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20.09.2019

17:56

Dax Aktuell

Dax schließt am Hexensabbat leicht im Plus – RWE-Aktie gefragt

Von: Tom Körkemeier

Der Leitindex geht mit einem kleinen Plus aus der Woche. Von dem Berliner Klimapaket haben vor allem Aktien von Erneuerbare-Energie-Firmen profitiert.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve: Heute ist Hexensabbat

Heute können die Kurse wild ausschlagen.

Düsseldorf Der Hexensabbat hat den Dax am Freitag von großen Sprüngen abgehalten: Der deutsche Leitindex schließt mit 0,08 Prozent im Plus nur leicht höher bei 12.468 Punkten als am Vortag. Am Hexensabbat verfallen Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien.

Zu diesem Termin schwanken die einzelnen Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise der Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen. Insgesamt gibt es jährlich vier große Verfallstermine, und zwar jeweils am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember.

Für Bewegung an den Märkten sorgte am Freitagnachmittag eine Meldung der Commerzbank. Das Geldhaus streicht 4300 Stellen und 200 Filialen und will ihre deutsche Onlinetochter Comdirect komplett schlucken. Die Aktie der Commerzbank legte nach der Ad-hoc-Mitteilung kurzzeitig kräftig zu, pendelte sich aber bis Börsenschluss wieder auf ein geringeres Kursplus von 0,42 Prozent ein. Die Comdirect-Aktie sprang um 25 Prozent nach oben auf einen Kurs von 11,50 Euro.

Für Gesprächsstoff sorgte am Markt außerdem die Einigung der Koalitionspartien in Berlin auf ein Klimapaket. Regierungs- und Koalitionskreisen zufolge soll sich der Einstiegspreis für ein CO2-Handelssystem am europäischen Emissionshandel orientieren. Der Preis liegt dort derzeit bei 26,30 Euro.

Die RWE-Aktie ist mit einem Plus von 2,77 Prozent größter Dax-Gewinner. Der Versorger gilt nach dem Tausch von Geschäftsaktivitäten mit Eon mittlerweile als Erneuerbare-Energien-Konzern. Im Dax ist RWE in diesem Jahr der bislang zweitstärkste Wert mit einem Zuwachs von gut 47 Prozent.

Die Anteilsscheine von Eon notierten 0,63 Prozent niedriger. Im MDax ragten die Aktien des Windanlagenbauers Nordex mit einem Plus von sieben Prozent heraus. SMA Solar legte 5,29 Prozent zu auf 25,88 Euro.

Außerdem legten sich Anleger nach den Klimaschutz-Beschlüssen deutsche Staatsanleihen ins Depot. Im Gegenzug fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf ein Wochentief von minus 0,526 Prozent von zuvor minus 0,505 Prozent.

Für die Anleger geht eine Woche mit einer wahren Flut geldpolitischer Entscheidungen zu Ende. Zahlreiche Notenbanken verkündeten in den vergangenen Tagen Entscheidungen zu Leitzinsen, darunter die britische, die schweizerische und die japanische.

Auf die international wichtigste Notenbankentscheidung – den Beschluss der US-amerikanischen Fed, die Leitzinsen zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen zu senken – reagierten die Märkte am Donnerstag uneinheitlich.

Analysten und Anleger stieß vor allem auf, dass die weitere Geldpolitik der US-Notenbank unklar blieb. „Statt klarer Zinsnavigation für die Finanzmärkte orientiert sich die Fed am Liebesorakel mit Gänseblümchen: Ich senke die Zinsen, ich senke die Zinsen nicht“, kritisierte Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

In den USA stützten die Zinssenkungen der Notenbanken weltweit und die Hoffnung auf eine Lösung im Handelskonflikt die Börsen. In Tokio schloss der Nikkei-Index am Freitag 0,1 Prozent höher bei 22.079 Punkten.

Iran droht mit „umfassendem Krieg“

Am Ölmarkt sorgten erneut die Spannungen im Persischen Golf für steigende Preise. Die Nordsee-Sorte Brent wurde mit einem Aufschlag von 0,51 Prozent auf 64,73 Dollar pro Barrel (159 Liter) gehandelt. Am Donnerstag hatte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif für den Fall eines Militärschlags der USA und Saudi-Arabiens auf sein Land mit einem „umfassenden Krieg“ gedroht.

Die USA und Saudi-Arabien machen den Iran für den Angriff auf saudische Ölanlagen vom vergangenen Wochenende verantwortlich. Der Angriff hatte einen erheblichen Teil der saudischen Ölproduktion beschädigt und am Rohölmarkt zeitweise für den stärksten Preisanstieg seit dem Golfkrieg 1991 gesorgt.

In Brüssel trafen sich der britische Brexit-Minister Stephen Barclay und EU-Chefunterhändler Michel Barnier zu weiteren Brexit-Gesprächen. In London beschäftigte sich das höchste britische Gericht mit der fünfwöchigen Zwangspause des Parlaments, die Premier Boris Johnson durchgesetzt hatte. Ein Urteil soll es aber erst kommende Woche geben.

Spekulationen auf eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien ließen das britische Pfund zeitweise um 0,4 Prozent auf 1,2570 Dollar und damit den höchsten Stand seit elf Wochen steigen. Am Nachmittag gab das Pfund die Gewinne ab und notierte nur noch bei 1,2493 Dollar.

Einzelwerte:

Thomas Cook: Der kriselnde Reisekonzern benötigt für seinen Sanierungsplan zusätzliches frisches Kapital. Die Banken hätten das Unternehmen aufgefordert, sich weitere 200 Millionen Pfund (umgerechnet rund 226 Millionen Euro) zu sichern, teilt das Unternehmen mit. Die Thomas-Cook-Aktie bricht in London um 21 Prozent ein.

Rolls-Royce: Länger anhaltende Schwierigkeiten mit Triebwerken haben der Aktie des britischen Flugzeugzulieferers zugesetzt. Die Papiere geben zeitweise bis zu fünf Prozent nach. Rolls Royce erklärt, es müssten zusätzliche Trent-1000-Triebwerke repariert werden.

ThyssenKrupp und MTU: Die Aktie von ThyssenKrupp notiert am Freitag zum letzten Mal im Dax. Die Anteilsscheine des Gründungsmitglieds des deutschen Leitindex verloren bis Handelsschluss 1,67 Prozent auf 12,68 Euro. Ersetzt werden die Papiere durch die Titel des Triebwerkherstellers MTU, die ein Prozent auf 237,40 Euro zulegen.

Haldex: Die Aktien des schwedischen Bremsen-Spezialisten Haldex geben nach dem Ausstieg von ZF Friedrichshafen bis zu zwölf Prozent nach auf 52,20 Kronen. Der deutsche Autozulieferer hat seinen Anteil von 20 Prozent bei institutionellen Investoren platziert, pro Aktie erhielt ZF 50 Kronen.

Casino: Die Aussicht auf einen Verkaufserlös zum Schuldenabbau treibt die Aktien von Casino weiter an. Die Papiere der französischen Supermarktkette gewinnen bis zu 4,5 Prozent. Casino bestätigte Verhandlungen mit dem Discounter Aldi über seine Tochter „Leader Price“. Bereits am Donnerstag hatte die Zeitung „Les Echos“ darüber berichtet und einen möglichen Preis von 400 Millionen Euro genannt.

Handelsblatt-Analystencheck:

Die US-Bank JPMorgan hat PSA nach einer Kapitalmarktveranstaltung auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 36 Euro belassen. Der Autobauer habe die Anleger über die wichtigsten Kennzahlen und Pläne der Konzernmarken auf dem Laufenden gehalten und mit Aussagen zur Strategie seine Einschätzung der Aktie bestätigt, schrieb Analyst Jose Asumendi in einer am Donnerstag vorliegenden Studie.

Die Franzosen dürften dank besserer Preise, einer höheren Kapazitätenauslastung in Europa und Kosteneinsparungen die Gewinne steigern.

Von den 30 Studien im Handelsblatt-Analystencheck zur Opel-Mutter empfehlen 22 das Papier zum Kauf, drei mal gibt es eine neutrale Einstufung und fünf empfehlen es zum Verkauf.

Das gewichtete durchschnittliche Kursziel aller Analysen liegt bei 27,76 Euro, die Aktie wird bei 23,92 Euro gehandelt. Bei einem gewichteten Kursziel werden jüngere Studien höher gewichtet.

Mit Agenturmaterial.

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