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08.05.2019

17:32

Deutsche Aktien

Banken erwarten Dax-Rutsch unter 12.000 Punkte

Von: Andrea Cünnen

Vier Landesbanken und die Dekabank rechnen beim Dax in den nächsten Monaten mit teilweise deutlichen Verlusten. Nur ein Geldhaus ist optimistisch.

Besonders optimistisch sind die meisten Experten nicht mehr. Imago

Frankfurter Börse

Besonders optimistisch sind die meisten Experten nicht mehr.

Frankfurt Es ist ein festes Ritual: Jedes halbe Jahr lädt der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) von seinen Mitgliedsinstituten fünf große Landesbanken und die Dekabank ein, um ihre Aussichten für die Aktienmärkte zu präsentieren. An diesem Mittwoch war es wieder so weit – und der wolkenverhangene Himmel passte zur Stimmung an den Märkten.

Seit Anfang der Woche gehen die Investoren an den Börsen in Deckung. „Die Zollandrohungen haben die Märkte wachgerüttelt, aber es hätte auch einen anderen Auslöser geben können“, sagt Joachim Schallmayer, Aktienstratege bei der Dekabank. Am Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump China angedroht, die Strafzölle auf Importe in die USA deutlich zu erhöhen.

Am Montag und Dienstag verlor der Dax insgesamt mehr als zweieinhalb Prozent, am Mittwoch schaffte er die Wende ins Plus und hat damit seit Jahresanfang etwa 15 Prozent zugelegt. Von seinem am vergangenen Freitag erreichten Jahreshoch von mehr als 12.400 Punkten hat er sich jedoch deutlich entfernt.

Doch das dürfte es zunächst gewesen sein. Innerhalb der nächsten drei Monate wird der Dax nach Meinung von Dekabank, Hamburg Commercial Bank, LBBW und NordLB unter die Marke von 12.000 Punkten fallen. Die Prognosen reichen dabei von 11.600 (NordLB) bis 11.200 Zähler (LBBW). Damit würde der Dax in den kommenden Monaten bis zu 7,5 Prozent verlieren und wäre im Korrekturmodus. Die BayernLB geht davon aus, dass sich der Dax noch hält, aber spätestens in sechs Monaten auf 11.800 Punkte abrutschen wird.

Markus Reinwand von der Helaba sieht das ganz anders. Als einziger der geladenen Strategen betrachtet er die Märkte optimistisch und rechnet damit, dass der Dax bis Anfang August auf 13.000 Zähler steigen wird. Bis Jahresende prognostiziert er sogar einen Anstieg auf 13.200 Zähler.

Fest macht der Stratege dies unter anderem an historischen Mustern: „Erst steigen die Aktien, dann die Konjunkturerwartungen“, sagt er. Seit Jahresanfang würden die Märkte auf eine konjunkturelle Erholung setzen, die man in der Wirtschaft noch nicht sehe.

Marktprognosen: Kaum noch Luft nach oben für den Deutschen Aktienindex

Marktprognosen

Kaum noch Luft nach oben für den Deutschen Aktienindex

Die Dax-Prognosen für das Jahresende sind vielfach bereits jetzt überschritten. Trotzdem passen die wenigsten Banken ihre Kursziele an – aus mehreren Gründen.

In der Tat fallen die Erwartungen an das Wachstum der deutschen Wirtschaft kontinuierlich. Jüngst hatte die EU-Kommission ihre Prognose für den Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr von 1,1 Prozent auf nur noch ein halbes Prozent gesenkt, die Bundesregierung hat dies schon vor Wochen gemacht.

Auch harte Wirtschaftsdaten enttäuschen. Zuletzt sanken die deutschen Einzelhandelsumsätze, Auftragseingänge und die Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Dass die harten Zahlen schwach ausfielen, sei jedoch im Marktzyklus normal, betont Reinwand. Frühindikatoren wie der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen von Analysten und Investoren misst, wiesen jedoch bereits wieder nach oben. Das sei ein guter Indikator dafür, dass die Erholung an den Märkten weitergehe.

Optimismus ist schon eingepreist

Die anderen Strategen sehen das nicht so. Die Aktienmärkte seien zwar ein Frühindikator für die Entwicklung der Wirtschaft, meint Frank Klumpp von der LBBW. Aber inzwischen sei schon zu viel Optimismus in den Kursen eingepreist: „So wenig, wie der Pessimismus im vierten Quartal 2018 gerechtfertigt war, ist jetzt die Zuversicht übertrieben.“ In den letzten Monaten des vergangenen Jahres hatten Anleger eine Rezession in den USA gefürchtet, und die Märkte brachen ein. Der Dax verlor allein im vierten Quartal 2018 mehr als 14 Prozent.

Auch Manfred Bucher von der BayernLB meint, dass die künftige konjunkturelle Entwicklung an den Aktienmärkten zu positiv bewertet wird: „Wir stehen nicht am Beginn eines neuen Aufschwungs und erwarten schon 2020 wieder eine globale Schwäche.“ Für Volker Sack von der NordLB sind die Märkte ebenfalls schon zu weit gelaufen.

Mit Blick auf die Unternehmensergebnisse sei zudem noch die ein oder andere negative Überraschung zu erwarten. Die NordLB ist außerdem mit Blick auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen skeptischer als andere Häuser. Der Dax wird nach ihrer Berechnung derzeit schon mit dem 14,5-Fachen der für das laufende Jahr erwarteten Gewinne bewertet. Andere Analysten sehen das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax nur bei gut 13 Prozent.

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Schallmayer von der Dekabank ist mit Blick auf die These, dass die Aktienmärkte bei steigenden konjunkturellen Frühindikatoren noch Potenzial haben, skeptisch, weil die typischen Konjunkturzyklen nicht mehr gelten würden. Von daher ließen sich auch die klassischen Modelle nicht mehr so gut anwenden. Inzwischen müsse man vor allem wegen des großen Einflusses der Notenbanken mit anderen Augen auf die Märkte schauen, betont Schallmayer.

Dabei ist unter Analysten Konsens, dass die Kehrtwende der US-Notenbank im Januar mit der Absage an weitere Zinserhöhungen ein entscheidender Auslöser der Rally an den Märkten war. Als weiterer Treiber gelten die Hoffnungen auf ein Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China. Jetzt haben sich die Töne aus Washington zwar verschärft, aber dennoch glaubt Reinwand von der Helaba nicht, dass der Handelsstreit eskalieren wird. Zumindest darin ist er mit seinen Kollegen einer Meinung.

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