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04.06.2019

17:52

Dax aktuell

Dax scheitert nur knapp an der Marke von 12.000 Punkten

Von: Jürgen Röder, Anne Wiktorin

Der Leitindex hat die vielbeachtete 200-Tagelinie getestet und den Test erfolgreich bestanden. Außerdem beflügelt US-Notenbankchef Powell mit seiner Rede die Märkte.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve

Der verfremdete Dax-Chart im Handelssaal der Börse Frankfurt.

FrankfurtDas deutsche Aktienbarometer zeigt am Dienstag überraschende Stärke. Nachdem der Dax mit einem Minus von 0,6 Prozent in den Tag gestartet war, drehte er ins Plus und lag zum Handelsschluss 11.971 Punkten gut 1,5 Prozent im Plus. Es war der höchste Tagesgewinn seit drei Wochen.

Das Tageshoch lag bei 11.988 Zählern, nur zwölf Punkte unterhalb der 12.000-Punkte-Marke. Der deutsche Leitindex hat seit seinem Tiefpunkt am vergangenen Montag mit 11.628 Zählern bereits mehr als 350 Punkte zugelegt.

Damit widerlegt das Börsenbarometer seine Skeptiker, die in den vergangenen Tagen noch eine deutlichere Abwärtsbewegung erwartet hatten. Viele Analysten hatten beispielsweise einen Rutsch auf 11.400 Zähler ausgerufen.

Für Leser der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3500 Anlegern kommt diese Wende am Aktienmarkt aber nicht überraschend: Für den Sentimentexperten Stephan Heibel, der diese Umfrage auswertet, sprach am gestrigen Montag vieles dafür, dass auf dem aktuellen Dax-Kursniveau von rund 11.700 ein zwischenzeitlicher Tiefpunkt liege. Bis auf das Sentiment der Stuttgarter Börse Euwax, das Privatanlegern eine zu bullische Positionierung attestiert, sind sämtliche Stimmungsindikatoren bereits so stark negativ, dass kaum noch hoher Verkaufsdruck aufkommen könne, erläuterte er.

Anleger hoffen auf einen Wachstumsschub durch Zinssenkungen der großen Notenbanken. Genährt wurden die Spekulationen durch die Entscheidung der australischen Notenbank, den Schlüsselsatz auf ein Rekordtief zu senken. „Der Markt fordert niedrigere Zinsen als Schutz gegen etwaige konjunkturelle Schwäche“, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke bereits am heutigen Vormittag. „Damit steigt auch der Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken.“

Ihre Prognose bewahrheitete sich am späten Nachmittag mitteleuropäischer Zeit. US-Notenbankchef Jerome Powell hat eine angemessene Reaktion auf Auswirkungen des Zollstreits angekündigt und damit die Tür für eine Zinssenkung geöffnet. Die Fed beobachte die Entwicklungen rund um die Handelsstreitigkeiten genau, sagte er am Dienstag auf einer Notenbank-Konferenz in Chicago. „Wir wissen nicht wie oder wann diese Angelegenheiten gelöst werden“, fügte er hinzu. Wie immer werde die Fed „angemessen reagieren“, um den Aufschwung zu stützen.

Zugleich ließ die kurze Erklärung des Fed-Präsidenten aufhorchen, da er bislang gebräuchliche Schlüsselwörter für den Zinskurs wegließ. So hatten die Währungshüter sich zuletzt auf die Formulierung festgelegt, dass sie es bei den Zinsen „geduldig“ angehen lassen wollen.

An den Märkten wird mittlerweile fest damit gerechnet, dass die Notenbank spätestens im Dezember, womöglich aber bereits im Sommer die Zinsen senkt. Der Leitzins liegt derzeit in einer Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Die US-Währungshüter hatten ihn 2018 wegen der guten Konjunktur mehrfach angehoben und wollten dies eigentlich auch 2019 tun. Angesichts des Handelsstreits und der schwächeren Weltwirtschaft schwenkten sie dann aber um und drückten die Pausetaste.

„Der Markt preist mittlerweile drei Zinssenkungen der Fed von insgesamt 75 Basispunkten bis Ende 2020 ein“, analysieren die Experten des Bankhauses Metzler. Von der aktuellen Spanne würden die Leitzinsen dann nur noch zwischen 1,5 bis 1,75 Prozent liegen. Bis Ende 2019 könnten bereits zwei dieser Abwärtsschritte beschlossen werden, glauben viele Marktteilnehmer.

Die große Frage sei, ob sich die Europäische Zentralbank (EZB) dem Trend anschließe, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Tut sie das, müsste sie die Zinsen in der Euro-Zone tief in den negativen Bereich befördern.“ Denn auch die aktuellen Inflationsdaten aus der Euro-Zone konnten die Kauflaune der Anleger nicht dämpfen. Am Vormittag veröffentlichte die europäische Statistikbehörde Eurostat ihre erste Inflationsschätzung für den Monat Mai. Demzufolge verteuerten sich die Verbraucherpreise im Euro-Raum um 1,2 Prozent. Das liegt deutlich unter der Rate aus dem April, als die Preise um 1,7 Prozent gestiegen waren. Vor allem aber hat sich der Abstand zum Inflationsziel der EZB weiter vergrößert. Die Notenbank hält eine Rate von etwa zwei Prozent für einen konjunkturell idealen Wert.

Für die EZB-Sitzung am Donnerstag halten Börsianer eine Zinssenkung für ausgeschlossen. Angesichts der geringen Inflation werde die Notenbank ihre geplanten Billig-Kredite für Geschäftsbanken aber wohl zu sehr günstigen Konditionen vergeben, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. „Das dürfte vor allem die italienischen Banken freuen. Letztere zählen zu den Hauptprofiteuren der EZB-Geldspritzen.“

Der italienische Bankenindex gewann am Dienstag 2,2 Prozent. Die Finanzwerte profitierten Börsianern zufolge außerdem von den jüngsten Aussagen des Ministerpräsidenten Giuseppe Conte. Der parteilose Regierungschef bekannte sich zur Einhaltung der EU-Haushaltsregeln. Außerdem drohte er mit Rücktritt, sollte die Regierungskoalition von Lega und Fünf-Sterne-Bewegung ihren Streit nicht beilegen. Auch bei italienischen Anleihen griffen Investoren zu und drückten die Rendite der zehnjährigen Titel von 2,574 auf zwischenzeitlich 2,471 Prozent. 

Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe legte leicht zu und drückte die Rendite zwischenzeitlich auf minus 0,218 Prozent.

Die Sorgen bleiben

„Die Unsicherheiten sind allerdings noch lange nicht vom Tisch“, warnte Analyst Timo Emden von Emden-Research. „Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Gong für die nächste Runde im US-chinesischen Handelsstreit ertönt“, sagte der Experte.

Schließlich hat nicht nur US-Präsident Donald Trump die Handelssanktionen gegen China noch einmal verschärft und damit den Konflikt mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt weiter angeheizt. Seit dem Wochenende bedroht er auch Mexiko mit Strafzöllen. Freundliche Töne schlug Trump hingegen bei seinem Besuch in Großbritannien an: Per Twitter stellte Trump dem Königreich einen „großen Handelsvertrag“ in Aussicht, wenn es erstmal aus der EU ausgetreten sei.

Blick auf die Einzelwerte

Deutsche Bank: Nach den hohen Verlusten des Vortags legte die Aktie des Geldhauses am heutigen Handelstag 4,45 Prozent im Plus und eroberte mit dem Schlusskurs von 6,24 Euro die Marke von sechs Euro wieder zurück.

Infineon: Die Aktie des Chipherstellers steht im Fokus der Investoren. Der Konzern will für neun Milliarden Euro den US-Rivalen Cypress Semiconductor kaufen. Am Montag verloren Infineon-Papiere 8,1 Prozent. Am Dienstag lag der Titel lange Zeit im Minus, ging aber mit einem Plus von 0,6 Prozent aus dem Handel.

Autowerte: Nach Gerüchten über ein Gespräch zwischen Volkswagen-Chef Herbert Diess und dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer, bei dem es vermutlich um die geplante Einführung von neuen US-Zöllen auf Einfuhren aus Mexiko gegangen sein dürfte, legen deutsche Automobilwerte am Dienstag zu. Daimler gewinnen 4,1 Prozent, BMW und Volkwagen 2,9 sowie 3,3 Prozent.

Henkel: Die Anteilsscheine des Konsumgüterherstellers fielen zeitweise um gut ein Prozent und damit auf ein weiteres Tief seit dem Jahr 2014. Das Analysehaus Jefferies hatte die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ abgestuft und das Kursziel auf 86,50 Euro gesenkt. Im Handelsverlauf drehte der Kurs wieder ins Plus und stieg um 0,7 Prozent.

DWS: Nach einer Kaufempfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs verteuerten sich die Aktien der Deutsche-Bank-Fondstochter um 2,8 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax hat die 200-Tagelinie getestet und den Test erfolgreich überstanden. Doch nicht nur das: Auch die Abwärtskurslücke vom vergangenen Freitag wurde mittlerweile geschlossen. Diese Lücke entstand, weil der Dax am Donnerstag bei 11.858 Zählern das Tagestief hatte, das Tageshoch am Freitag lag aber nur bei 11.755 Punkten.

Solch eine Kurslücke (sprunghafter Ausbruch oder in der Charttechnik Gap genannt) ist das typische Ergebnis einer offensichtlichen und abrupten Neueinschätzung durch die Anleger. Die vordergründige und typische Einschätzung von solchen Gaps geht demnach auch in die Entstehungsrichtung der Lücke: Eine Aufwärtslücke gilt als Kaufsignal, eine Abwärtslücke als Verkaufssignal.

Zumindest lässt sich nach dem heutigen Handelstag sagen: Die negative Neubewertung kann aufgrund der Lückenschließung wieder zu den Akten gelegt werden. Die charttechnische Lage hat sich in nur zwei Handelstagen deutlich verbessert.

Oberhalb von 11.938 Zählern stehen die Zeichen auf weitere Kursgewinne: Dies ist die sogenannte 50-Prozent-Korrekturmarke der Abwärtsbewegung von 13.596 (Allzeithoch Anfang 2018) bis 10.279 Zählern, die der Dax Ende Dezember 2018 erreichte.

Analystencheck: RBC nimmt Daimler in die Bewertung auf und erwartet, dass sich die Aktie besser entwickeln wird als der Index

Das Analysehaus RBC hat Daimler mit „Outperform“ und einem Kursziel von 67 Euro in die Bewertung aufgenommen. Der Autobauer sei bei Elektrofahrzeugen gut positioniert, schrieb Analyst Joseph Spak in einer am Montag vorliegenden Branchenstudie. Strafzölle im Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union wären zwar problematisch, aber wohl keine Katastrophe.

Nicht jeder Analyst, der im Handelsblatt-Analystencheck die Daimler-Aktie beobachtet, ist so optimistisch. Von den 62 Experten empfehlen nur 19 die Aktie zum Kauf, 30 raten, sie zu halten, 13 meinen, eine Verkauf sei aus Anlegersicht das Beste. Mit einem Kursziel von 74 Euro in zwölf Monaten bleibt das Analysehaus allerdings unter der gewichteten Prognose aller 62 Experten, die bei 78,52 Euro liegt. Dabei werden jüngere Analysen höher gewichtet. Aktuell notiert der Kurs bei 62,88 Euro.

Mehr: Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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