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16.09.2017

18:04 Uhr

Dax-Ausblick

Anleger warten auf Yellens Signale

VonJessica Schwarzer

Nach der Sommerflaute kommt wieder mehr Bewegung aufs Börsenparkett. Die Bundestagswahl mag hierzulande die Schlagzeilen bestimmen, Börsianer blicken in der neuen Woche aber vor allem in die USA.

Markus Koch exklusiv

„Was auch kommt, die Wall Street ist nicht zu stoppen“

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DüsseldorfDie Sommerferien sind vorbei und mit ihnen hoffentlich auch der Sommer-Blues an den Märkten. Zumindest an kursbewegenden Nachrichten sollte es nun nicht mangeln. Während kommende Woche hierzulande die anstehende Bundestagswahl am 24. September das beherrschende Medienthema sein dürfte, werden die Finanzmärkte in erster Linie in die USA blicken.

Experten rechnen damit, dass die Chefin der amerikanischen Notenbank Fed, Janet Yellen, den Plan ausrollt, mit dem sie die Bilanzsumme ihres Hauses reduzieren will – und damit den Startschuss für den Abbau der billionenschweren Wertpapier-Bestände gibt. Für die Märkte sind das wichtige Informationen. „Denn dann sollte die künftige US-Geldpolitik klarer werden“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. „Viel wichtiger sind aber Hinweise auf die weitere Zinspolitik“, ergänzt Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner.

Welche politische Risiken Anlegern 2017 noch drohen

Mueller-Ermittlungen

Die andauernden Untersuchungen des US-Sonderermittlers Robert Mueller stellen eine latente Bedrohung für die Aktienmärkte dar. Seit dem 17. Mai geht der frühere FBI-Direktor möglichen Verbindungen von US-Präsident Donald Trump zu russischen Regierungskreisen nach. Über den momentanen Stand der Ermittlungen lässt sich nur mutmaßen – Mueller gibt keine öffentlichen Stellungnahmen ab.

Quelle: Die japanische Bank Nomura hat die politischen Risiken für die Märkte in den kommenden Monaten erfasst.

Bundestagswahl

Auch wenn ein Kanzlerwechsel hierzulande derzeit unwahrscheinlich erscheint: Die Bundestagswahl am 24. September wird an den Börsen genau beobachtet werden. Denn eine Veränderung der bestehenden Regierungskoalition sowie das Erstarken populistischer Kräfte könnte auf Anlegerseite ebenso zu Unsicherheiten führen.

EZB-Sitzungen

Tagt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), spitzen alle Börsianer ihre Ohren. Was EZB-Chef Mario Draghi bei der obligatorischen Pressekonferenz verkündet, hat mitunter gravierende Auswirkungen auf den Kursverlauf. Derzeit steigt der Druck auf die Notenbanker ihre ultralockere Geldpolitik – ob der guten Wirtschaftslage – zu beenden. Konkrete Ankündigungen werden im Herbst erwartet, nachdem Draghi Anleger auf der Sitzung Anfang September erneut vertröstet hatte.

BoE Inflation Report

Im Zuge der Brexit-Verhandlungen kommt den Berichten der Bank of England (BoE) besondere Bedeutung zu. Der nächste vierteljährliche Inflationsreport der britischen Zentralbank erscheint am 2. November. Laut dem Finanzinstitut würden die Auswirkungen des Brexit für britische Bürger schon jetzt durch steigende Lebensmittelpreise spürbar. Zuletzt hatte die Bank die Aussicht auf Wirtschafts- und Einkommenswachstum zurückgeschraubt und die Inflationsprognose auf 2,7 Prozent erhöht.

OPEC-Sitzung

Am 30. November findet die nächste Tagung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) statt – ein Schicksalstag für alle Anleger. Zuletzt hatte die OPEC eine gemeinsame Produktionskürzung beschlossen, um den Ölpreis zu stabilisieren und eine Übersättigung zu verhindern. Die Vereinbarung – mit einer Laufzeit bis Ende März 2018 – wurde jedoch nicht von allen Ländern eingehalten.

Fed-Spitze

Die erste Amtszeit der derzeitigen Fed-Chefin Janet Yellen endet im Februar 2018. Ob US-Präsident Donald Trump ihr eine zweite zugesteht, ist ungewiss. Lange Zeit galt Trump als harscher Kritiker von Yellens Niedrigzinspolitik. Neben Yellen wird der Ex-Vizechef von Goldman Sachs, Gary Cohn, als aussichtsreicher Kandidat für den Fed-Chefposten gehandelt.

Yellen könnte diejenigen, die nicht mit einer weiteren Zinsanhebung vor dem Jahresende rechnen, auf dem falschen Fuß erwischen. Investoren taxieren die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts derzeit auf etwas mehr als 50 Prozent. Er gehe zwar weiter von einer Anhebung im Dezember aus, sagt Anlagestratege Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg. „Allerdings könnte die bislang von der US-Notenbank postulierte Annahme von drei Zinserhöhungen im Jahr 2018 zu optimistisch sein.“

Robert Halver erwartet von der Sitzung der Fed keine großen Impulse. Der Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank ist insgesamt skeptisch, was die amerikanische Konjunktur angeht. Er sagt voraus, dass der Einkaufsmanagerindex der Philadelphia Fed seinen Abwärtstrend fortsetzt und damit die Konjunkturbedenken untermauert. Auch vom US-Immobiliensektor würden angesichts lebloser Baubeginne und -genehmigungen keine nennenswerten Wirtschaftsimpulse ausgehen. „Entsprechend wird die US-Notenbank auf ihrer Sitzung von einer weiteren Leitzinserhöhung Abstand nehmen“, sagt Halver. „Konkrete Details zur Entblähung ihrer Notenbankbilanz werden ebenfalls nicht gegeben.“

In der abgelaufenen Woche waren es vor allem geopolitische Spannungen, die Anleger wiederholt in Atem hielten. Mit einem erneuten Raketentest rief sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zum Abschluss der alten Woche in ihr Gedächtnis zurück.

Größere Kursreaktionen blieben zunächst zwar aus. „Man kann sich aber des Gefühls nicht erwehren, dass dieses sogenannte Schattenboxen zwischen Nordkorea und dem Rest der Welt am Ende zu einer Fehleinschätzung auf der einen oder anderen Seite führt“, warnt Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. In den vergangenen Tagen hatte die relative Ruhe in der Nordkorea-Krise dem Dax zu einem Kursplus von insgesamt etwa zwei Prozent verholfen. Damit stand er vor dem größten Wochengewinn seit zwei Monaten.

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