Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

03.12.2019

18:11

Dax Aktuell

Trump-Aussage verdirbt Anlegern die Laune – Dax schließt unter 13.000 Punkten

Von: Jürgen Röder

Der anfängliche Dax-Erholungskurs ist wieder beendet. Mehrere Ankündigungen Trumps auf dem Nato-Gipfel haben dem Leitindex einen Dämpfer verpasst.

Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax dpa

Dax-Kurve

Blick auf die Dax-Kurve im Frankfurter Handelssaal.

Düsseldorf Die Hoffnungen auf eine Kurserholung am deutschen Aktienmarkt waren an diesem Dienstag schnell beendet. Bereits am frühen Nachmittag ist der deutsche Leitindex wieder unter die Marke von 13.000 Punkten gefallen. Immerhin rettete der Dax ein winziges Plus von 0,2 Prozent und schloss beim Stand von 12.989 Zählern. Das Tageshoch lag bei 13.085 Punkten.

Der Grund für die sich verschlechternde Laune der Anleger: US-Präsident Donald Trump kann sich auch ein Handelsabkommen mit China erst nach der Wahl im November 2020 vorstellen. „Ich habe keine Frist, nein“, sagte er.

„In gewisser Weise denke ich, dass es besser ist, bis nach der Wahl mit China zu warten.“ Die Volksrepublik wolle jetzt ein Abkommen machen. „Und wir werden sehen, ob der Deal richtig ist oder nicht“, sagte der US-Präsident. „Er muss richtig sein.“ Wenn er wolle, könne es gut vorangehen.

Ob der „Phase-1-Deal“ jemals unterzeichnet wird? Die Ungewissheit über den Fortgang des Handelsstreits belastet den Markt.

Zuvor hatte Trump Pläne für hohe Strafzölle auf französische Produkte bestätigt. Geplant sei eine „sehr hohe Steuer auf Wein“ und andere Waren, sagte Trump am Dienstag beim Nato-Gipfel in London. Die USA würden nicht zulassen, dass Frankreich amerikanische Firmen besteuere. „Wenn irgendwer sie besteuert, dann sind wir das“, sagte der US-Präsident.

Die US-Regierung hatte am Vortag als Reaktion auf eine französische Digitalsteuer damit gedroht, französische Importwaren im Wert von 2,4 Milliarden Dollar mit Strafzöllen von bis zu 100 Prozent zu belegen. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sagte, die Regierung prüfe, ob eine ähnliche Untersuchung auch zu den Digitalsteuern in Österreich, Italien und der Türkei aufgenommen werde.

Damit ist eine Welle von Handelsspannungen unvermeidlich. „Der Konflikt mit Frankreich erhöht auch das Risiko, dass die USA letztendlich Zölle auf Importautos aus Europa erheben“, glaubt Mikael Olai Milhoj, Senior Analyst bei der Danske Bank.

Bereits am Montag hatte der deutsche Leitindex mehr als 2,05 Prozent verloren und war bei einem Stand von 12.964 Punkten aus dem Handel gegangen. Es war für den Dax der größte Tagesverlust seit Ende Juli, der Index fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang September. 

Wie geht es nach dem gestrigen Crash weiter? Laut dem Ergebnis der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment dürfte es bald wieder zu einer Erholung kommen. „Der Schock des Ausverkaufs im Dezember vor einem Jahr ist vielen noch bewusst“, erläuterte Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, nach Auswertung der Erhebung am Montagmittag. Und wagte die Prognose: „Eine negative Meldung könnte schnell zu einem plötzlichen Ausverkauf führen.“ Vor einem Jahr verlor der Dax im Börsenmonat Dezember knapp zehn Prozent.

Schnell und heftig könnte seiner Meinung nach dieser Ausverkauf erfolgen, jedoch kaum nachhaltig. Denn anders als vor einem Jahr stehe US-Notenbankchef Jerome Powell in diesem Jahr parat, um die Geldschleusen weiter zu öffnen, sollte es erforderlich werden.

Blick auf die Einzelwerte

Merck: Eine Verkaufempfehlung der Analysten von Goldman Sachs belastet. Die Papiere des Pharmakonzerns geben rund ein Prozent nach. Händlern zufolge rät Goldman Sachs zum Verkauf der Aktie und setzte ein Kursziel von 94 Euro.

Unicredit: Die italienische Großbank will die Kosten bis zum Jahr 2023 um eine Milliarde Euro senken. Aus diesem Grund sollen rund 8.000 Stellen wegfallen. Von der Ankündigung profitiert der Aktienkurs mit einem Wertzuwachs von 0,5 Prozent.

MTU: Ein höheres Kursziel der HSBC-Experten verhilft den Aktien des Triebwerkbauers in einem schwachen Börsenumfeld zu einem Plus von 3,6 Prozent auf 248 Euro. Die Analysten der britischen Großbank erhöhten ihr Kursziel auf 255 von 253 Euro. Zudem profitierte die Aktie des deutschen Triebwerkbauers von der Einigung mit dem französischen Konkurrenten Safran. Beide Unternehmen haben ihren Streit über die Aufgabenverteilung bei der Entwicklung des neuen Triebwerks für das künftige deutsch-französische Kampfflugzeug beigelegt. Bis Ende 2021 soll nun ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, an dem die Franzosen und MTU jeweils 50 Prozent halten.

Hermes, LVMH, Kering, Verallia: Die neuen US-Zolldrohungen gegen Frankreich lasten auf den Aktienkursen der französischen Luxusunternehmen. Die Papiere des Handtaschenherstellers Hermes sackten am Dienstag 2,5 Prozent ab, die Aktien von LVMH zwei Prozent, die Kering-Titel 2,2 Prozent. Auch die Anteilsscheine des Glasflaschen-Spezialisten Verallia, der unter anderem den Champagner-Hersteller Dom Perignon beliefert, standen auf der Verkaufsliste.

Was die Charttechnik sagt

Der gestrige Handelstag hat für die Entscheidung gesorgt. Die Handelsspanne seit Anfang November zwischen 13.100 Punkten auf der Unter- und 13.300 Punkten auf der Oberseite ist obsolet.

Nun gilt es für Anleger, den Blick auf wichtige Unterstützungsmarken zu richten. Themen wie ein neues Jahreshoch (aktuell 13.374 Punkte) sind vorläufig passé.

Die erste Rückzugsmarke ist bereits geschlossen worden. Es geht um die sogenannte Aufwärtskurslücke von Anfang November bei 13.000 Punkten. Solche Kurslücken (Fachjargon: Gap) entstehen, wenn der höchste Kurs eines Tages unter dem des Folgetages bleibt.

Der konkrete Fall: Am 1. November stieg der Dax bis auf 12.992 Zähler, am Montag (4. November) lag der niedrigste Kurs bei 13.019 Punkten. Derzeit notiert der Dax wieder oberhalb der Kurslücke. Es wäre aber eine positive Überraschung, wenn diese Marke halten sollte.

Die zweite Rückzugsmarke: Mehrere Wochen lang im September versuchte der Dax, den Bereich von 12.500 Punkten zu überwinden – ohne Erfolg. Erst nach einem Rutsch auf 11.878 Zähler sammelte die Frankfurter Benchmark wieder Kraft, um die Marke Mitte Oktober zu überwinden.

Wochenendtitel „Vermögen sichern“

„Bei der Vermögensplanung gilt: Nie ganz aussteigen!“

Wochenendtitel „Vermögen sichern“: „Bei der Vermögensplanung gilt: Nie ganz aussteigen!“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Das bedeutet: Mehrere Wochen war der Bereich ein Widerstand. Anleger waren offenbar nicht bereit, auf solch einem Kursniveau weiter zu kaufen. Nach dem Überwinden ist aus diesem Widerstand eine Unterstützung geworden, die allein angesichts der Dauer wichtig ist. Sollte der Dax unter diese Marke fallen: Spätestens dann steht die Börsenampel auf Gelb.

Der dritte Haltepunkt, damit die Rally seit Jahresanfang weiterlaufen kann, ist die 200-Tage-Linie. Zur Erinnerung: Der Dax hat seit dem 1. Januar 2019 mehr als 25 Prozent zugelegt. Die 200-Tage-Linie ist Gradmesser für den langfristigen Aufwärtstrend und hatte eine noch größere Bedeutung, als es noch keinen Computerhandel gab. Es ist quasi der Durchschnittswert der vergangenen zwölf Monate.

Diese Durchschnittslinie notiert aktuell bei rund 12.200 Zählern und steigt täglich um etwas mehr als zehn Punkte. Es wäre kein ungewöhnlicher Vorgang, wenn der Dax diese Linie in den kommenden Wochen testen würde.

Bei all diesen charttechnischen Betrachtungen gilt: Die Marken sind lediglich eine Orientierung und können beispielsweise im Handelsverlauf eines Tages deutlich unterschritten werden. Denn viele Trader orientieren sich an solchen Marken.

Handelsblatt-Analystencheck: Baader Bank hebt Kursziel der Cewe-Aktie an

Die Baader Bank hat das Kursziel für Cewe mit Blick auf eine Kooperation mit der britischen Drogeriekette Boots von 94 auf 108 Euro angehoben und die Einstufung auf „kaufen“ belassen. Dies sei eine großartige Nachricht, schrieb Analyst Volker Bosse in einer am Montag vorgelegten Studie. Die Briten passten hervorragend in das europäische Partnernetzwerk des Fotospezialisten.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

Handelsblatt Premium

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×