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06.09.2019

18:14

Dax-Ausblick

Im Bann der EZB: Investoren blicken in der kommenden Woche wieder auf die Geldpolitik

Von: Jan Mallien

In der kommenden Woche steht die EZB im Fokus der Investoren. Am Donnerstag dürfte sie ein großes Paket zur Lockerung der Geldpolitik beschließen.

Die Entscheidung der EZB dürfte die Märkte beeinflussen. AP

Europäische Zentralbank

Die Entscheidung der EZB dürfte die Märkte beeinflussen.

Frankfurt Vor der Ratssitzung am kommenden Donnerstag haben Vertreter der Europäischen Zentralbank hohe Erwartungen geweckt. „Es ist wichtig, dass wir im September ein umfassendes und wirksames Paket vorlegen“, sagte beispielsweise das finnische EZB-Ratsmitglied Olli Rehn vor etwa zwei Wochen.

Umso gespannter dürften Investoren auf die Beschlüsse warten. Allgemein wird ein großes Paket erwartet. Zur Diskussion stehen eine Zinssenkung und mögliche Entlastungen für Banken durch ein Tiering, also eine Staffelung des Zinssatzes. Möglich ist außerdem eine Wiederauflage der Anleihekäufe und eine Anpassung des geldpolitischen Ausblicks.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet eine Senkung des derzeit entscheidenden Einlagenzinses. Aktuell liegt dieser bei minus 0,4 Prozent. Das bedeutet: Banken im Euroraum, die überschüssige Liquidität bei der EZB halten, zahlen einen Minuszins. Krämer rechnet mit einer Senkung des Einlagenzins von minus 0,4 auf minus 0,6 Prozent, wie er in einer aktuellen Analyse schreibt. Andere Ökonomen gehen von einer Senkung auf minus 0,5 Prozent aus.

Je höher die Zinssenkung ausfällt, desto stärker dürfte sie tendenziell den Wechselkurs des Euro belasten. Sinken die Zinsen im Euroraum, nimmt die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen zu. Für internationale Investoren wird es dadurch attraktiver, Kapital aus dem Euroraum abzuziehen und in Zinspapiere zum Beispiel in den USA zu investieren.

Ein noch niedrigerer Zins würde außerdem die Banken belasten. Andererseits könnten diese aber auch durch einen Staffelzins entlastet werden. Eine Staffelung würde heißen, eine Art Freibetrag einzuführen, bis zu dem dann wahrscheinlich ein Zins von null gelten würde. Erst für höhere Anlagebeträge wären die Minuszinsen fällig.

Umstrittene Anleihekäufe

Dieses Instrument wird bereits zum Beispiel in der Schweiz und in Dänemark eingesetzt. Dort haben die Notenbanken die Zinsen schon vor längerer Zeit noch weiter in den negativen Bereich gesenkt als die EZB. Welche Banken davon profitieren, hängt jedoch von der genauen Ausgestaltung des Tiering ab.

Interessant für Investoren wird zudem, ob die EZB ihre Anleihekäufe wieder startet. Anfang des Jahres hat sie diese beendet und ersetzt seither nur noch auslaufende Papiere aus ihrem Bestand. Eine Neuauflage der Käufe dürfte im EZB-Rat besonders umstritten sein. Die Verfechter einer strafferen Geldpolitik – wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und der niederländische Notenbankchef Klaas Knot – haben jüngst vor einem solchen Schritt gewarnt.

Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer erwartet dennoch, dass die EZB neue Käufe von monatlich 40 Milliarden Euro für zunächst neun Monate beschließt. Denkbar wäre allerdings auch, dass die Notenbank das Volumen bis zur Entscheidung über den Brexit noch offen lässt und lediglich ein starkes Signal gibt, dass sie zu weiteren Käufen bereit ist. Ein solches Signal könnte beispielsweise darin bestehen, dass sie ihre selbst gesetzten Grenzen für ihre Anleihekäufe ausweitet.

Darüber hinaus könnte die EZB auch die Bedingungen für ihre Kredite an Banken, die so genannten TLTRO III, etwas lockern. Diskutiert wird auch eine Anpassung ihres geldpolitischen Ausblicks (Forward Guidance). Bislang geht die EZB in ihrer Forward Guidance davon aus, dass die Zinsen im Euroraum mindestens bis zur ersten Jahreshälfte 2020 auf ihrem bisherigen Niveau bleiben oder sogar weiter sinken.

Klar ist auf jeden Fall, dass die EZB-Entscheidung am Donnerstag die Märkte beeinflussen wird. Ob positiv oder negativ, hängt davon ab, wieviel die EZB macht. Das finnische EZB-Ratsmitglied Olli Rehn sagte jüngst, es sei besser, die Markterwartungen im September zu übertreffen als sie zu verfehlen.

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