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12.07.2019

14:14

Dax-Ausblick

Für die Börsen beginnt ein Realitätscheck

Von: Andrea Cünnen

Die Bilanzsaison beginnt. Unternehmen müssen zeigen, dass sie die höheren Bewertungen verdient haben. In Deutschland macht SAP den Auftakt.

Händler müssen viel im Blick behalten: Zu den Konjunkturdaten kommen jetzt noch Unternehmenszahlen. Imago

Broker an der Frankfurter Börse

Händler müssen viel im Blick behalten: Zu den Konjunkturdaten kommen jetzt noch Unternehmenszahlen.

Frankfurt Die Sommer-Rally an Europas Börsen ist ins Stocken geraten. Dafür gibt es handfeste Gründe seitens der Unternehmen: In der vergangenen Woche hagelte es Gewinnwarnungen. Im Dax schockten der Chemiekonzern BASF und der Autokonzern Daimler die Investoren mit zusammengestrichenen Prognosen, in der zweiten und dritten Börsenreihe machten dies der Maschinenbauer Aumann, die Deutsche Beteiligungs AG und der Getränkeabfüll-Anlagenhersteller Krones.

Knapp zwei Prozent verlor der Dax in der vergangenen Woche unter dem Strich, der EuroStoxx 50 für die Standardwerte im Euro-Raum hielt sich mit einem Wochenverlust von weniger als einem Prozent besser. Seit Jahresbeginn aber bleiben für die Indizes immer noch beeindruckende Zuwächse von jeweils rund 17 Prozent.

In den kommenden Wochen legen einige Konzerne ihre Quartalszahlen auf den Tisch und müssen sich damit einem Realitätscheck unterziehen. Rechtfertigen die Geschäftsergebnisse die hohen Bewertungen? Daran gibt es Zweifel.

Markus Wallner, Aktienstratege bei der Commerzbank, geht zum Beispiel davon aus, dass noch weitere Unternehmen ihre Gewinnprognosen nach unten korrigieren müssen. Frank Klumpp, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg, warnt ebenfalls: „Vor dem Hintergrund der breiten Kundenbasis von BASF könnte sich die jüngste Meldung aus Ludwigshafen als ungünstiger Vorbote für die Dax-Berichtssaison entpuppen.“

Den Auftakt unter den Dax-Konzernen macht in der Berichterstattung am Donnerstag SAP. Für den Softwarekonzern, dessen Aktie in diesem Jahr bereits mehr als 40 Prozent zugelegt hat, sind Analysten immerhin optimistisch. Schon der US-Konkurrent Oracle hatte dank gut laufender Cloud-Geschäfte im abgelaufenen Quartal ordentlich verdient. Auch Michael Briest, Analyst bei der UBS, erwartet, dass SAP gut verdient hat. Allerdings gebe es nach dem guten Lauf kaum Spielraum für Enttäuschungen.

Skeptischer mit Blick auf das Zahlenwerk sind Banken beim Chiphersteller ASML aus dem niederländischen Leitindex AEX. ASML legt am Mittwoch Quartalsergebnisse vor. Seit Jahresbeginn hat die Aktie gut 16 Prozent zugelegt.

Analysten wie Robert Sanders von der Deutschen Bank rechnen aber nur mit einer langsamen Erholung des Chipmarktes und einem gesunkenen Gewinn von ASML gegenüber dem Vorjahresquartal. Zahlen in Europa gibt es daneben unter anderem von der Telekom Austria am Dienstag, vom schweizerischen Pharmakonzern Novartis am Donnerstag und vom schwedischen Versorger Vattenfall am Freitag.

Hoffnung auf Zinssenkung treibt US-Börsen

Auch in den USA richten sich die Blicke auf die Unternehmenszahlen. Die großen Indizes an der Wall Street haben zuletzt – anders als die in Europa – neue Rekorde markiert. Als Hauptgrund dafür gilt indes nicht die Hoffnung auf gute Bilanzen, sondern auf eine Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Ende Juli. Die Spekulationen darauf hatte Fed-Chef Jerome Powell am vergangenen Mittwoch in seiner halbjährlich stattfindenden Rede vor dem US-Kongress erneut angefacht.

In den USA legen unter anderem die Großbanken Goldman Sachs und Citigroup (Montag), JP Morgan Chase (Dienstag), Bank of America (Mittwoch) Zahlen vor. Mindestens genauso im Fokus stehen in den USA die Quartalsbilanzen von IBM und Microsoft am Mittwoch.

Die in der kommenden Woche anstehenden Konjunkturdaten dürften die Märkte nur stützen, wenn sie über den Erwartungen liegen. Am Montag blicken Börsianer auf das Wirtschaftswachstum in China, das im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 6,2 Prozent gesunken sein dürfte.

In Deutschland prägten zuletzt schwache Konjunkturdaten das Bild. Deshalb wird nach Einschätzung der Ökonomen der Dekabank auch der am Dienstag anstehende ZEW-Index gesunken sein. Für den Index befragt das Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) jeden Monat rund 200 Analysten und institutionelle Investoren zu ihrer Einschätzung der deutschen Konjunktur in den kommenden sechs Monaten.

In den USA werden sich die Augen unter anderem auf den Konjunkturbericht der US-Notenbank richten, der am Mittwoch nach dem europäischen Börsenschluss veröffentlicht wird. Sollten die Fed-Mitglieder die Entwicklung der Wirtschaft besser beurteilen als Fed-Chef Powell dies angedeutet hat, wird das Börsianer nicht freuen. Schließlich würde eine bessere Einschätzung der Wirtschaft die Hoffnungen auf Zinssenkungen dämpfen.

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