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20.09.2017

13:15 Uhr

Bundesanleihe

Negativrekord für Anleger, Freude bei Schäuble

VonAndrea Cünnen

Deutschland hat eine neue 30-jährige Anleihe begeben. Dafür bietet der Bund nur 1,25 Prozent Zinsen. So wenig gab es für diese Laufzeit bisher weder in Europa noch in den USA. Warum der Bond trotzdem gefragt ist.

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FrankfurtIn der Geschichte der Niedrigzinsen schlägt Deutschland ein neues Kapitel auf. Die Bundesrepublik begab eine neue Anleihe, die erst in 30 Jahren fällig wird, den Anlegern aber dennoch einen Zinskupon von gerade einmal 1,25 Prozent bietet. Das ist der niedrigste Kupon, den es je für eine 30-jährige Anleihe in Europa oder den USA gegeben hat.

Noch weniger Geld für ähnlich lang laufende Anleihen gibt es nur im chronischen Niedrigzinsland Japan. Den Tiefstwert für den Zinsschein einer 30-jährigen Anleihe hielt im Euro-Raum bislang Finnland mit 1,375 Prozent, gefolgt von Österreich mit 1,5 Prozent.

Neue 30-jährige Anleihen aus Deutschland sind eher selten, deshalb war die Auktion auch schon seit Tagen ein großes Thema am Anleihemarkt. Es gibt zwar einmal im Monat Aufstockungen, aber die letzte neue 30-Jährige stammt aus dem Februar 2014. Entsprechend dem damaligen Zinsniveau hat sie noch einen Kupon von 2,5 Prozent. Das war schon vor dreieinhalb Jahren historisch wenig. Seither sind die Kurse am Anleihemarkt aber gestiegen und die Renditen im Gegenzug gefallen. So lag der Kurs der im August 2046 fälligen Anleihe zuletzt bei 130,93 Prozent, die Rendite bei 1,22 Prozent.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Hauptgründe dafür sind die niedrige Inflation und die Geldpolitik der Notenbanken. Im Euro-Raum liegt der Leitzins bei null Prozent, und die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit März 2015 Anleihen – vor allem Staatspapiere – im Volumen von mehr als zwei Billionen Euro gekauft. Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik wollen die Währungshüter die Kreditvergabe und somit die Wirtschaft und die Inflation ankurbeln.

Das immer noch allgemein so niedrige Zinsniveau ist der Grund dafür, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jetzt für die neue Anleihe, die am 15. August 2048 fällig wird, magere 1,25 Prozent Zinsen bieten muss. Für die Bürger als Steuerzahler ist das durchaus ein Vorteil – für die Bürger als Sparer dagegen nicht. Doch trotz des Mini-Kupons war die Anleihe mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro kräftig überzeichnet.

Merrill-Lynch-Volkswirtin Evelyn Herrmann: „Letztlich profitieren auch Sparer von den Niedrigzinsen“

Merrill-Lynch-Volkswirtin Evelyn Herrmann

„Letztlich profitieren auch Sparer von den Niedrigzinsen“

Niedrige Zinsen sind in Deutschland unpopulär, doch Evelyn Herrmann, Volkswirtin bei der Bank of America Merrill Lynch, hält die Kritik an der EZB-Politik für überzogen. Für die Bürger hätte sie auch Vorteile.

Von den 36 Banken, die bei Auktionen von deutschen Staatsanleihen mitbieten dürfen, gaben 26 Kaufgebote über zusammen 2,93 Milliarden Euro ab. Zur Marktpflege behielt die für Deutschlands Refinanzierung zuständige Finanzagentur Anleihen im Wert von 369 Millionen Euro, die sie nach und nach am Markt verkaufen wird. Die Banken, die Bundesanleihen ersteigern, machen dies oft im Auftrag von institutionellen Investoren wie Fonds, Versicherern, Pensionskassen oder anderen Banken.

Die hohe Nachfrage ist erstaunlich, denn schließlich lag die Inflationsrate im Euro-Raum zuletzt bei 1,5 Prozent – die Zinsen der Anleihe gleichen also nicht einmal aktuell die Teuerungsrate aus. Und dass die Verbraucherpreise innerhalb der nächsten 30 Jahre weiter steigen, ist zumindest sehr wahrscheinlich. Schließlich strebt die EZB nachhaltig eine Inflationsrate von nahe zwei Prozent an.

Kommentare (1)

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Herr Lothar Thürmer

20.09.2017, 17:50 Uhr

Ein neuer Tiefschlag für den Sparer. Draghi steuert einen Kurs, der Sparer faktisch enteignet. Und die Politik lässt ihn gewähren. Eine Entwicklung, die an den Rand des Abgrundes führen könnte!

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