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11.09.2019

17:49

Dax aktuell

Dax steigt sechsten Tag in Folge und schließt leicht im Plus

Von: Jürgen Röder

Der deutsche Leitindex setzt seine beeindruckende Vorstellung des Vortags fort. Chiphersteller Infineon profitiert vom Trend zum Elektroauto.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve

Die Nervosität an den Märkten ist spürbar.

Düsseldorf Der Dax ist nicht zu bremsen. Auch nach fünf Handelstagen mit Kursgewinnen in Folge schließt der deutsche Leitindex an diesem Mittwoch 0,74 Prozent im Plus bei 12.359 Punkten. Positiv für die Märkte an diesem Handelstag war besonders: China hat am Mittwoch Ausnahmen von zusätzlichen Vergeltungszöllen auf US-Importe angekündigt.

Nach Angaben des Finanzministeriums in Peking geht es dabei unter anderem um Molke und Fischmehl, die beide als Tierfutter eingesetzt werden. Ferner gilt für bestimmte Schmiermittel eine Ausnahme. Insgesamt sind 16 Produkttypen aus den USA betroffen. Die Regelung gilt ab dem 17. September für ein Jahr.

Schon am gestrigen Handelstag hatte der deutsche Leitindex andere stagnierende europäische Indizes hinter sich gelassen und den Handelstag mit 0,35 Prozent im Plus bei 12.268 Zählern abgeschlossen, obwohl alle drei US-Indizes zu diesem Zeitpunkt deutlich im Minus lagen.

Eine solche Konstellation kommt selten vor. Der gesamte Dax-Anstieg seit Mitte August, als der Frankfurter Leitindex noch auf einem Stand von 11.266 Zählern notierte, ging auch mit einer Beruhigung der klassischen Krisenindikatoren einher.

Der VDax, auch „Angstbarometer“ genannter Volatilitätsindex, ist wieder deutlich unter die kritische Marke von 20 Prozent gerutscht und liegt derzeit bei 15,42 Prozent. Dieser Index spiegelt die Einschätzungen der Finanzprofis wider, welche Schwankungsbreite der Index in den kommenden 30 Handelstagen haben wird. Ein niedriger Wert bedeutet eine geringe Volatilität und damit Beruhigung der Märkte.

Ein weiteres Indiz: Der Schweizer Franken, ein sogenannter sicherer Hafen für Investoren, der traditionell vor einer wirtschaftlichen Eintrübung aufwertet, hat allein in dieser Woche mehr als ein Prozent gegenüber dem Euro verloren.

Und mit einer 30-jährigen deutschen Staatsanleihe können Anleger seit gestern wieder eine positive Rendite erzielen, aktuell liegt dieser Wert bei 0,08 Prozent.

Bei den italienischen Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren liegt die Rendite mittlerweile wieder bei 1,02 Prozent, was in erster Linie an den Plänen der neuen Regierung liegen dürfte. Denn sie plant Insidern zufolge für 2020 eine höhere Neuverschuldung ein. Das Haushaltsdefizit solle auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen.

Damit würde das Defizit der Koalition aus 5-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten nahe an die 2,4 Prozent rücken, mit denen die Vorgängerregierung zunächst für 2019 geplant und damit beinahe ein EU-Defizitverfahren ausgelöst hatte. Noch in der vergangenen Woche lag die Rendite für zehnjährige Staatsbonds im Tief bei 0,8 Prozent.

Darüber hinaus beschäftigt der Zinsentscheid der Europäischen Notenbank (EZB) die Anleger. Börsianer rechnen fest damit, dass die EZB am Donnerstag den Einlagenzins senkt und die Wiederaufnahme der Wertpapierkäufe ankündigt.

Als ausgemacht gilt zudem eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank in der kommenden Woche. „Aber die Wirksamkeit dieser neuen Maßnahmen wird geringer sein als in der Vergangenheit, wenn sie nicht von einer konsequenten fiskalpolitischen Unterstützung begleitet werden“, warnte Pascal Blanque, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Amundi.

Am Rohstoffmarkt verteuerte sich Gold um 0,5 Prozent auf 1492,37 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), obwohl die „Antikrisen-Währung“ bei steigenden Aktienkursen meist nachgibt. Hier schüre die Aussicht auf weitere Wellen billigen Notenbank-Geldes die Nachfrage, sagte Anlagestratege Ilya Spivak vom Brokerhaus DailyFX.

Der Preis für Brent stieg um 0,9 Prozent auf 62,93 Dollar je Barrel (159 Liter). Dem irakischen Ölminister zufolge will das Export-Kartell Opec mit seinen Verbündeten über eine Verschärfung der Förderbremse beraten.

Blick auf die Einzelwerte

LSE: Die Hongkonger Börse will den britischen Konkurrenten LSE für umgerechnet 35 Milliarden Euro schlucken - allerdings nur, wenn die LSE den Datenanbieter Refinitiv nicht wie geplant übernimmt. „Das ist ein kühner Schritt, der wenig Aussicht auf Erfolg zu haben scheint“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die britische Regierung werde das Aushängeschild des Finanzplatzes London kaum in chinesische Hände geben wollen. Vorstellbar sei allerdings ein Gegengebot aus einem westlichen Staat.

Die LSE-Aktien stiegen zunächst um bis zu 16,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 7922 Pence. Das ist der größte Kurssprung seit dreieinhalb Jahren. Zum Handelsschluss notieren sie nur noch 6,29 Prozent im Plus. Die Titel der Deutschen Börse, die bereits mehrfach mit der LSE fusionieren wollte und die vor Bekanntgabe des LSE/Refinitiv-Deals das Devisenhandelsgeschäft des Datenanbieters übernehmen wollte, markierten mit 139,80 Euro ebenfalls ein Rekordhoch.

Infineon: Mit einem Plus von mehr als drei Prozent stehen die Aktien an der Spitze des deutschen Leitindex. Der Chiphersteller profitiert nach Einschätzung der Liberum-Experten vom Trend zu Elektroautos. Positiv sei vor allem, dass von Herstellern wie VW vermehrt elektrisch betriebene Fahrzeuge für den Massenmarkt vorgestellt werden. Anleger sollten daher den jüngsten Kursrückgang wegen der Schwäche des chinesischen Marktes zum Einstieg nutzen, schrieben die Analysten.

Dialog Semiconductor: Der Apple-Zulieferer profitiert auch von der gestrigen Präsentation des US-Technologiekonzerns. Die Aktie von Dialog Semiconductor steigt um 1,79 Prozent. Das Unternehmen ist stark von seinem Großkunden Apple abhängig. Im vergangenen Jahr dürften nach früheren Schätzungen des Unternehmens rund drei Viertel aller Erlöse aus dem Geschäft mit dem iPhone-Hersteller gestammt haben. Die Aktie stieg in den vergangenen drei Monaten um rund 35 Prozent. Der US-Konzern Apple hatte gestern nach Dax-Schluss eine Produktoffensive vorgestellt, die Papiere legten im US-Handel mehr als vier Prozent zu.

Puma: Die Puma-Aktien geben 0,98 Prozent nach und gehören damit zu den Verlierern im MDax. Die Experten der HSBC-Bank haben die Papiere auf „Hold“ von „Buy“ herabgestuft, zugleich aber das Kursziel auf 73 von 72 Euro angehoben.

Vapiano: Die angeschlagene Restaurantkette hat abermals tiefrote Zahlen geschrieben. Im ersten Halbjahr 2019 stieg der Verlust auf 34,3 Millionen Euro, wie aus den am Mittwoch publizierten Halbjahresbericht der Kölner Firma hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum war das in etwa eine Verdopplung. Zum Handelsschluss liegt die Aktie gut zwei Prozent im Minus.

Was die Charttechnik sagt

In knapp fünf Wochen hat der Dax fast 1000 Punkte zugelegt. Das neue Bewegungshoch in der aktuellen Aufwärtsbewegung seit 11.266 Punkten (Tief von Mitte August) liegt schon bereits bei 12.394 Punkten, dem heutigen Tageshoch. Auf solch einem hohen Niveau notierte der Index zuletzt im Juli.

Laut technischer Analyse liegt das Potenzial bei 12.400 Punkten, nachdem in der vergangenen Woche der Widerstand von 11.850 Zählern überwunden wurde. Dieses Ziel hat der Index am heutigen Handelstag bereits fast erreicht.

Über dieser Marke liegen die Hochs von Anfang Mai sowie von Ende Juli (12.436/12.600 Punkte) als nächste Widerstände, ehe das bisherige Jahreshoch (12.656 Punkte) wieder in den Fokus rücken könnte.

Doch viele technische Indikatoren mahnen kurzfristig orientierte Anleger zur Vorsicht. Der Index gilt als überkauft und reif für eine Korrektur.

Auf der Unterseite ist nun aus der ehemaligen Widerstandmarke (11.850 Punkte) der erste wichtige Unterstützungspunkt geworden. Darunter dürfte die 200-Tage-Linie, Gradmesser des längerfristigen Trends, Halt bieten. Diese ansteigende Linie notiert derzeit bei 11.679 Zählern.

Analystencheck: Credit Suisse bekräftigt Kaufempfehlung für BMW-Aktie

Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung für Daimler nach einem Treffen mit dem Finanzchef Harald Wilhelm auf der Frankfurter Automesse IAA auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 65 Euro belassen. Dieser habe die Ziele für 2019 bekräftigt, schrieb Analyst Jose Asumendi in einer am Dienstag vorgelegten Studie. Im Fokus des Interesses stünden nach wie vor die Nettobarmittel im Industriegeschäft, die Erwirtschaftung des Free Cashflow im zweiten Halbjahr sowie die Beständigkeit der Dividendenpolitik.

Das Kursziel von 65 Euro liegt deutlich über dem aktuellen Kurs einer Daimler-Aktie von rund 47 Euro. Auch das durchschnittliche gewichtete Kursziel sämtlicher 45 im Handelsblatt-Analystencheck vorhandenen Studie über BMW liegt bei 57,61 Euro. Bei dem gewichteten Kursziel werden aktuellere Studien höher gewichtet.

Von den insgesamt 52 Studien zur Daimler-Aktie im Handelsblatt-Analystencheck wird sechs Mal die Aktie zum Verkauf empfohlen. Den 26 Kaufempfehlungen steht 20 Mal der Rat „Halten“ gegenüber.

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