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05.06.2019

18:28

Dax aktuell

Dax bleibt unter 12.000 Punkten – und zeigt trotzdem Stärke

Von: Anne Wiktorin, Lilian Fiala, Jürgen Röder

Der deutsche Leitindex erlebte am Mittwoch eine Berg- und Talfahrt. Am Ende rettete er sich ins Plus – trotz einer Reihe schlechter Nachrichten.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve

Der verfremdete Dax-Chart im Handelssaal der Börse Frankfurt.

FrankfurtEs war ein wechselvoller Tag für den Deutschen Aktienindex. Nach einem vielversprechenden Start schaffte es der Dax rasch, die Schwelle von 12.000 Punkten zu überspringen. Doch dann ging es bergab – und der Schlussspurt kurz vor Handelsschluss endete knapp 20 Punkte unterhalb dieser wichtigen Marke.

Dennoch: Dem Dax gelang es wieder einmal, aus einem Minus ein Plus zu machen – auch wenn es heute nur winzig war. Der Leitindex schloss 0,1 Prozent höher auf dem Stand von 11.981 Punkten. Damit legt der Dax den dritten Tag in Folge zu. Am Dienstag konnte das Börsenbarometer mit einem Plus von gut 1,5 Prozent sogar den höchsten Tagesgewinn seit drei Wochen verzeichnen.

Der Handelsverlauf unterstreicht das aktuelle Beharrungsvermögen des Dax. Denn an negativen Nachrichten mangelte es am Mittwoch nicht. Sorgen bereitete Anlegern etwa, dass die EU-Kommission wegen der hohen Staatsverschuldung Italiens ein Strafverfahren gegen das Land empfiehlt. Die Brüsseler Behörde kam zu dem Schluss, die Regierung habe 2018 keine ausreichenden Gegenmaßnahmen getroffen. Nun müssen sich die EU-Staaten mit der Sache befassen. Am Ende könnten Strafen in Milliardenhöhe stehen.

Investoren zogen daher bei italienischen Bankenwerten die Reißleine: Der Branchenindex lag zuletzt 2,4 Prozent im Minus, während der Mailänder Aktienindex 0,1 Prozent schwächer bei 20.206 Punkten notierte. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg um fünf Basispunkte und erreichte mit 2,575 Prozent ein Tageshoch.

Am Nachmittag folgte dann eine ernüchternde Nachricht aus den USA: Laut der privaten Arbeitsagentur ADP schafften US-Firmen im Mai nur 27.000 neue Stellen. Analysten hatten mit gut fünf Mal so viel gerechnet.

Offenbar aber ist die Hoffnung auf die positiven Auswirkungen sinkender US-Leitzinsen stärker als die Furcht vor einer Konjunkturabkühlung in der weltgrößten Volkswirtschaft. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte am Dienstag die Tür für Zinssenkungen offen gelassen und damit nicht nur die US-Börsen beflügelt.

Auch die Börsen in Deutschland und Japan reagierten auf eine mögliche Zinssenkung durch die US-Notenbank. Genährt wurden die Spekulationen auf Zinssenkungen auch durch die Entscheidung der australischen Notenbank, den Schlüsselsatz auf ein Rekordtief zu senken. „

„Der Markt fordert niedrigere Zinsen als Schutz gegen etwaige konjunkturelle Schwäche“, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. „Damit steigt auch der Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken.“

Noch am Mittwochabend will die Deutsche Börse nach Handelsschluss bekanntgeben, welche Aktien zukünftig in Dax, MDax und SDax gehandelt werden. Vor allem das Spezialchemieunternehmen Wacker muss zittern, ihm droht der Abstieg aus dem MDax.

Zu potentiellen Nachfolgern zählen der Kochboxen-Anbieter Hello Fresh und der Finanzdienstleister Grenke. In den SDax könnten es die Immobilienfirma Instone Real Estate sowie das Medizintechnikunternehmen Eckert & Ziegler schaffen. Im Dax und TecDax bleibt voraussichtlich alles beim alten. Alle Änderungen werden am 24. Juni umgesetzt.

Blick auf die Einzelwerte

Volkswagen: Der Autobauer forciert trotz der herrschenden Unsicherheit an den Finanzmärkten den Börsengang seiner Lkw-Sparte Traton. In Deutschland könnte es in diesem Jahr der größte Börsengang werden. Volkswagen bekräftigte, dass der Börsengang je nach Marktlage „vor der Sommerpause“ im August abgeschlossen sein soll. Finanzkreise gehen von einer Erstnotiz am 28. Juni aus.

Maximal 2,4 Milliarden Euro könnte der Börsengang Tratons wert sein, wenn bis zu 15 Prozent der Aktien an die Börse gebracht werden. Der Aktie des Mutterkonzerns Volkswagen half das nicht. Sie schloss 1,3 Prozent im Minus.

SAP: Mit einem Kursgewinn von 0,8 Prozent gehörten die Aktien des IT-Konzerns zu den attraktivsten Dax-Werten. Sie profitierten von Geschäftszahlen des US-Konkurrenten Salesforce, der nach einem guten Start ins neue Geschäftsjahr zuversichtlicher nach vorn blickt.

DWS: Am Tag der ersten Hauptversammlung der Deutsche-Bank-Fondstochter gewann die Aktie des Unternehmens knapp ein Prozent. Die Anleger hatten auf klare Antworten zur Zukunft der DWS gehofft, wurden von DWS-Chef Asoka Wöhrmann aber mit viel Pathos und einem Aufruf zur Kostendisziplin abgespeist.

Deutsche Bank: Die Bank konnte am Mittwoch die Marke von sechs Euro nur knapp halten. Sie ging 1,6 Prozent schwächer bei 6,14 Euro aus dem Handel.

Lufthansa: Um die Airlines von Thomas Cook, darunter die deutsche Condor, entbrennt ein Bieterstreit. Doch das ist nicht das einzige Problem für den deutschen Marktführer Lufthansa: Eine Übernahme von Condor dürfte in Brüssel auf kartellrechtliche Bedenken stoßen. Die Lufthansa-Aktie steigt trotzdem leicht um 0,2 Prozent.

Hello Fresh: Dem Kochboxen-Anbieter werden Chancen eingeräumt, nach der Index-Überprüfung der Deutschen Börse am Mittwoch in den MDax aufzurücken. Anleger interessiert das wenig, die Aktie verliert 2,5 Prozent.

Grenke: Auch der Finanzdienstleister gilt als Kandidat für einen Platz im MDax. Die Aktien des Konzerns gewinnen 1,2 Prozent.

Wacker: Wo Hello Fresh oder Grenke aufsteigen, muss Wacker womöglich weichen – das Spezialchemieunternehmen hatte zuletzt starke Verluste bei seinem Börsenwert hinnehmen müssen. Jetzt droht der Abstieg aus dem MDax. Die Aktie verliert 2,4 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax hat die 200-Tagelinie getestet und den Test erfolgreich überstanden. Doch nicht nur das: Auch die Abwärtskurslücke vom vergangenen Freitag wurde mittlerweile geschlossen. Diese Lücke entstand, weil der Dax am Donnerstag bei 11.858 Zählern das Tagestief hatte, das Tageshoch am Freitag lag aber nur bei 11.755 Punkten.

Solch eine Kurslücke (sprunghafter Ausbruch oder in der Charttechnik Gap genannt) ist das typische Ergebnis einer offensichtlichen und abrupten Neueinschätzung durch die Anleger. Die vordergründige und typische Einschätzung von solchen Gaps geht demnach auch in die Entstehungsrichtung der Lücke: Eine Aufwärtslücke gilt als Kaufsignal, eine Abwärtslücke als Verkaufssignal.

Zumindest lässt sich nach dem gestrigen Handelstag sagen: Die negative Neubewertung kann aufgrund der Lückenschließung wieder zu den Akten gelegt werden. Die charttechnische Lage hat sich in nur zwei Handelstagen deutlich verbessert.

Oberhalb von 11.938 Zählern stehen die Zeichen auf weitere Kursgewinne: Dies ist die sogenannte 50-Prozent-Korrekturmarke der Abwärtsbewegung von 13.596 (Allzeithoch Anfang 2018) bis 10.279 Zählern, die der Dax Ende Dezember 2018 erreichte.

Analystencheck: JP Morgan belässt Shell auf „Overweight“

Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung für Shell nach einem Kapitalmarkttag auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 2850 Pence belassen. Bei den für 2021 bis 2025 anvisierten Ausschüttungen von insgesamt 125 Milliarden US-Dollar dürfte sich Royal Dutch Shell verstärkt auf Aktienrückkäufe kaprizieren, schrieb Analyst Christyan Malek in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Damit würde der Öl- und Gaskonzern weniger als bislang auf Dividenden als Ausschüttungsform setzen.

Mehr: Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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Kommentare (1)

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Herr Andre Peter

05.06.2019, 11:09 Uhr

In den Dollar Raum wurde vor allem auch wegen der hohen Zinsen investiert. Sollten die Zinsen sinken in Amerika, so werden Investitionen und Gelder verstärkt noch Europa fließen, was zu einem steigenden Euro und auch zu steigenden Aktienkursen in Europa führen wird.

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