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18.06.2019

17:51

Dax aktuell

Dax schließt über 12.300 Punkten – Höchster Tagesgewinn seit fünf Monaten

Von: Jürgen Röder, Lars Frensch

Nach mehreren Tagen eines eher lethargischen Börsenhandels herrschte wieder Dynamik an den Märkten. Der Dax stieg über die Marke von 12.300 Punkten.

Aktienkurve im Handelsraum der Frankfurter Börse. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Deutsche Börse Frankfurt

Aktienkurve im Handelsraum der Frankfurter Börse.

FrankfurtNach einem schwachen Auftakt drehte der deutsche Leitindex schnell wieder ins Plus. Im Nachmittagshandel stieg der Index bis auf 12.358 Zähler an und schloss bei 12.331 Punkten etwa zwei Prozent höher – das ist der höchste Tagesgewinn seit fünf Monaten.

Die Hoffnung auf konjunkturelle Unterstützung durch die Notenbanken schob den Index kräftig an. So betonte EZB-Präsident Mario Draghi bei der Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra, dass weitere Stimuli notwendig seien, falls sich der wirtschaftliche Ausblick nicht bessere. Die EZB habe erheblichen Spielraum für weitere Anleihekäufe. „Wir werden alle Flexibilität innerhalb unseres Mandats nutzen, um unseren Auftrag zu erfüllen.“

Die Draghi-Rede beeinflusste auch andere Märkte deutlich: Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen fiel auf ein neues Rekordtief von minus 0,325 Prozent, die Verzinsung der österreichischen Bonds war mit minus 0,01 Prozent erstmals überhaupt negativ. Italien musste mit 2,166 Prozent so wenige Zinsen zahlen wie seit über einem Jahr nicht mehr. Zehnjährige italienische Bonds rentierten mit 2,168 Prozent, das ist so wenig wie seit Mai 2018 nicht mehr. Und der Euro verlor gegenüber dem Greenback 0,25 Prozent und rutschte unter die Marke von 1,12 Dollar.

Draghi habe die Markterwartungen mit Blick auf weitere geldpolitische Lockerungen erneut angeheizt, sagte Elmar Völker, Analyst bei LBBW Research. „Falls es im Rahmen des G20-Gipfels Ende Juni nicht zu einer Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China kommt, dürften geldpolitische Lockerungsmaßnehmen aus dem Euro Tower eine fast sichere Angelegenheit sein.“ Auf Twitter gab sich der US-Präsident zuversichtlich und verhalf den Märkten in Übersee damit zu mehr Schwung.

Damit kam eine neue Dynamik in den Handel am deutschen Aktienmarkt. In den vergangenen fünf Handelstagen betrug die Dax-Spanne lediglich 178 Punkte. Das Hoch vom Dienstag vergangener Woche beträgt 12.227 Zähler, am Freitag rutschte der Index kurzzeitig auf 12.049 Punkte ab. Aus charttechnischer Sicht ist nun der Weg frei in Richtung Jahreshoch, das der Index im Mai mit 12.435 Punkten markierte.

Der Donnerstag dürfte der entscheidende Handelstag werden

Die Anlegerstimmung gibt derzeit keinen Aufschluss, in welche Richtung sich der Dax in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte. Stephan Heibel, der die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment auswertet, glaubt zwar, dass diese Woche erst einmal eine kleine Korrektur erfolgen könnte. Doch Entwicklungen in die eine oder andere Richtung an den Aktienmärkten dürften schon bald wieder ausgeglichen werden.

Der entscheidende Handelstag in dieser Woche dürfte der Donnerstag sein, wenn die Zinsentscheidung in den USA verarbeitet wird. Die US-Notenbank begann diesen Dienstag mit ihrer Sitzung, am Mittwochabend folgt die Pressekonferenz, bei der die Entscheidung bekanntgegeben wird. „Um den wirtschaftlichen Schaden des Handelskriegs abzumildern, muss die Fed in die Bresche springen und die Zinsen senken“, fordert Manfred Schlumberger vom Vermögensverwalter Starcapital.

Eine erste Senkung erwarten manche Analysten zwar erst im Juli, doch es soll diesen Mittwoch schon Signale geben, die Senkung einzuleiten. Bis zum Jahresende rechnen Investoren mit drei Kürzungen, wie Experte Seema Shah vom Asset-Manager Principal Global Investors feststellt. „Das sind hohe Erwartungen“, glaubt er. Und so bergen die Sitzungen der Fed sowohl Mittwoch als auch in den kommenden Monaten hohes Enttäuschungspotenzial.

Die Investoren preisen am Ölmarkt bislang noch keinen Konflikt am Golf ein – obwohl die Lage weiter eskaliert. Die US-Regierung sieht ihre Interessen in der Region bedroht – und entsendet 1000 weitere Soldaten. Doch ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wird zu 60,71 Dollar gehandelt, ein Minus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vortag.

Wie groß aber die Unsicherheit ist, zeigte sich vergangene Woche: Nach der Tanker-Attacke kletterte der Ölpreis innerhalb weniger Stunden um mehr als vier Prozent. Gehen die Attacken auf Tanker in der Straße von Hormus weiter, könnten die Ölpreise sprunghaft steigen. Durch die Meerenge wird rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs verschifft.

Zur Erinnerung: Während des iranisch-irakischen Krieges von 1980 bis 1988 stieg der Ölpreis von 15 auf bis zu 50 Dollar. Sollte die Krise eskalieren, halten Experten einen Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel für möglich.

Unter Anlegern greift bereits Konjunkturpessimismus um sich. Das Barometer für ihre Erwartungen für das nächste halbe Jahr sackte im Juni um 19 Zähler auf minus 21,1 Punkte ab, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag unter Berufung auf seine monatliche Umfrage unter mehr als 190 Analysten und Anlegern mitteilte.

Dies ist der tiefste Stand seit November 2018 und der dritte Rückgang in Folge. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf minus 5,9 Zähler gerechnet. Auch die aktuelle Lage bewerteten Anleger schlechter: Der Wert fiel auf plus 7,8 Punkte von plus 8,2 Zählern.

Blick auf die Einzelwerte

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Infineon: Der Halbleiterhersteller will sich per Kapitalerhöhung rund 1,5 Milliarden Euro bei Investoren besorgen. Die neuen Aktien werden unter Ausschluss der Bezugsrechte der Altaktionäre verkauft, so der im Dax notierte Konzern. Die Papiere sollten ausschließlich institutionellen Anlegern angeboten werden, und zwar außerhalb des regulären Börsenhandels. Für neun Milliarden Euro will das Unternehmen Manager bis spätestens Anfang 2020 den US-Chiphersteller Cypress übernehmen.

Die Anleger sind nicht überzeugt, auch heute fällt der Kurs zeitweise 6,1 Prozent und notiert mit 13,48 Euro auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren. „Wir glauben, dass die Kapitalerhöhung auch ein gewisses Maß an Zuversicht signalisiert, dass die Fusion von den Wettbewerbshütern in den USA und in China genehmigt wird“, schrieben die Liberum-Analysten. In den vergangenen vier Wochen hat das Münchener Unternehmen knapp ein Fünftel an Wert verloren, binnen Jahresfrist beträgt das Minus sogar mehr als 40 Prozent. Zum Börsenschluss lag der Titel bei 14,07 Euro knapp zwei Prozent schwächer.

Deutsche Bank: Deutschlands größtes Geldhaus will beim Umbau Tempo machen und den Investoren noch im Juli ihre Pläne für tiefgreifende Reformen präsentieren. Bei der Gelegenheit werde sich die Bank voraussichtlich auch von dem für dieses Jahr postulierte angestrebte Renditeziel von vier Prozent auf das materielle Eigenkapital verabschieden, sagten zwei Insider dem Handelsblatt. Das alles kam bereits gestern an der Börse gut an: Die Aktie legte 1,4 Prozent an Wert zu. An diesem Dienstag setzten aber zunächst Gewinnmitnahmen ein, zu Börsenschluss lag das Papier wieder mehr als 3,5 Prozent im Plus.

Vapiano: Die angeschlagene Restaurant-Kette Vapiano rechnet erst für 2021 wieder mit einem Gewinn. Das gab das börsennotierte Unternehmen am gestrigen Montagabend bekannt. Im laufenden Jahr werde das Expansionstempo deutlich verlangsamt. So sollen nur noch zehn bis 15 neue Filialen eröffnen. Auf vergleichbarer Fläche rechnet Firmenchef Cornelius Everke mit einem Umsatzrückgang. Die Aktie lag zuletzt unverändert bei knapp unter sechs Euro.

Siltronic: Am deutschen Aktienmarkt sorgte der Kurssturz von Siltronic für Aufsehen. Die Titel des Chipindustrie-Zulieferers fielen nach einer erneuten Prognose-Senkung zeitweise um knapp 15 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 49,13 Euro, zum Handelsschluss verloren sie mehr als sieben Prozent. „Die Reihe von Gewinnwarnungen im Halbleitergeschäft ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Handelskrieg ein wichtiges Risiko ist“, sagte Analystin Simona Gambarini vom Research-Haus Capital Economics.

Deutsche Wohnen: Inmitten der aufgeheizten Debatte um steigende Mieten trafen sich die Aktionäre des Immobilienunternehmens Deutsche Wohnen. Zur Hauptversammlung in Frankfurt gab es Proteste gegen die Geschäfte des Immobilienkonzerns, Konzernchef Michael Zahn wehrte sich gegen die Vorwürfe. Das Papier verlor 1,2 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax hat heute seine Lethargie beendet. Die relativ engen Handesspannen, in der sich der deutsche Leitindex in den vergangenen Tagen bewegt hat, sind obsolet.

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Die Grenzen für ein Ende dieser Lethargie waren klar umrissen: Auf der Unterseite bildete die 50-Tages-Linie aktuell bei 12.081 Punkten im Zusammenspiel mit dem kurzfristigen Korrekturlinie seit dem bisherigen Jahreshoch von Anfang Mai eine Schlüsselunterstützung.

„Ein Bruch dieser Bastion würde dem Dax einen echten Nackenschlag versetzen“, meinten die Charttechniker der Düsseldorfer Bank HSBC vor der Handelseröffnung. Dann würde die 200-Tagelinie, die aktuell bei 11.605 Punkten notiert, wieder in den Fokus rücken.

Doch das andere Szenario ist gültig: Eine Besserung der Lage bei Kursen oberhalbe von 12.143 Zählern Dort liegt die Abwärtstrendlinie seit dem Allzeithoch, das die Frankfurter Benchmark im Januar des vergangenen Jahres mit 12.597 Zählern erreichte.

Doch diese Marke hat der Leitindex heute überwunden. Nun ist das bisherige Jahreshoch von 12.435 Punkten aus charttechnischer Sicht das nächste Ziel.

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