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20.06.2019

10:47

Anleihen

China stößt im großen Stil US-Staatsanleihen ab

Von: Jakob Blume

Die Zentralbank der Volksrepublik wirft Papiere in Milliardenhöhe auf den Markt. Sie verschafft sich damit mehr Spielraum im Handelskonflikt mit den USA.

China stößt im großen Stil US-Staatsanleihen ab Reuters

Zentrale der chinesischen Notenbank in Peking

Die People's Bank of China stößt US-Anleihen in Milliardenhöhe ab.

FrankfurtDie chinesische Notenbank hat sich von einem großen Paket von US-Staatsanleihen getrennt. Im April hat sie Papiere mit einem Wert von 7,5 Milliarden Dollar auf den Markt geworfen, wie aus aktuellen Daten das US-Schatzamtes hervorgeht.

Demnach betragen die Dollar-Reserven der People’s Bank of China, (PBoC), Chinas Notenbank, „nur“ noch rund 1,13 Billionen. Das ist der geringste Wert seit zwei Jahren. Trotzdem bleibt die PBoC der größte ausländische Gläubiger der USA, gefolgt von Japan.

Die chinesische Notenbank hält US-Staatsanleihen als Teil ihrer Währungsreserven, die sie einsetzen kann, um den Wert der eigenen Währung Yuan zu steuern. Der Verkauf von Dollar-Papieren passt zu der Strategie der Chinesen, sich von der US-Währung und damit auch von der amerikanischen Notenbankpolitik unabhängiger zu machen.

Die Chinesen bauen ihre Dollar-Reserven seit Anfang 2018 sukzessive ab. Allein seit Juni vergangenen Jahres sind die Anlagen um rund 80 Milliarden Dollar abgeschmolzen. Gleichzeitig gehört die PBoC zu den aktivsten Käufern am Goldmarkt. Im vergangenen Jahr hat sie rund 40 Tonnen Gold gekauft. Diese Menge Gold hat aktuell einen Wert von rund 17 Milliarden Dollar.

Das Ziel der chinesischen Notenbank könnte es sein, dass durch die geringere Gewichtung des Dollars innerhalb der Währungsreserven die eigene Währung Yuan weniger anfällig gegenüber den Dollar-Schwankungen ist. Üblicherweise wacht die chinesische Zentralbank PBoC darüber, dass sich der Yuan in einem engen Band gegenüber dem Dollar bewegt.

Doch kürzlich hatte der chinesische Notenbankgouverneur Yi Gang eine gelockerte Geldpolitik in Aussicht gestellt. In einem Interview mit Bloomberg sagte er, dass es für den Wechselkurs des Yuan „keine rote Linie“ gebe. An den Märkten gilt beim Wechselkurs die Marke von sieben Yuan für einen US-Dollar als entscheidend.

USA werfen China Manipulation des Wechselkurses vor

Dazu passt auch, dass US-Präsident Donald Trump zusätzlich auf Währungspolitik setzt, um den Handelskonflikt mit anderen Mitteln fortzusetzen. Die USA werfen China seit Langem vor, den Yuan-Wert künstlich niedrig zu halten. Einen ähnlichen Vorwurf musste sich am Dienstag auch EZB-Chef Mario Draghi gefallen lassen.

Trump schrieb auf Twitter: „Mario Draghi kündigte gerade an, dass weitere Impulse kommen könnten, die den Euro gegenüber dem Dollar sofort fallen ließen.“ Dies mache es für Europa unfairerweise leichter, mit den USA zu konkurrieren. „Sie sind damit seit Jahren durchgekommen, zusammen mit China und anderen.“ Die europäischen Märkte seien in Reaktion auf Draghi gestiegen, schob Trump kurz darauf nach: „Unfair gegenüber den USA.“

Mit Spannung dürften die Investoren daher auf die Mai-Daten des US-Schatzamtes blicken, die im Juli veröffentlicht werden sollen: Anfang Mai hatte Trump den Handelskonflikt mit China neu angeheizt. Die Daten könnten einen Hinweis darauf geben, ob China tatsächlich bereit ist, auf die Konfrontation direkt mit dem Abverkauf von US-Staatsanleihen zu reagieren.

Sollte China massenhaft US-Anleihen auf den Markt werfen und die Nachfrage nach den Papieren schwächeln, könnten die Renditen für US-Anleihen ansteigen. Damit würde sich auch die Refinanzierung des US-Haushalts und der Unternehmen verteuern – ein schwerer Schlag für Trump.

Doch davon ist aktuell nichts zu sehen: Die Rendite für US-Staatsanleihen ist zuletzt stark gesunken, auf aktuell 2,05 Prozent. Wegen des Handelskonfliktes sind sichere Anlagen wie US-Treasuries derzeit extrem begehrt.

Die Verkäufe von US-Staatsanleihen könnten daher auch der Versuch der PBoC sein, die eigene Währung gegenüber dem Dollar zu stabilisieren. Wenn China Dollar verkauft und damit Yuan kauft, steigt der Wert der chinesischen Währung. Daher bleibt unklar, ob China mit den Verkäufen die Lage stabilisieren oder destabilisieren will.

Kommentare (1)

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Herr Thomas Keller

20.06.2019, 09:41 Uhr

Es sollte heißen "bleibt der größte ausländische Gläubiger der USA", oder? Oder haben die USA groß in chinesische Bonds investiert?

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