft, wenn der oder die Eigentümer die geförderte Immobilie nicht mehr selbst als Hauptsitz oder alleinigen Wohnsitz nutzen oder man selbst nicht mehr (Mit-)Eigentümer des Objekts ist. Geschieht das vor Ende des zehnjährigen Förderzeitraums, stoppt die staatliche Förderung sofort. Aber immerhin müssen Betroffene das in den Jahren zuvor erhaltene Baukindergeld nicht zurückzahlen.

    Von

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×