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04.09.2019

17:09

Anlagestrategie

Was trotz der schwächelnden Konjunktur noch für Aktien spricht

Von: Andrea Cünnen

Den Börsen stehen turbulente Zeiten bevor. Der Leitindex Dax scheint nur wenig Spielraum nach oben zu haben. Doch es mangelt an Alternativen.

Die schwache Konjunktur belastet vor allem die exportabhängige deutsche Wirtschaft. imago images / Rainer Unkel

Deutsche Börse in Frankfurt

Die schwache Konjunktur belastet vor allem die exportabhängige deutsche Wirtschaft.

Frankfurt Seitwärts. So wird sich der Dax nach Meinung von Analysten im kommenden halben Jahr entwickeln. Doch langweilig muss es deshalb nicht werden: „Hohe Tagesschwankungen und wochenlange Phasen deutlich steigender oder markant sinkender Kurse dürften eher die Regel als die Ausnahme sein“, meint Uwe Streich, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

In einem halben Jahr wird der Dax indes nach Einschätzung der LBBW mit 12.000 Zählern auf ähnlichem Niveau wie derzeit notieren. Die anderen fünf Mitgliedsinstitute des Bundesverbands öffentlicher Banken (VÖB), die zur Wochenmitte ihre halbjährliche Prognose für den Dax abgaben, sehen das ähnlich. Sie rechnen in sechs Monaten mit einem Dax-Stand zwischen 11.400 und 12.500 Punkten. Dabei ist die Hamburg Commercial Bank – die ehemalige HSH Nordbank – am skeptischsten, die Dekabank sieht das größte Potenzial (siehe Grafik).

Die Begründungen dafür, dass sich der Dax unter dem Strich nicht deutlich bewegen wird, ähneln sich: Auf der einen Seite schwächelt die Konjunktur, das spricht für fallende Börsen. Auf der anderen Seite fehlen den Investoren die Alternativen, das spricht für Aktien.

Viele Anleihen, gerade in Europa, rentieren im Minus. Wer jetzt Anleihen kauft und bis zur Fälligkeit hält, macht also einen Verlust. „Um die Chance auf einigermaßen auskömmliche Renditen zu wahren, führt an Aktien kein Weg vorbei“, betont Claudia Windt, Ökonomin bei der Helaba.

Doch einfach wird die Sache auch für Aktienanleger nicht. Die allgemein nachlassende Konjunktur – zusätzlich belastet durch Handelsstreit und Brexit – macht gerade der exportabhängigen deutschen Wirtschaft zu schaffen.„Die Anzeichen für eine Rezession mehren sich“, fürchtet Volker Sack, Researchleiter bei der NordLB. Die Hamburg Commercial Bank rechnet in Deutschland laut Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia mit einer Rezession zum Jahresende, in den USA sollte die Wirtschaft im ersten Halbjahr schrumpfen.

Dass es tatsächlich so kommt, ist zwar umstritten, aber zumindest dass die Konjunktur weniger wachsen wird, gilt als ausgemacht. Das hat Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre Gewinne. Noch rechnen Broker laut Datenbank Ibes damit, dass die Dax-Konzerne ihre Gewinne im nächsten Jahr im Schnitt um 15 Prozent steigern werden. Aber Manfred Bucher, Aktienmarktstratege bei der BayernLB, ist sicher: „Die Analysten werden ihre Gewinnprognosen deutlich nach unten anpassen.“

Grafik

Damit würde sich der aktuelle Trend fortsetzen: Seit Januar haben Analysten ihre Gewinnerwartungen für die Dax-Konzerne im laufenden Jahr um 13 Prozent gesenkt. Inzwischen erwarten Broker, dass die 30 Dax-Unternehmen in diesem Jahr 2,9 Prozent weniger verdienen werden als 2018.

Immer neues Potenzial

So gesehen sind Aktien eigentlich zu teuer. Die Dax-Firmen werden derzeit mit dem gut 13-Fachen ihrer in den kommenden zwölf Monaten erwarteten Gewinne bewertet. Das liegt im historischen Durchschnitt. „In derart schwachen Gewinnphasen wie jetzt müsste das Kurs-Gewinn-Verhältnis niedriger sein“, meint Streich.

Doch im Vergleich zu Anleihen sind Aktien eben doch attraktiv. Die niedrigen bis negativen Anleiherenditen – unter anderem gedrückt durch die Notenbanken – dürften nach Meinung der vom VÖB eingeladenen Banken dafür sorgen, dass Anleger bei Rückschlägen rasch wieder Einstiegsmöglichkeiten bei Aktien sehen.

Dazu kommt: Investoren verlassen sich darauf, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik lockern, wenn die Wirtschaft und die Aktienmärkte zu sehr unter Druck geraten. Joachim Schallmayer, leitender Kapitalmarktstratege bei der Dekabank, drückt es so aus: „Die Geldpolitik reduziert das Rückschlagpotenzial in Korrekturphasen.“

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