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29.05.2019

17:48

Dax aktuell

Dax fällt auf den niedrigsten Schlusskurs seit zwei Monaten – Alle 30 Werte schließen im Minus

Von: Lilian Fiala, Jürgen Röder

Der Dax rutscht deutlich unter 12.000 Punkte und kämpft nun mit wichtigen Marken. Trotz der Verluste gibt es aber auch Signale der Hoffnung.

Der Dax bewegt sich am Mittwochmorgen im Minus. Getty Images; Per-Anders Pettersson

Deutscher Leitindex

Der Dax bewegt sich am Mittwochmorgen im Minus.

DüsseldorfDer deutsche Leitindex tritt in eine wichtige Handelsphase ein: Mehr als 450 Punkte hat der Dax seit dem 1. Mai bereits verloren und kämpft derzeit aus charttechnischer Sicht mit wichtigen Unterstützungsmarken. Zum Handelsschluss lag die Frankfurter Benchmark am Mittwoch 1,6 Prozent im Minus bei 11.838 Zählern. Es war der niedrigste Schlusskurs seit zwei Monaten.

Der Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Zählern hatte sogar auf das Tagestief bei 11.829 Zählern geführt. Alle 30 Werte lagen zum Schluss im Minus.

Am Vortag hatte vor allem der Sieg der rechtspopulistischen Lega bei der Europawahl in Italien den Anlegern Sorgen bereitet. Der deutsche Leitindex war bei 12.027 Zählern 0,4 Prozent im Minus aus dem Handel gegangen.

Die Belastungen des Marktes, die von den Experten aufgeführt werden, sind insgesamt nicht neu: Ein nach wie vor ungelöster Handelsstreit, die wieder zunehmende Gefahr eines ungeregelten Brexit und mal wieder Streit zwischen Brüssel und Rom ums Haushaltsdefizit – die politischen Störfeuer wurden wieder entfacht, nachdem sie eine Weile lang nur so vor sich hin geglüht hatten.

Schon an der Wall Street kippte gestern Abend die Stimmung. Und über die Börsen in Fernost ist die Risikoaversion heute Morgen auch an der Frankfurter Börse angekommen.

Doch es gibt im Zollstreit neue Wendungen: Der chinesische Netzwerkausrüster Huawei will das US-Gesetz, das das Unternehmen aus Gründen der nationalen Sicherheit von Aufträgen ausschließt, für verfassungswidrig erklären lassen. Zudem könnte China Medienberichten zufolge den Export Seltener Erden in die USA als Druckmittel in dem Konflikt benutzen. Der Rohstoff wird für die Herstellung von Mobiltelefonen und anderen Elektronikgeräten benötigt.

Das würde die USA vor große Probleme stellen, sagte Marktexperte Thomas Altmann von Vermögensverwalter QC Partners. „Der Handelskonflikt bleibt eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft und damit auch für die Börsen.“

Und die Konjunkturabkühlung schlug sich im Mai auch auf dem deutschen Jobmarkt nieder. Die Zahl der Arbeitslosen stieg allerdings auch wegen eines Sondereffekts zum Vormonat überraschend um 7000 auf 2,236 Millionen. „Die fetten Jahre liegen hinter uns“, sagte Volkswirt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. „Jetzt kommen wir allmählich zu einem Punkt, wo es keine deutliche Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt mehr gibt.“ Am Devisenmarkt verlor der Euro 0,3 Prozent auf 1,1129 Dollar.

Was gegen weiter fallende Kurse spricht

Der Verhaltensökonom Joachim Goldberg sieht deutsche Aktien aufgrund negativer Erwartungen vieler Anleger unter Druck. Denn es gebe derzeit viele Pessimisten, meint er nach Auswertung einer Umfrage zur Anlegerstimmung der Börse Frankfurt.

Goldberg vermutet aber, dass die meisten Anleger noch an den übergeordneten Aufwärtstrend glauben würden. Sein Fazit: Die Bären von heute bräuchten nun schnelle Erfolge, sonst bekämen sie Angst, einen Aufwärtstrend zu verpassen und würden entsprechend schnell wieder die Seite wechseln.

Auf der unteren Seite sollte der Bereich zwischen 11.600 und 11.700 Zählern Unterstützung bieten. „Und deswegen sieht es für den Dax per Saldo nicht so schwarz aus, wie es die Chartbilder von heute vermitteln mögen“, meint der oft treffsichere Sentimentexperte.

In einem schwierigen Fahrwasser befindet sich die Stahlbranche. Angesichts der schwachen Nachfrage will der Stahlkonzern Arcelor-Mittal seine Produktion in Europa weiter zurückfahren. Die Aktien fielen um bis zu sechs Prozent auf den niedrigsten Stand seit Juli 2016.

Auch andere europäische Stahlwerte gerieten ins Straucheln: Thyssen-Krupp und Salzgitter gaben jeweils 3,3 sowie 1,4 Prozent ab, Klöckner & Co fielen um 3,7 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Die Analysten sind sich einig: Der grobe Bereich um die Marke von 11.850 Zählern ist wichtig für die weitere Kursentwicklung. Sollte der Dax deutlich darunter fallen, drohen schnell weitere Kursverluste.

Der Grund: In dem Bereich liegen mehrere wichtige Unterstützungen wie beispielsweise das bisherige Tief des Monats Mai mit 11.844 Punkten. Dieses Niveau hatte der Dax Mitte Mai mehrfach getestet, wie es in der Sprache der Charttechniker heißt. Von dort aus stieg der Index schnell auf 12.300 Zähler.

„Kurzfristig gilt nach wie vor die Devise: Solange der Dax das Niveau um 11.800 Punkte verteidigen kann, liegt in den nächsten Monaten noch eine Anstiegsphase in der Luft, die in den Bereich 12.500 bis 12.800 Punkte gehen sollte“, fasst Wirtschaftswoche-Börsenexperte Anton Riedl zusammen.

Sollte die Marke fallen, würde sofort die 200-Tagelinie (aktuell bei 11.630 Zählern) in den Fokus geraten. Sollte die auch nicht halten, wäre der Auswärtstrend seit Ende Dezember in Gefahr. Erst die nachhaltige Rückeroberung der 38-Tagelinie, die aktuell bei 12.105 Punkten liegt, würde die Weichen stellen für eine verbesserte Dax-Situation stellen, meinen die technischen Analysten der HSBC.

Einzelwerte im Überblick

Wirecard: Der vermutlich volatilste Dax-Wert aller Zeiten macht seinem Ruf mal wieder alle Ehre. Zum Schluss verlor die Aktie 6,8 Prozent. Nachrichten gab es keine. Nach einem Kurszuwachs von rund 20 Prozent im vergangenen Monat machten einige Anleger Kasse, sagte ein Börsianer.

Deutsche Bank: Neuer Handelstag, neues Rekordtief lautet das Motto von Deutschlands größtem Geldhaus. Das neue Rekordtief liegt nun bei 6,12 Euro, zum Handelsschluss notiert das Papier bei 6,16 Euro und damit 2,4 Prozent im Minus. Bereits am gestrigen Dienstag war die Deutsche Bank der große Verlierer im deutschen Aktienmarkt und schloss mit einem Minus von 2,2 Prozent bei 6,31 Euro so schlecht wie nie zuvor.

Das Institut beschäftigt derweil der kostspielige Umbau des Investmentbankings. Dabei will die Bank eine Kapitalerhöhung unbedingt vermeiden. Ein Insider sagte gegenüber dem Handelsblatt, die Bank spiele mit dem Gedanken, ihr Ziel für die Eigenkapitalquote zu senken und damit viel Kapital freizusetzen.

Kuka: Der Roboterbauer lud zur Hauptversammlung. Zum ersten Mal stand dabei der neue Vorstandschef Peter Mohnen an der Spitze. Der ehemalige Finanzvorstand übernahm die Rolle des Interims-CEO, nachdem der langjährige Vorstandschef Till Reuter das Unternehmen Ende 2018 verließ.

Kurz vor der Hauptversammlung erhielt Mohnen den dauerhaften Vertrag. Er steht vor der Herausforderung, Eigentümer Midea rasche Fortschritte zu zeigen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Mohnen über den Druck durch die Chinesen, sein Sparprogramm und seine Zukunftspläne für das Unternehmen. Die Papiere von Kuka verlieren 1,2 Prozent.

Rocket Internet: Der Start-up-Investor von CEO Oliver Samwer legte seine Quartalszahlen vor. Zuletzt hielt das Unternehmen eine Cash-Reserve von zwei Milliarden Euro. Inzwischen dürfte diese noch weiter gewachsen sein. Aktuell fehlt Samwer jedoch das nächste große Investment, heißt es aus Investorenkreisen.

Mit den Quartalsergebnissen ist das Unternehmen zufrieden. Seit Januar 2018 habe Rocket zehn neue Geschäftsmodelle aufgebaut. Die Papiere des Unternehmens verzeichneten einen Kurszuwachs von 4,9 Prozent.

Knorr-Bremse: Der Bremsenspezialist hat nach einem guten ersten Quartal seinen Ausblick für das Gesamtjahr leicht angehoben. Knorr-Bremse erwartet 2019 nun einen Umsatz von 6,875 bis 7,075 Milliarden Euro, wie das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch in München mitteilte.

Bisher war der Spezialist für Schienenfahrzeugsysteme und Lkw-Zulieferung von einem Umsatz von 6,8 bis 7 Milliarden Euro ausgegangen. Zudem soll die Profitabilität steigen und mehr vom Erlös als Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen hängen bleiben. Die Aktie des Unternehmens legte 2,5 Prozent zu.

Analystencheck: Credit Suisse hebt Kursziel für Novartis

Die Schweizer Bank Credit Suisse hat das Kursziel für Novartis von 84 auf 88 Franken angehoben und die Einstufung auf „Neutral“ belassen. Nach den jüngsten US-Zulassungen für das Brustkrebs-Medikament Piqray und das Gentherapie-Mittel Zolgensma habe er sein Bewertungsmodell für den Schweizer Pharmakonzern überarbeitet, schrieb Analyst Trung Huynh in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Daraus resultierten höhere Gewinnprognosen (EPS) für die Jahre 2019 bis 2024.

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