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12.03.2019

18:02

Dax aktuell

Dax schließt nach Anfangsgewinnen im Minus – Bankenwerte unter Druck

Von: Lilian Fiala, Jürgen Röder

Die Gewerkschaften lehnen eine Bankenfusion ab und sorgen für Kursverluste bei Deutscher Bank und Commerzbank. Auch im Fokus: Boeing und Wirecard.

Starker Stimmungsumschwung. dpa

Handelsraum der Frankfurter Börse

Starker Stimmungsumschwung.

FrankfurtDer Dax legt eine weitere Verschnaufpause ein: Das deutsche Börsenbarometer ging mit einem Minus von 0,2 Prozent bei 11.524 Punkten aus dem Handel. Dabei hatte es zum Börsenstart noch ganz anders ausgesehen: Der Index notierte zu anfangs bei 11.617 Zählern und damit nur noch 60 Punkte unter dem bisherigen Jahreshoch. Am Montag hatte der deutsche Leitindex mit einem Plus von 0,75 Prozent bei 11.543 Punkten geschlossen.

Offenbar überwiegen in Europa die Brexit-Sorgen. Die britische Premierministerin Theresa May will am Dienstagabend ein zweites Mal über ihr Brexit-Abkommen abstimmen lassen. Unmittelbar vor der Parlamentsabstimmung konnte May der EU Zugeständnisse zum Backstop abringen.

Vermutlich dürfte es nach der verlorenen Abstimmung Mitte Januar nun die nächste Schlappe für May geben. Denn die von May erreichten Änderungen am Brexit-Abkommen räumen die Bedenken des britischen Generalstaatsanwalts nicht aus. Das geht aus einem Gutachten hervor, das am Dienstag in London veröffentlicht wurde.

Sollte May mit dem Deal wieder scheitern, will sie am 13. März darüber abstimmen lassen, ob das Land die EU ohne Abkommen verlassen soll. Lehnt das Parlament auch das ab, wird voraussichtlich am 14. März über eine Verschiebung des EU-Austritts abgestimmt. Die unendliche Geschichte setzt sich fort. Und damit auch die politische Börsen.

Das Pfund war zunächst um bis zu ein Prozent auf 1,3288 Dollar angestiegen, schwächte sich aber wieder ab auf 1,307 Dollar. Im Vergleich zum Euro stieg es zeitweise sogar auf den höchsten Stand seit Mitte 2017. Auch der Euro zog um 0,4 Prozent auf 1,1293 Dollar an. Stimmt das Parlament für den Brexit-Vertrag werde das Pfund seine Erleichterungsrally fortsetzen, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. „Aber wenn wir eins in den letzten Monaten gelernt haben, dann, dass in der britischen Politik leider nichts sicher ist.“

Nach Auswertung der aktuellen Handelsblatt-Sentimentumfrage steht für den Börsenexperten Stephan Heibel fest: Vieles spricht dafür, dass es sich bei den Verlusten von 1,2 Prozent in der vergangenen Woche nur um eine Konsolidierung der bislang erzielten Kursgewinne handelt. Die Rally wird seiner Meinung wieder anziehen, zumal die letzten Entscheidungen der Notenbanken in Europa und USA größere Verluste an den Aktienmärkten abfedern dürften. Denn beide Notenbanken haben in den vergangenen Wochen mögliche Zinserhöhungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Doch der Zeitpunkt für einen erneuten Rallystart sei unklar, auch weil wahrscheinlich die Lösung des Handelskonflikts zwischen USA und China erst für größere Kursgewinne sorgen dürften. Und US-Präsident Donald Trump sei halt unberechenbar.

Blick auf die Einzelwerte

Deutsche Bank/Commerzbank: Eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank trifft auf massiven Widerstand bei den Arbeitnehmern. Sowohl die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als auch die Bankengewerkschaft DBV machten am Dienstag klar, dass sie gegen einen Zusammenschluss der beiden letzten deutschen Großbanken sind - unter anderem, weil dieser wahrscheinlich zehntausende Arbeitsplätze kosten dürfte und aus ihrer Sicht die Probleme der beiden Institute nicht löst. Das Deutsche-Bank-Papier verliert 2,5 Prozent und zahlt zu den größten Dax-Verlierern. Commerzbank-Titel geben 1,8 Prozent nach. Noch gestern zählten die beiden Titel aufgrund der Fusionsspekulationen zu den größten Gewinnern.  

Volkswagen: Kürzlich hatte der Wolfsburger Autobauer bereits einen operativen Gewinn von 13,9 Milliarden Euro und ein Umsatzplus von 2,7 Prozent auf gut 236 Milliarden Euro verkündet. VW-Chef Herbert Diess dürfte am Dienstagmorgen aber auch die Rendite der Kernmarke Volkswagen nennen. Diese hat wohl das ausgegebene Ziel von vier bis fünf Prozent verfehlt. Diess plant daher nach Handelsblatt-Informationen ein neues milliardenschweres Sparprogramm mit dem zusätzlichen Abbau von rund 5 000 Arbeitsplätzen. Das Management will von 2023 an über zusätzliche Effizienzmaßnahmen 5,9 Milliarden Euro jährlich einsparen. Die Aktie des Konzerns fällt aber um 1,4 Prozent.

Wirecard: Die Aktie ist vermutlich das volatilste Papier seit Einführung des deutschen Börsenbarometers. Nach einer zweitägigen Rally am vergangenen Freitag und dem gestrigen Montag mit einem Anstieg in dieser Zeit von 116 auf 136 Euro geht es heute mal wieder abwärts. Und das Wirecard-typisch: Das Minus liegt bei 4,7 Prozent, die Aktie ist der größte Dax-Verlierer des Tages.

Zalando: Eine Herabstufung drückt die Aktien von Zalando im Frankfurter Frühhandel um rund zwei Prozent auf 32,70 Euro. Analysten von Citigroup stuften die Titel von Europas größtem Online-Modehändler auf „Neutral“ zurück. Zum Handelsschluss notierte der Titel aber praktisch unverändert gegenüber dem Vortagesschluss.

Klöckner & Co: Einen Kurssprung von 11,5 Prozent machten die schwer gebeutelten Aktien des Stahlhändlers. Sie profitierten zur Vorlage der Jahreszahlen vor allem vom optimistisch klingenden Ausblick. Wegen höher erwarteter Stahlpreise werde 2019 ein „deutliches Umsatzwachstum“ erwartet. Die Aktie ging bei 6,90 Euro aus dem Handel, im Oktober 2018 lag der Preis noch bei knapp zehn Euro. Von dem Klöckner-Anstieg profitierten auch die Anteilsscheine des Stahlherstellers Salzgitter mit 3,2 Prozent.

Boeing: Auch den zweiten Tag in Folge muss die Aktie des US-Flugzeughersteller Verluste hinnehmen. Am gestrigen Montag lag das Papier im deutschen Handel bereits mehr als zehn Prozent im Minus. Doch mit Eröffnung der US-Märkte halbierten sich dies Verluste. Heute liegt die Boeing-Aktie nach freundlichem Auftakt im deutschen Handel 5,3 Prozent im Minus. Grund: Wegen Sicherheitsbedenken nach zwei Abstürzen halten immer mehr Länder Boeing-Flugzeuge vom Typ 737 Max 8 am Boden. Auch der deutsche Luftraum wurde für diese Maschinen gesperrt. Die Airbus-Aktie hingegen liegt 1,4 Prozent im Plus.

Was die Charttechnik sagt

Die Aufwärtsbewegung seit Ende Dezember, als der Dax mit 10.279 Punkten ein neues Mehrjahrestief erreichte, zeigt ihre ersten größeren Schwächen. Anleger sollten also auf der Hut sein.

Der erste Widerstand, um diese Korrektur einzufangen, liegt bei 11.347 Zählern. Mit Kursen unterhalb von 11.142 Punkte würde die Rally komplett zu den Akten gelegt werden können. Bereits am Freitag hat der Dax mit 11.406 Punkten ein neues zweiwöchiges Tief markiert, was für technische Analysten als kleines Warnsignal gilt.

Für eine Rally-Fortsetzung muss das Börsenbarometer des bisherige Jahreshoch vom Freitag vor zehn Tagen überwinden, als der Index die Marke von 11.677 erreichte. Doch die entscheidenden Hürden, die aus charttechnischer für einen Befreiungsschlag sorgen könnten, liegen höher: Bei rund 11.700 Zählern ist der erste große Widerstand und bei aktuell 11.812 Punkten liegt die liegt die 200-Tageslinie, die vor allem von langfristigen Investoren beachtet wird. Ein Sprung über diese Marken dürfte nicht einfach sein.

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