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03.02.2018

15:32 Uhr

Dax-Ausblick

Ruhezeit für den Dax ist vorbei

VonIngo Narat

An den Aktienmärkten wird es unruhig. Die gute Stimmung ist eingetrübt. Und es gibt viele Gründe für die Ernüchterung.

Börsenausblick

Talfahrt geht weiter – Dax im Minus erwartet

Börsenausblick: Talfahrt geht weiter – Dax im Minus erwartet

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FrankfurtAm Wochenende kommt ein Warnsignal von der Bank of America Merrill Lynch. Nach Ansicht der Analysten sollte man Risikoanlagen jetzt verkaufen. Ein Auslöser seien die sehr hohen die Netto-Zuflüsse in Aktienfonds auf dem US-Markt. Das werten die Fachleute als gefährliches Anzeichen einer Überhitzung.

Seit über einem Jahr klettern die Wall Street und andere Börsen auf neue Rekorde – und das bei geringen Schwankungen. Diese Ruheperiode ist seit kurzer Zeit vorbei. Der Dow Jones liegt mittlerweile rund zwei Prozent unter seinem vor einer Woche erzielten Top.

Der Dax rangiert bereits fünf Prozent unter seinem Allzeithoch, wieder deutlich unter 13000 Punkten. Auffällig ist dabei das Dax-Mitglied Deutsche Bank. Die Aktie verlor kräftig, auch noch einmal am Freitag als Reaktion auf die vorgelegten Zahlen.

Analyse der Bilanz 2017: Aktie der Deutschen Bank bricht um sechs Prozent ein

Analyse der Bilanz 2017

Aktie der Deutschen Bank bricht um sechs Prozent ein

Die Fortschritte in der Bilanz der Deutschen Bank fallen viel zu klein aus, um die Sorgen auszuräumen. Die Aktie bricht ein.

Die Rückkehr der Unruhe zeigt sich gut im sogenannten Angstbarometer für die US-Aktien, dass die von Investoren erwarteten Schwankungen widerspiegelt. Das Niveau ist in rund einem Monat vom historischen Tief aus um zwei Drittel gestiegen. Für Optimisten heißt das: Die Periode historisch größtmöglicher Sorglosigkeit ist vorbei, damit auch die Zeit anormal geringer Schwankungen.

Experten richten ihr Augenmerk allerdings noch mehr auf die Anleihemärkte als die Aktienmärkte. „Stärker als erwartet steigende Bondrenditen bleiben das wichtigste Risiko für die Börsen im Jahr 2018.“, glaubt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers.

Die zehnjährigen US-Staatsanleiherenditen sind derzeit auf dem höchsten Stand seit vier Jahren. Das hat bereits auf andere Märkte ausgestrahlt, auch den deutschen. Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, ist sicher: „Am Rentenmarkt besteht die größte Blase der Welt.“

Viele Beobachter empfunden die Rückkehr stärkerer Schwankungen an vielen Finanzmärkten als Normalisierung. Laut Halver sind die Finanzmärkte „aus ihrem ‚Dornröschenschlaf‘ aufgewacht“. Er betrachtet Konsolidierungen an den Börsen allerdings als gesund.

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Künstliche Intelligenz soll den Fondsmanager aus Fleisch und Blut ersetzen. Das ist zumindest die Vision der Technologie-Gläubigen. Doch der Durchbruch in der Vermögensverwaltung lässt noch auf sich warten.

Die neue Tendenzen lösen eine Wahrnehmung ab, die unter Ökonomen als Goldilocks-Szenario Karriere machte. Danach befindet sich die Wirtschaft in einer sehr guten Verfassung und damit einem idealen Börsenumfeld: Gutes Wirtschaftswachstum, tiefe Inflation, noch recht tiefe Zinsen.

Doch es gibt erste Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Idealkonstellation. Die US-Notenbank will die Zinsen weiter erhöhen, die Inflationserwartungen könnten nach Vermutung einiger Ökonomen wieder steigen. Auch am Devisenmarkt spiegeln bereits ein schwacher Dollar und ein starker Euro bei 1,25 Dollar wachsende Nervosität wider.

Durch die jüngsten Ausschläge fühlen sich jene Beobachter bestärkt, denen sowohl die Dauer der Aktienhausse von mittlerweile neun Jahren als auch die Länge des US-Wirtschaftsaufschwungs Kopfschmerzen bereiten. Wie die Analysten des Bankhaues Metzler ausrechnen, ist der aktuelle Wirtschaftsaufschwung „der zweitlängste seit 1854“.

Spar-Alternativen

Tagesgeld, Aktien oder lieber Immobilien?

Die Zinsflaute macht Sparern schwer zu schaffen. Die Deutschen gelten als risikoscheu. Wohin also mit dem mühsam Ersparten?

Nach einer Auswertung von Stiftung Warentest unter 134 Kreditinstituten liegt die jährliche Rendite beispielsweise bei Tagesgeld aktuell gerade einmal zwischen null und 0,65 Prozent. Dennoch scheuen viele Privatanleger in Deutschland Geldanlagen, die als riskanter gelten. So legen die Deutschen ihr Geld an.

(Quelle: dpa)

Bargeld und Bankeinlagen

Der größte Teil des Geldvermögens der privaten Haushalte von zuletzt insgesamt 5.723 Milliarden Euro steckt in Bargeld und Bankeinlagen. Rund 2.248 Milliarden Euro waren es nach Angaben der Bundesbank Ende Juni. Deutlich mehr als die Hälfte davon waren Bargeld oder lagen auf dem Girokonto.

Sparbuch

Der Klassiker Sparbuch ist trotz der Zinsschmelze weiterhin eine beliebte Anlageform – wenn auch mit sinkender Tendenz. Im vergangenen Jahr besaßen einer Umfrage des GfK-Vereins zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ein Sparbuch. Nach Bundesbank-Zahlen steckten Ende des zweiten Quartals 2017 rund 592 Milliarden Euro in Sparbriefen oder auf dem Sparbuch.

Versicherungen

Gut 89 Millionen Lebensversicherungsverträge zählte der Branchenverband GDV Ende vergangenen Jahres. Die Zinsflaute setzt allerdings auch dem Altersvorsorgeklassiker zu. Die neuen Verträge sind nicht mehr so hoch verzinst wie noch vor der Jahrtausendwende. Dennoch investierten die Bundesbürger im zweiten Quartal 2017 mehr als 18 Milliarden Euro in Versicherungen und Pensionseinrichtungen.

Die Bestände summierten sich Ende Juni laut Bundesbank auf rund 2.157 Milliarden Euro.

Immobilien

Anlagenotstand und niedrige Hypothekenzinsen heizen die Nachfrage nach „Betongold“ an. Zwar erteilten die Behörden in den ersten neun Monaten dieses Jahres fast 20.000 Baugenehmigungen weniger als im Vorjahreszeitraum.

Einer Studie der staatlichen Förderbank KfW zufolge gibt es aber keinen Mangel an Genehmigungen: In den vergangenen Jahren sei vielmehr ein Überhang von 600.000 Zusagen entstanden. Nach KfW-Einschätzung hakt es vor allem bei der Umsetzung, weil etwa Baufirmen und Handwerker wegen des Immobilienbooms überlastet seien.

Nach Einschätzung der Bundesbank gibt es nach wie vor keine Anzeichen für eine kreditgetriebene Preisblase bei Häusern und Wohnungen - auch wenn die Preise insbesondere in Städten teils um 15 bis 30 Prozent über einem angemessenen Niveau lägen.

Aktien

Die meisten Bundesbürger machen nach wie vor einen Bogen um die Börse. Trotz der Zinsflaute sank die Zahl der Aktionäre in Deutschland im vergangenen Jahr. Knapp 8,98 Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstitut (DAI) Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds.

Das waren 30.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die großen heimischen Unternehmen, die an der Börse notiert sind, sind überwiegend in Händen ausländischer Investoren.

Gold

Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Der Umfrage des GfK-Vereins zufolge sehen 38 Prozent der Bundesbürger darin eine attraktive Geldanlage. Nur sechs Prozent investierten 2016 allerdings tatsächlich in Gold. Die Zahl derer, die das Edelmetall in Form von Münzen, Barren oder Schmuck besitzen, ist nach einer Studie der Steinbeis-Hochschule für die Reisebank aber deutlich höher.

Bitcoin

Die Digitalwährung machte in diesem Jahr mit einer Verneunzehnfachung und starken Kursschwankungen Schlagzeilen. Anders als herkömmliche Währungen werden Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht von Zentralbanken und Regierungen kontrolliert. Es gibt keine Scheine oder Münzen, sondern nur Bits und Bytes auf Computern. Bitcoins werden durch gigantische Rechenprozesse erzeugt, Anleger bleiben anonym. Notenbanken und Aufsichtsbehörden warnen vor Investitionen. „Mangels Wertbasis ist der Preis für Bitcoin praktisch beliebig bis hin zum Totalverlust“, mahnt etwa Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Vor diesem Hintergrund blicken die Anleger gespannt auf die anstehenden Wirtschaftsdaten dieser Woche. Von ihnen erhoffen sich die Börsianer weitere Hinweise auf den Zustand der Konjunkturen vor allem in den USA und Europa.

Am Dienstag stehen die deutschen Auftragseingänge der Industrie im Dezember auf dem Terminkalender. Es folgt am Mittwoch die deutsche Industrieproduktion für den gleichen Monat. Am Donnerstag werden Daten vom US-Arbeitsmarkt veröffentlicht.

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