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09.09.2019

17:48

Dax aktuell

Dax schließt über 12.200 Punkten – Privatanleger haben sich verspekuliert

Von: Jürgen Röder

Das deutsche Börsenbarometer knüpft an die positiven Handelstage der vergangenen Woche an. Und es gibt Anzeichen dafür, dass der Aufwärtstrend anhält.

Die Stimmung an den Börsen ist positiv. Reuters

Börse Frankfurt

Die Stimmung an den Börsen ist positiv.

Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt ist schwungvoll in die neue Handelswoche gestartet. Der Dax schloss am ersten Handelstag der Woche 0,28 Prozent im Plus bei 12.225 Punkten. Am Freitag hatte er den Handel bei 12.191 Punkten beendet. In der vergangenen Handelswoche stand unter dem Strich ein Plus von rund zwei Prozent.

Hauptgrund für das deutliche Pluszeichen in der vergangenen Woche war das Brexit-Drama. Auch wenn es in den kommenden Tagen vermutlich zu weiteren Wendungen und Irrungen kommen wird: Ein Austritt ohne Abkommen dürfte zumindest in diesem Jahr vom Tisch sein und auch den Markt nicht mehr belasten.

Turbulent an den Märkten, vor allem am Devisenmarkt, dürfte es aber werden, wenn Premierminister Boris Johnson sich nicht an das Gesetz gegen den No-Deal-Brexit halten sollte, das die Queen am Montag unterzeichnet und damit in Kraft gesetzt hat – bislang aber ein noch eher unwahrscheinliches Szenario.

Zudem gibt es weitere Indizien, dass der Dax in dieser Woche weiter zulegen oder zumindest nicht fallen dürfte. So haben beispielsweise die privaten Anleger auf die Kursgewinne der vergangenen Handelstage verstärkt mit Spekulationen auf fallende Notierungen reagiert.

Das zeigt zumindest das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart an. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet und zeigt einen deutlichen Überhang an Short-Produkten in den Anlegerdepots an. Hebelprodukte sind Finanzderivate, die überproportional an den Kursbewegungen des Basiswerts partizipieren. Wenn die Kurse fallen, steigen Short-Hebelprodukte.

Die Reaktion der Privatanleger ist nachvollziehbar: Sie wollten ihr Depot vor einem plötzlichen Ende der Kursgewinne schützen. Doch nun sitzen sie auf Buchverlusten, die je nach Kaufdatum und Ausgestaltung des Hebels hoch sein können.

Sollten die Kurse weiter steigen, müssen sie diese Short-Produkte schnell verkaufen, damit die Verluste nicht ausufern. Auch bei fallenden Kursen dürften die „Shorties“ schnell verkauft werden, weil die Verluste deutlich geringer geworden sind. In beiden Fällen stützen solche Verkäufe den Markt.

Von der Konjunkturseite gab es bereits am Montagmorgen positive Signale: Die vom Zollstreit gebeutelten deutschen Exporteure sind mit einem überraschenden Umsatzplus ins zweite Halbjahr gestartet. Sie lieferten im Juli 0,7 Prozent mehr Waren ins Ausland als im Vormonat, Ökonomen hatten hingegen mit einem Minus von 0,5 Prozent gerechnet.

Im Vergleich zum Juli 2018 stiegen die Ausfuhren um 3,8 Prozent auf 115,2 Milliarden Euro. Für Impulse sorgte hier vor allem das Geschäft mit Nicht-EU-Staaten wie den USA und China, das um knapp zehn Prozent zulegte.

Ein interessantes Szenario am Devisenmarkt dürfte möglicherweise bald der Wechselkurs mit der türkischen Lira bieten. Denn Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte: „Wir senken die Zinsen und werden sie in kürzester Zeit in den einstelligen Bereich senken.“ Offensichtlich bestimmt er schon das Mikro-Timing der Zinspolitik der Zentralbank.

Ein einstelliger Leitzins hieße bei einer Inflation von 15 Prozent: Realzinsen unter minus fünf Prozent. Auch wenn die Inflation bislang zurückging, meint Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte der Commerzbank: „Wir müssen daher weiterhin an unserer Sicht festhalten: dass unter diesen Umständen ein erneuter Absturz der Lira wahrscheinlich bleibt.“

Man muss aber auch feststellen, dass derzeit die Realität (noch) anders aussieht: Der Euro ist gegenüber der türkischen Lira seit Jahresanfang um 4,5 Prozent gefallen, stieg aber im heutigen Handel um 0,5 Prozent. Leicht angestiegen ist am heutigen Montag auch die Rendite für zehnjährige türkische Staatsanleihen von 15,49 auf 15,64 Prozent.

Die Aussicht auf eine Fortsetzung der aktuellen Förderpolitik der Opec und ihrer Verbündeten treibt den Ölpreis. Brent verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 61,90 Dollar je Barrel. Die Ernennung von Prinz Abdulaziz bin Salman zum saudi-arabischen Energieminister gelte als Versuch, die Abstimmung zwischen den Exportländern zu verbessern, sagte Anlagestratege Stephen Innes vom Brokerhaus AxiTrader. Der Sohn von König Salman hatte die Förderbremse von Opec und weiteren Staaten mit ausgehandelt.

Blick auf die Einzelwerte

Autoaktien: Die Aktien von BMW, Daimler, Continental und VW versammeln sich unter den Spitzenwerten im Leitindex mit Gewinnen zwischen 1,3 und 3,56 Prozent. Sie erholten sich und profitierten dabei unter anderem von jüngst guten Absatzzahlen, der Hoffnung auf eine leichte Verbesserung des Autoabsatzes in China sowie vom Optimismus im Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Nordex: Ein positiver Analystenkommentar hievt die Aktie nach oben. Die Nordex-Titel lagen zum Handelsschluss 4,62 Prozent im Plus. Die Experten von Macquarie stuften die Titel auf „outperform“ (von „underperform“) hoch und hoben das Kursziel auf 14,50 Euro an.

Pro Sieben Sat 1: Mit einem Kursplus von 4,79 Prozent auf 12,91 Euro standen die Aktien von Pro Sieben Sat 1 zum Handelsschluss an der Spitze im MDax. Händlern zufolge haben die Analysten der UBS die Titel auf „buy“ (von „neutral“) hochgestuft und das Kursziel von 16 Euro auf 18,20 Euro angehoben.

IAG: Drohende Einbußen durch einen Pilotenstreik bei British Airways machen der Mutter IAG zu schaffen. Die Aktien verloren in London gegen den Trend 0,06 Prozent.

LPKF Laser: Angehobene Geschäftsziele für 2019 und die folgenden Jahre hieven die Aktie auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch. Die Papiere stiegen um 10,11 Prozent auf 10,35 Euro.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax arbeitet weiter an der Operation 12.400 Punkte. Laut Charttechnik hat der Index dieses Potenzial, nachdem der Widerstand von 11.850 Zählern überwunden worden ist.

Auf der Unterseite ist nun aus der ehemaligen Widerstandsmarke der erste größere Unterstützungspunkt geworden. Darunter dürfte die 200-Tage-Linie, Gradmesser des längerfristigen Trends, Halt bieten. Diese ansteigende Linie notiert derzeit bei 11.679 Zählern.

Analystencheck: Goldman Sachs rät zum Kauf der Traton-Aktie

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Traton auf „buy“ mit einem Kursziel von 39 Euro belassen. Analystin Daniela Costa hob in einer am Freitag vorliegenden Studie ihre Schätzungen für das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) der VW-Nutzfahrzeugtochter in den Jahren bis 2021 um bis zu sieben Prozent an. Die Expertin begründete diesen Schritt mit besseren Annahmen für die Marke Scania wegen positiver Währungseffekte und der anstehenden Einführung neuer Produkte.

Die Aktie ist seit dem Börsengang Ende Juni dieses Jahres von 27 Euro auf aktuell rund 22 Euro gefallen. Analysten sehen offenbar Potenzial für das Papier. Bei den acht Studien seit dem Börsengang sind fünf Kaufempfehlungen dabei, hinzu kommt dreimal der Rat „halten“. Das durchschnittliche Kursziel aller Analysen liegt bei 30,75 Euro.

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