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10.08.2018

18:20 Uhr

Dax am 10.08.2018

Lira-Verfall reißt Dax nach unten – Bankaktien verlieren deutlich

Zum Ende der Handelswoche verlieren Dax und EuroStoxx 50 jeweils zwei Prozent. Die ohnehin schwache Woche endet damit ohne Impulse.

Eine Woche ohne Impulse endete am Freitag mit einem kräftigen Minus im Dax. dpa

Börse in Frankfurt Main

Eine Woche ohne Impulse endete am Freitag mit einem kräftigen Minus im Dax.

  • Kursverfall der Lira bestimmt Marktgeschehen
  • Deutsche Banken weniger betroffen als europäische Konkurrenten
  • Anleger strafen Ryanair ab

Der nach wie vor anhaltende Handelsstreit zwischen China und den USA ist an den Aktienmärkten am Freitag in den Hintergrund gerückt. Vielmehr war die Türkei das bestimmende Thema: Der rapide Kursverfall der Lira sorgt an den Börsen für große Verunsicherung.

„Die Ursachen der Krise sind bekannt“, sagte Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ Bank. „Eine Zentralbank, die trotz einer ausufernden Inflationsrate nicht aktiv wird und deren Unabhängigkeit mehr als fraglich ist, sowie ein türkischer Präsident, der zweifelhafte ökonomische Thesen vertritt, vor ausländischen Verschwörern warnt und außenpolitisch auf Konfrontationskurs mit den USA geht.“

Die türkische Währung hat seit Jahresbeginn um fast die Hälfte abgewertet und fällt von einem Rekordtief auf das nächste. Am Freitag stieg der Kurs des Dollar zeitweise um fast 23 Prozent auf ein Rekordhoch von 6,801 Lira. Das ist der größte Kurssprung seit mehr als 17 Jahren.

„Die rasante Abwertung der Lira lässt eine Zahlungsbilanzkrise immer wahrscheinlicher werden, und Präsident Erdogan scheint hier kein beherzter Krisenmanager zu sein“, sagt Investmentanalyst Frank Klumpp von der LBBW. Die Märkte und insbesondere Bankenaktien gerade Spanien und Frankreich hatten sich davon am Freitag schon anstecken lassen. „Böse Erinnerungen an die Verwerfungen um Griechenland werden wach“, warnt Daniel Saurenz von Feingold Research.

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Die wichtigsten Indizes

Dax und EuroStoxx50 fielen am Freitag um jeweils zwei Prozent auf 12.424 und 3423 Punkte. Der Leitindex der Istanbuler Börse verlor ähnlich stark. An der Wall Street gab der US-Standardwerteindex Dow Jones 0,6 Prozent nach. Für den MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es am Freitag um 1,16 Prozent auf 26.672 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index TecDax sank um 0,84 Prozent auf 2923 Punkte.

Bereits im gesamten Wochenverlauf tat sich der deutsche Leitindex schwer. Die aktuelle Entwicklung ist als klassische Seitwärtsbewegung einzuordnen – mühsam erlangte Kursgewinne gibt das wichtigste deutsche Börsenbarometer schnell wieder ab. Auch eine Flut aus Firmenbilanzen konnte nicht für nachhaltig positive Impulse sorgen. Auf Wochensicht bleibt daher ein Minus von 1,5 Prozent.

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Der Verfall der türkischen Währung hat weniger wirtschaftliche als vielmehr politische Gründe. Der Druck auf die Lira ist irrational, aber real.

Banktitel verlieren deutlich

Betroffen waren am Freitag allen voran europäische Banktitel. Die „Financial Times“ berichtete, die EZB-Bankenaufseher würden wegen des drastischen Kurseinbruchs bei der Lira auf Verbindungen der Geldhäuser zur Türkei blicken. Die Aktienkurse gingen daraufhin auf Tauchstation: Papiere der spanischen BBVA sowie der italienischen Unicredit gaben mehr als fünf Prozent nach. Sie waren die schwächsten Werte im Stoxx 600 Banken. BNP Paribas verloren circa vier Prozent.

Auch hierzulande lagen Banktitel tief im roten Bereich. Zwar würden die Finanzaufseher sich nicht unbedingt um deutsche Institute sorgen, hieß es, dennoch zierten Deutsche Bank (vier Prozent) sowie die Commerzbank (3,5 Prozent) das Dax-Ende. Bei der Deutschen Bank sorgte zudem eine Abstufung auf „Underweight“ durch das US-Haus Morgan Stanley für Abgabedruck. In den USA rutschten die Titel der Geldhäuser Goldman Sachs und JPMorgan um bis zu 1,3 Prozent ab.

Einzelwerte im Überblick

K+S: Im MDax brachen K+S-Aktien nach einer Gewinnwarnung in der Spitze über zehn Prozent ein.. Der Salz- und Düngemittelhersteller rechnet damit, 2018 weniger zu verdienen als von Analysten erwartet. Letztlich ging die Aktie mit einem Abschlag von 7,2 Prozent ins Wochenende.

Ryanair: Ryanair ließ wegen eines Pilotenstreiks 400 von etwa 2400 geplanten Flügen ausfallen. Der zunehmende Einfluss der Gewerkschaften werde höhere Lohnkosten und geringere Gewinnmargen zur Folge haben, sagte Markets.com-Experte Wilson. Außerdem dämpften die Flugstreichungen das Umsatzwachstum. Ryanair-Aktien verloren 4,2 Prozent. Die Titel des Erzrivalen EasyJet gaben 1,2 Prozent nach.

Analystencheck: Independent Research senkt Kursziel für Zalando

Etwas pessimistisch blicken die Analysten von Independent Research auf die Zalando-Aktie. Der Umsatz des Online-Händlers sei im zweiten Quartal mit einem Plus von rund 21 Prozent unter den Erwartungen geblieben. Dadurch ergebe sich ein gemischtes Bild, schrieb Analyst Lars Lusebrink. Enttäuschend sei der pessimistischere Ausblick des Online-Modehändlers. Der Analyst hält das Geschäftsmodell zwar für intakt und beließ den Titel auf „halten“, senkte jedoch das Kursziel von 48 auf 46 Euro. Damit bleibt der Aktie kaum noch Aufwärtspotenzial.

Weitere aktuelle Analysten-Urteile finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck.

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