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07.05.2019

17:38

Dax aktuell

Dax schließt fast 200 Punkte schwächer – Vonovia und Wirecard deutlich im Plus

Von: Leonidas Exuzidis, Jürgen Röder

Das deutsche Börsenbarometer verliert auch an Tag zwei nach Trumps Zolldrohungen deutlich. Bis Ende dieser Woche dürfte der Aktienmarkt volatil bleiben.

Das Auf und Ab im Handelsstreit zwischen den USA und China wirkt sich auf die Märkte aus. dpa

Dax

Das Auf und Ab im Handelsstreit zwischen den USA und China wirkt sich auf die Märkte aus.

DüsseldorfDie neue Eskalationsstufe im Handelsstreit zwischen den USA und China bleibt auch am Dienstag das wichtigste Gesprächsthema: Die Börse hatte wohl einen positiven Ausgang des Handelsstreits bereits eingepreist, folglich mussten die Kurse, zumindest temporär, auch am Dienstag wieder angepasst werden.

Der Dax lag zum Handelsschluss 1,6 Prozent im Minus und rutschte mit einem Endstand von 12.092 Zählern (minus 194 Punkte) unter die Marke von 12.100 Punkten. Es war ein volatiler Handelstag: Das Tageshoch lag bei 12.319 Zählern und damit mehr als 250 Punkte über dem Tagestief. Doch das Niveau über 12.300 Zählern war Anlegern offenbar zu hoch.

Trump hatte mit seinen Worten bereits am Freitag und Montag für große Verunsicherung am Markt gesorgt. Er will schon am kommenden Freitag die Sonderzölle auf Einfuhren aus China erhöhen, von zehn auf 25 Prozent. Die Dax-Rally fand daraufhin ein abruptes Ende.

„So zerbrechlich der Fortgang der Handelsgespräche zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt ist, so zerbrechlich ist auch die jüngste Rally an der Börse in der Hoffnung auf einen positiven Ausgang dieser Gespräche“, kommentieren die Analysten des Onlinebrokers CMC Markets. Das hat der Nachmittagshandel in Frankfurt eindrucksvoll demonstriert, als der Dax innerhalb von zwei Stunden um 200 Punkte fiel.

Damit kommt der deutsche Aktienindex der Marke von 12.000 Punkten wieder gefährlich nahe. Auch an der Wall Street wird heute das Tief aus dem gestrigen Handel und damit das alte Rekordhoch des S&P 500 aus dem Januar 2018 erneut getestet.

„Niemand will am Ende einen Scherbenhaufen in seinem Depot vorfinden, und so dürfte die Volatilität wohl erst einmal bleiben“, meinen die CMC-Markets-Experten. Die Wahrscheinlichkeit für eine volatile Börse bis zum Ultimatum am Freitag ist sehr hoch. Vielleicht ist die plötzliche Absage des Besuchs von US-Außenminister Mike Pompeo in Deutschland ein Hinweis darauf, dass in den Handelsgesprächen mit der Europäischen Union bald Gewitterwolken aufziehen werden.

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In den vergangenen 20 Jahren haben die Kurse der größten deutschen Aktiengesellschaften kaum zugelegt. Im Rest der Welt sind die Indizes deutlich stärker gestiegen.

Die EU-Kommission korrigierte ihren Konjunkturausblick für die Euro-Zone am Dienstag erneut nach unten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 19 Staaten mit der Gemeinschaftswährung soll 2019 nach der neuen Prognose um 1,2 Prozent zunehmen. Schon im Februar hatte die EU-Kommission ihre Vorhersage von 1,9 auf 1,3 Prozent heruntergeschraubt. In den vergangenen sieben Jahren verzeichnete die Euro-Zone stets ein Wachstum, seit 2015 lag es bei etwa zwei Prozent oder darüber.

Schlechtere Aussichten sieht die Kommission nun vor allem in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone. 2019 soll das Wirtschaftswachstum nur bei 0,5 Prozent liegen – zuvor war die Kommission noch von 1,1 Prozent ausgegangen. Grund seien vor allem Schwächen in der Autobranche, sagte EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici.

Neben dem Dauerthema Handelsstreit rückt das Dax-Schwergewicht BMW in den Fokus. Der Autobauer hat wegen der Milliardenrückstellungen für eine drohende Kartellstrafe der EU im ersten Quartal rote Zahlen geschrieben. Im Kerngeschäft lag der Verlust vor Zinsen und Steuern bei 310 Millionen Euro.

Am Devisenmarkt machte erneut die türkische Lira mit Verlusten auf sich aufmerksam. Sie war zu Wochenbeginn im Vergleich zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit Oktober 2018 gefallen, nachdem die türkische Wahlbehörde angekündigt hatte, die Bürgermeisterwahl in Istanbul wiederholen zu lassen. Ein Dollar kostete am Dienstag 6,16 Lira. Nach Meinung der Devisenexperten der Commerzbank spricht vieles dafür, dass die Lira gegenüber dem Greenback über der 6er-Marke bleiben wird.

Denn nun sei es noch unwahrscheinlicher, dass in absehbarer Zeit wirksame Maßnahmen zur Stabilisierung der angeschlagenen Wirtschaft zu erwarten sind. „Für die türkische Lira bleibt es damit ungemütlich“, lautet das Fazit der Experten. Ein Euro kostet zwischenzeitlich an diesem Dienstag 6,94 Lira, ebenfalls der höchste Stand seit Oktober 2018.

Einzelwerte im Fokus

Vonovia: Der Immobilienkonzern freut sich über deutlich mehr Gewinn im Auftaktquartal. In den ersten drei Monaten des Jahres erhöhte sich das operative Ergebnis im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 303,6 Millionen Euro. Vonovia-Papiere gehörten mit einem Plus von 4,8 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern.

Wirecard: Im Vorfeld der Quartalszahlen, die der Zahlungsdienstleister am morgigen Mittwoch veröffentlicht, steigt die Aktie deutlich und ist mit einem Plus von vier Prozent der zweitgrößte Dax-Gewinner.

Henkel: Beim Konsumgüterkonzern drücken steigende Investitionen und ein weiterhin schwächelndes Kosmetikgeschäft den operativen Gewinn. Das bereinigte betriebliche Ergebnis (Ebit) sank im ersten Quartal um 5,6 Prozent auf 795 Millionen Euro. Die Henkel-Aktie war mit Verlusten von fünf Prozent mit Abstand größter Verlierer unter den 30 Topwerten.

Varta: Die hohe Nachfrage nach kleinen Lithium-Ionen-Batterien, etwa für kabellose Kopfhörer, stimmt den Vorstand für 2019 zuversichtlicher. Varta peilt 2019 nun einen Umsatzanstieg um 14 bis 16 Prozent (statt zwischen zwölf und 14 Prozent) an. Konzernchef Herbert Schein kündigte zudem an, wegen der hohen Nachfrage die Produktionskapazitäten zu erweitern. Bei den Anlegern kamen die positiven Aussichten gut an: Die SDax-Aktien legten um 7,8 Prozent auf 42,25 Euro zu.

Heidelberger Druck: Das Bundeskartellamt hat dem Druckmaschinenbauer die geplante Übernahme der MBO Gruppe untersagt. Heidelberger hatte im Oktober die Übernahme angekündigt. Ziel war der Ausbau des Angebots in der digitalen Weiterverarbeitung im Wachstumsmarkt Pharmaindustrie und von kundenspezifischen Mailingsystemen. Als Reaktion auf das Verbot verlor die Aktie 2,6 Prozent.  

Campari: Der italienische Spirituosenhersteller Campari trifft den Geschmack der Kunden und bringt Anleger in Feierlaune. Die Aktien legten am Dienstag mehr als drei Prozent zu und kosteten so viel wie nie zuvor. Der Konzern, der auch Aperol-Bitterliköre, Skyy-Wodka und Wild-Turkey-Whiskey herstellt, startete das Jahr mit einem Umsatzplus von fast zehn Prozent auf 370,1 Millionen Euro. 

Was die Charttechnik sagt

Seit dem Jahreshoch am vergangenen Freitag mit 12.436 Punkten ist der Dax im kurzfristigen Korrekturmodus. Das bisherige Korrekturtief liegt bei 12.057 Zählern, das der Leitindex heute erreichte.

Aus Sicht der Charttechnik gilt nun die Marke von 12.029 Zählern als wichtige Unterstützung. Dieser Punktestand wurde am 4. April erreicht, danach erfolgte die vorherige Korrektur, die mit einem Minus von rund 200 Zählern eher klein ausfiel. Darunter geht es um rund 11.800 Zähler, ein Widerstand aus dem vergangenen Monat. Sollte der Leitindex sogar unter das April-Tief von rund 11.600 Zählern rutschen, stünde der gesamte Aufwärtstrend seit Anfang 2019 zur Disposition.

Der nächste wichtige Widerstand, der den deutschen Leitindex in seiner Aufwärtsentwicklung bremsen könnte, liegt bei 12.344 Zählern. Danach rückt wieder das bisherige Jahreshoch in den Fokus.

Analystencheck: Credit Suisse hält BASF auf „outperform“

Die Schweizer Bank Credit Suisse hat die Einstufung für BASF nach Zahlen auf „outperform“ mit einem Kursziel von 78 Euro belassen. Er habe nach den Zahlen zum ersten Quartal nur geringfügige Änderungen vorgenommen, schrieb Analyst Chris Counihan in einer am Freitag vorgelegten Studie. Der Spielraum in der Bilanz des Chemiekonzerns dürfte sich über die kommenden zwölf bis 24 Monate infolge des Verkaufs von Geschäftsbereichen sowie der Erwirtschaftung freier Barmittel verbessern.

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