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25.04.2019

17:44

Dax aktuell

Dax beendet die Oster-Rally – Wirecard-Aktie verliert fast fünf Prozent

Von: Jürgen Röder, Lara Marie Müller

Nach neun Tagen mit Kursgewinnen ist der deutsche Leitindex am Donnerstag ins Minus gerutscht. Auch an den US-Börsen ziehen sich Anleger zurück.

Dax: Positive Signale im Handelsstreit lassen die Anleger hoffen dpa

Dax-Kurve

Der verfremdete Dax-Chart im Handelssaal der Börse Frankfurt.

FrankfurtNach neun Tagen mit Kursgewinnen hat der Dax am Donnerstag nachgelassen. Der deutsche Leitindex schloss mit 12.282 Punkten 0,25 Prozent tiefer. Am gestrigen Handelstag hatte er mit 12.350 Zählern noch ein neues Jahreshoch erreicht.

Auch die Indizes des Wall Street notierten kurz nach der Eröffnung des dortigen Handels tiefer. Der Dow Jones verlor bis zum Frankfurter Handelsschluss 0,7 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 notierte mit Minus 0,1 Prozent nur leicht im Minus.

Das gestrige Plus im Dax war für den deutschen Leitindex der neunte Tagesgewinn in Folge. Der Rekord stammt vom Februar 1997 mit 13 Tagesgewinnen hintereinander. Heute beendete er seine jüngste Gewinnserie zwar. Ein fünftel Prozent Verlust ist aber noch relativ moderat.

Die Frage lautet jetzt: Steht in den nächsten Tagen eine größere Korrektur an? Nach Einschätzung von Joachim Goldberg, der für die Börse Frankfurt eine wöchentliche Stimmungsumfrage unter Anlegern auswertet, dürfte solch eine Korrektur nicht sehr groß ausfallen. Denn Investoren, die immer noch auf einen günstigeren Einstieg warten, würden vermutlich bei 12.000 Dax-Punkten aktiv werden. Und bei weiter steigenden Kursen müssten zudem etliche Short-Produkte, die dann an Wert verlieren, verkauft werden. Das dürfte die Rally weiter anheizen.

Laut der Goldberg-Analyse haben Institutionelle Anleger in den vergangenen Tagen nur widerwillig gekauft, vermutlich weil sie mussten. Und die Privatanleger haben zuletzt sogar Aktien verkauft. Gewinnmitnahmen, vermutet der Verhaltensökonom. Fazit: Es ist noch reichlich Kapital vorhanden, das investiert werden kann oder einigen Profianlegern sogar investiert werden muss.

Die hohe Relevanz solcher Stimmungsumfragen lässt sich am besten mit einem Blick zurück erläutern. „Privatanleger spekulieren auf fallende Kurse – das könnte eine falsche Entscheidung sein“, lautete Mitte April die Überschrift nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Damals notierte die Frankfurter Benchmark bei rund 12.000 Punkten, rund 300 Zähler unterhalb der aktuellen Notierung.

Falsche Entscheidungen treffen die Privaten womöglich weiterhin. Denn je höher die Kurse steigen, umso mehr spekulieren sie auf fallende Kurse – eine verständliche Reaktion, aber in der Masse eher die falsche.

Das Verhalten ist ablesbar am Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart. Das wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt und notiert auf einem neuen Rekordtief der vergangenen zwölf Monate. Noch gestern hat sich die Zahl der Put-Produkte, die bei fallenden Kursen an Wert gewinnen, gegenüber den Call-Derivaten, deutlich erhöht.

Das alles lässt die Schlussfolgerung zu: Solange die Privatanleger auf solch einem hohen Niveau Put-Produkte in ihren Depots haben, solange dürfte es vermutlich keine größere Korrektur geben.

Die Türkische Notenbank hat am heutigen Donnerstag beschlossen, den Leitzins bei 24 Prozent zu belassen. Als Reaktion gab es eine Achterbahnfahrt am Devisenmarkt. Vor der Entscheidung lagen sowohl Euro als auch Dollar gegenüber der türkischen Währung um 0,5 Prozent, um kurz danach ins Minus zu rutschen.

Zu Frankfurter Börsenschluss notiert die europäische Gemeinschaftswährung im Vergleich zur Lira rund 1,2 Prozent im Plus bei 6,62, dem höchsten Stand seit mehr als sechs Monaten. Die Notenbanker wollen in der Türkei den straffen geldpolitischen Kurs beibehalten, bis die Inflationsaussichten eine deutliche Verbesserung zeigen.

Am Rohölmarkt ging die Rally weiter. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee stieg um 1,1 Prozent auf ein Sechs-Monats-Hoch von 75,42 Dollar je Barrel (159 Liter). Grund hierfür waren Börsianern zufolge erneut die verschärften US-Sanktionen gegen Iran. Andere Export-Staaten wie Saudi-Arabien oder Russland hätten allerdings ausreichende Reserve-Kapazitäten, um Ausfälle iranischer Lieferungen aufzufangen, sagte Bjoernar Tonhaugen, Chef-Ölanalyst der Beratungsfirma Rystad.

Blick auf die Einzelwerte

Deutsche Bank/Commerzbank: Die Gespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank sind gescheitert. Der Kurs der Commerzbank fiel um 2,3 Prozent. Das Deutsche-Bank-Papier lag nach einer schwachen Eröffnung zeitweise um mehr als vier Prozent im Plus, verlor die Gewinne bis Handelsschluss aber wieder beendete den Tag 1,5 Prozent im Minus.

Wirecard: Der unter Druck stehende Zahlungsdienstleister hat auch im abgelaufenen Jahr seinen Gewinn deutlich erhöht. Unter dem Strich stand ein Nettoergebnis von 347,4 Millionen Euro und damit ein Plus von knapp 36 Prozent. Viel wichtiger: Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) haben bei ihrer Durchsicht des Geschäftsberichts von Wirecard keine Hinweise auf größere Unregelmäßigkeiten gefunden. EY erteilte dem Zahlungsdienstleister trotz der massiven Vorwürfe eines Mitarbeiters in Singapur ein uneingeschränktes Testat für das Jahr 2018. Die Aktie gewann anfangs deutlich, verlor kurz darauf aber wieder. Sie beendete den Handelstag als größter Dax-Verlierer mit 3,7 Prozent Wertverlust.

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Bayer: Inmitten der Klagewelle wegen des Unkrautvernichters Glyphosat erweist sich die Monsanto-Übernahme als Ergebnistreiber bei Bayer. Im ersten Quartal erhöhte sich der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um mehr als 44 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Den Aktionären gefiel das, das Papier stieg um 1,4 Prozent.

UBS: Die Schweizer Bank hat im ersten Quartal wegen rückläufiger Erträge in der Vermögensverwaltung und der Investmentbank weniger verdient. Der Gewinn der größten Schweizer Bank schrumpfte zu Jahresbeginn nach Angaben von Donnerstag auf 1,14 Milliarden Dollar nach 1,57 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit schnitt die UBS, die nach Credit Suisse als zweite europäische Großbank Zahlen für das erste Quartal 2091 vorgelegt, jedoch besser ab als von Analysten erwartet. Der Titel steigt am deutschen Aktienmarkt um rund 0,2 Prozent.

Delivery Hero: Der Essenslieferdienst hat im ersten Quartal dank gestiegener Bestellungen einen Umsatzsprung von 93 Prozent auf 267 Millionen Euro verbucht. Angesichts dessen ist der Vorstand für das Gesamtjahr nun zuversichtlicher und erwartet einen Umsatz zwischen 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro statt 1,08 bis 1,15 Milliarden. Der Aktienkurs reagierte mit einem Plus von mehr als zehn Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Rücksetzer unter die 12.000er-Marke wären aus bullischer Sicht völlig problemlos. Aus Sicht der Charttechnik gilt: Solange der Leitindex oberhalb der Marke von 11.938 Zählern bleibt, sind die Aussichten für weitere Kurssteigerungen positiv.

Warum 11.938 Punkte so wichtig sind? Die Marke ist die 50-prozentige Korrekturmarke des Abwärtstrends seit dem Allzeithoch von 13.596 Zählern bis hin zum mehrjährigen Allzeittief von 10.279 Punkten Ende Dezember 2018. Die stabilste Unterstützung liegt um 11.700 Punkte, wo die 38- und die 200-Tage-Linien verlaufen.

Für längerfristige Investoren lohnt sich ein Blick auf die 200-Tage-Linie: Fast immer stieg der Dax für eine längere Zeit weiter, wenn er diese 200-Tage-Linie überwunden hatte. Der Durchschnitt notiert aktuell bei 11.687 Zählern mit noch minimal fallender Tendenz. In wenigen Handelstagen dürfte diese Linie wieder steigen, was als Signal für einen länger anhaltenden Aufwärtstrend gilt.

Blick auf die Börse in USA und Asien

Gemischte Firmenbilanzen haben die US-Börsen diesen Mittwoch in Schach gehalten. Alle drei großen Indizes ließen nach der jüngsten Kursrally leicht Federn. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer auf 26.597 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,2 Prozent auf 2927 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich ebenfalls um 0,2 Prozent auf 8102 Punkte.
Nach einem zeitweisen Absturz im Herbst dominieren Technologiewerte erneut den S&P 500 und tragen zu großen Teilen die Rally an der Wall Street. Eine wichtige Rolle spielen die bekannten FAANG-Aktien: Facebook, Amazon , Netflix und die Google -Mutter Alphabet . Sie haben seit Jahresanfang zwischen gut 20 Prozent (Alphabet) und 40 Prozent (Facebook) zugelegt.

Die Angst um die Weltkonjunktur hat an diesem Donnerstag die Aktienmärkte in Asien belastet. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gab 0,2 Prozent nach. In Tokio hingegen zog der Leitindex Nikkei um 0,4 Prozent auf 22.281 an.

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