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15.03.2019

17:38

Dax aktuell

Dax steigt auf neues Jahreshoch – Wirecard verliert bis zu zehn Prozent

Von: Lilian Fiala, Jürgen Röder

Am ersten „Hexensabbat“ des Jahres ging es turbulent zu. Viele Profianleger hatten auf die Marke von 11.700 Punkte spekuliert und wurden belohnt.

Starke Kursausschläge am Hexensabbat. Reuters

Dax-Tafel in Frankfurt

Starke Kursausschläge am Hexensabbat.

FrankfurtDer erste „Hexensabbat“ des Jahres hinterließ seine Spuren am heutigen Handelstag: Der deutsche Leitindex notierte zum Schluss mit einem Plus von 0,85 Prozent bei 11.686 Punkten. Im Handelsverlauf hatten sich die Spekulationen vieler Profianleger erfüllt, die auf 11.700 Punkte am heutigen Börsentag gesetzt hatten. Denn der so genannte Settlement-Kurs für Dax-Optionen ist am Freitag mit 11.709,85 Punkten festgesetzt worden. Gleichzeitig markierte der Dax mit 11.714 Zählern ein neues Jahreshoch, das bisherige lag bei 11.677 Zählern.

Beim „Hexensabbat“ laufen Terminkontrakte auf Aktien und Indizes an den Terminbörsen aus. Der letzte Handelstag aller vier Derivate-Typen (Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien) fällt auf denselben Tag. Die Abrechnungspreise für Terminkontrakte auf den Dax wurden um 13 Uhr festgestellt.

Stärkere Kursausschläge an solchen Tagen sind möglich. Hinter den Schwankungen stehen Spekulanten. Große Marktteilnehmer wie Fonds- oder Vermögensverwalter versuchen vorher die aktuellen Kurse auf jene Preise zu treiben, zu denen sie an der Terminbörse engagiert sind – was für Kleinanleger eher uninteressant und vor allem risikoreich ist.

Ein Blick auf die aktuelle Positionierung der Profis an den Terminbörsen hatte gezeigt: Die größte Zahl an Dax-Call-Optionen, deren Laufzeit am Freitag endet und um 13 Uhr bewertet wurden, lag bei 11.500 und 11.700 Punkte. Sollte der Index am Freitagmittag unterhalb dieser Marke stehen, hätten diese Anleger nur mit Verlusten ihr Geschäft beendet.

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Eine neue Klage im Dieselskandal sorgt für Aufregung bei Volkswagen: Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Konzern wegen angeblicher Verstöße gegen amerikanische Wertpapiergesetze verklagt. VW weißt die Vorwürfe ab und will gegen die Klage vorgehen. Anleger interessiert die Klage wenig, die Aktie gab lediglich 0,5 Prozent nach.

Was Anleger ebenfalls wenig interessiert, ist das Brexit-Theater. Und solange es keine Lösung gibt, wird das vermutlich auch so bleiben. Interessant ist: Sowohl am britischen als auch am deutschen Aktienmarkt geht die erwartete Volatilität zurück. Profianleger erwarten für die kommenden 30 Kalendertage also geringere Kursschwankungen. Daraus lässt sich ableiten: Grundsätzlich wird immer noch beim Brexit sowohl am Aktienmarkt als auch beim Wechselkurs Pfund/Euro eine vernünftige Lösung eingepreist.

Und was passiert, wenn es zu einem No-Deal-Brexit kommt. „Die Börsen wären von einem No Deal-Brexit sicher not amused. Aber nach ein paar wilden Tagen an der Börse wird man sich auch daran gewöhnt haben“, meint Robert Halver, Leiter Kapitalmarktstratege bei der Halver Bank. Denn zumindest wäre die Unsicherheit beendet.

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Die Aktien von Wirecard sind am Freitag erneut unter Druck geraten. Die Papiere des Zahlungsabwicklers fielen um bis zu 10,4 Prozent auf ein Vier-Wochen-Tief von 103,15 Euro. Zum Handelsende betrug das Minus 9,4 Prozent, die Aktie war damit größter Dax-Verlierer. Händler verwiesen unter anderem auf eine Verkaufsempfehlung von Citi. Die Analysten setzten die Bewertung auf „Sell“ von „Hold“ herunter. Das Kursziel kürzten sie auf 100 von zuvor 144 Euro. Nach dem Wirbel um den Vorwurf finanzieller Unregelmäßigkeiten in Singapur seien negative Schlagzeilen in nächster Zeit wahrscheinlicher als positive Nachrichten, hieß es zur Begründung. „Unserer Ansicht nach bedingt die Art der Vorwürfe, die Komplexität des Falls und der bislang berichtete Erfolg bei der Aufklärung, dass es sehr wahrscheinlich länger dauern wird diese Vorwürfe auszuräumen als der Markt momentan annimmt“, schrieben die Analysten. Auch die indische Wirecard-Tochter rückt in das Visier der Ermittler.

Porsche: Klar ist schon nach den VW-Konzernzahlen: Der Sportwagenbauer bleibt die Perle im Konzern mit einem Umsatzplus von knapp zehn Prozent auf 25,8 Milliarden Euro und einer Rendite von 16,6 Prozent. Während die Konzernschwestern Tausende Jobs streichen, gibt es bei Porsche allenfalls Luxusprobleme. Und die sind an der Rendite abzulesen. Diese leidet unter den Investitionen in die E-Mobilität und rutschte erstmals seit Jahren unter 17 Prozent. Der Titel verlor 0,2 Prozent.

Oracle/SAP: Der amerikanische SAP-Rivale Oracle hat seine Anleger mit einem zurückhaltenden Geschäftsausblick enttäuscht. Die Aktien rutschten am Freitag um 2,2 Prozent auf 51,87 Dollar ab. Der Softwarekonzern geht davon aus, dass die Umsätze im vierten Quartal um bis zu zwei Prozent fallen oder maximal stabil bleiben könnten. Die SAP-Titel hingegen legten um 2,4 Prozent zu. Die Oracle-Aktien gewannen in diesem Jahr bisher knapp 18 Prozent, SAP-Titel legten im selben Zeitraum zwölf Prozent zu. Oracle ist mit einer Marktkapitalisierung von 187 Milliarden Dollar etwas größter als der Walldorfer Konkurrent, der auf umgerechnet 134 Milliarden Dollar kommt.

Was die Charttechnik sagt

Charttechnisch ist trotz des neuen Jahreshochs die Entscheidungssituation im Dax, weil der Index im späteren Handelsverlauf wieder abrutschte. Entweder steigt das Börsenbarometer künftig eindeutig und nachhaltig über 11726 oder aber Rückfall wie heute unter 11676 Punkte, dem alten Jahreshoch.

Mit dem neuen Jahreshoch hatte der Dax anfangs seine zweiwöchige Schiebephase in einer Spanne von rund 300 Punkten beendet. Grob betrachtet lag die Spanne zwischen 11.700 Punkten auf der Ober- und 11.400 Zähler auf der Unterseite. Oder exakt formuliert: zwischen dem Jahreshoch 11.677 vom Freitag vor zwei Wochen und 11.405. Die zweite Marke hatte der Index am Freitag vor einer Woche erreicht.

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Nun steht der Dax vor entscheidenden Hürden, die aus charttechnischer Sicht für einen Befreiungsschlag sorgen könnten. Für die Charttechniker der Düsseldorfer Bank HSBC steht der Index „vor der entscheidenden Schaltstelle des Jahres“. Denn bei rund 11.700 Zählern liegt ein große Widerstand und bei aktuell 11.794 Punkten notiert die 200-Tageslinie, die vor allem von langfristigen Investoren beachtet wird. Ein Sprung über diese Marken dürfte nicht einfach sein, wäre aber möglicherweise ein richtiger Befreiungsschlag. „Lohn der Mühen wäre ein rechnerisches Anschlusspotential von rund 1.400 Punkten“, meinen die HSBC-Experten.

Erst mit Kursen unterhalb von 11.142 Punkte müsste die Rally seit Ende Dezember komplett zu den Akten gelegt werden – inklusive eines drohenden erneuten Tests des Dezembertiefs (10.279 Punkte).

Analystencheck: RBC hält Adidas auf „Outperform“

Das Analysehaus RBC hat Adidas nach Jahreszahlen auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 235 Euro belassen. Die Aktie bleibe als Selbsthilfestory mit Blick auf die Margen attraktiv, schrieb Analyst Piral Dadhania in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Allerdings dürfte 2019 davon beeinträchtigt werden, dass der Sportartikelhersteller zum zweiten Mal in zwei Jahren wichtige Markttrends verpasst habe.

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