Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

13.11.2019

14:09

E-Commerce-Gigant

Alibabas zweiter Streich: Hongkonger Börse erlaubt Zweitnotierung

Von: Sha Hua

Der chinesische Onlinehändler will schon in wenigen Tagen an die Hongkonger Börse gehen. Der IPO ist für Alibaba nicht nur finanziell wichtig.

Bei Alibabas Notierung geht es laut einem Analysten nicht vorrangig um das Einsammeln von mehr Kapital. Reuters

Logo der Alibaba Group

Bei Alibabas Notierung geht es laut einem Analysten nicht vorrangig um das Einsammeln von mehr Kapital.

Peking Die Hongkonger Börse hat dem E-Commerce-Giganten Alibaba die Erlaubnis erteilt, eine Zweitnotierung vorzunehmen. Das berichtete am Mittwoch die in Hongkong ansässige englischsprachige Tageszeitung „South China Morning Post“ (SCMP), die 2016 von Alibaba gekauft wurde. In dieser Woche wolle das Unternehmen in einer Roadshow abklopfen, wie groß das Interesse von institutionellen sowie privaten Anlegern sein.

Der konkrete Preis solle am 20. November festgelegt werden, der Börsengang selbst werde in der darauffolgenden Woche stattfinden, zitiert die SCMP mit der Angelegenheit vertraute Personen. Insgesamt hoffe das Unternehmen, zwischen 10 und 15 Milliarden Dollar einzusammeln. Die Hongkonger Börse lehnte einen Kommentar ab.

Konsortialbanken des Börsengangs sollen die China International Capital Corporation und die Credit Suisse sein. Daneben sind auch Citigroup, JP Morgan Chase und Morgan Stanley beteiligt.

Gerüchte über eine geplante Zweitnotierung Alibabas in Hongkong gab es bereits seit Monaten. 2014 war Alibaba in New York an die Börse gegangen. Eigentlich war die Notierung in Hongkong schon für den Sommer dieses Jahres geplant gewesen, musste dann aber aufgrund der bereits seit fünf Monate andauernden Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone verschoben werden.

Die Proteste sind jüngst erneut eskaliert. An diesem Mittwoch haben Demonstranten in Hongkong den dritten Tag in Folge Teile des Berufsverkehrs lahmgelegt, zahlreiche U-Bahn-Stationen mussten geschlossen werden und mehrere Universitäten und Schulen sagten den Unterricht ab. Am Dienstag war es zu gewaltsamen Zusammenstößen auf dem Campus der China University Hong Kong gekommen.

In Folge der anhaltenden Proteste ist Hongkong in eine Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in den Monaten Juli bis September im Quartalsvergleich um 3,2 Prozent. Selbst ein Wirtschaftswachstum von null bis ein Prozent zu erreichen, werde dieses Jahr schwierig sein, sagte Hongkongs Finanzchef Paul Chan.

486,6 Milliarden Dollar Marktwert

Vor diesem Hintergrund sagt Gordon Tsui, der Vorsitzende des Hongkonger Wertpapier-Verbands: „Die Zweitnotierung von Alibaba ist ein Vertrauensvotum für den Aktienmarkt in Hongkong.“ Die Hongkonger Börse könnte damit in diesem Jahr die Börse mit dem höchsten Gesamtwert von IPOs werden.

Bereits beim ersten Börsengang 2014 nahm Alibaba 25 Milliarden Dollar ein. Aktuell ist Alibaba mit einem Marktwert von 486,8 Milliarden Dollar eines der größten Unternehmen der Welt hinter Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Facebook und Berkshire Hathaway.

Auf die Frage, was er denn mit dem eingesammelten Geld aus dem zweiten Alibaba-Börsengang machen möchte, sagte der Chef der Marketing-Abteilung, Chris Tung, dem Handelsblatt am Montag: „Mehr in Innovation investieren.“ Als konkretes Beispiel nannte er den Aufbau eines noch interaktiveren digitalen Stores.

Zudem gehen Analysten davon aus, dass Alibaba mit dem zusätzlichen Kapital seinen Essenslieferdienst Ele.me noch stärker subventionieren will, damit dieser sich gegen den Konkurrenten Meituan Dianping durchsetzen kann. Außerdem braucht Alibaba Geld für eine geplante Expansion in Südostasien. Außerdem hat Alibaba in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass es seinen Anteil bei seinem Logistik-Unternehmen Zainiao für 3,3 Milliarden Dollar von 51 auf 63 Prozent erhöht hat.

„Alibaba will Investoren vom Festland anziehen“

Zusätzliche Einnahmen sind aber womöglich nicht das wichtigste Ziel bei Alibabas Zweitnotierung. Es gehe nicht vorrangig um das Einsammeln von mehr Kapital, schreibt der Analyst Travis Lundy über die Recherche-Plattform Smartkarma für Ballingal Investment Advisors. Erst im dritten Quartalsbericht hatte das Unternehmen angegeben, über 34 Milliarden Dollar Cash zur Verfügung zu haben. Allein zwischen Juni und September konnte Alibaba seinen Umsatz um Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 16,7 Milliarden Dollar erhöhen.

„Alibaba möchte Investoren vom chinesischen Festland anziehen, weil es ja dort auch sein meistes Geld verdient“, schreibt Lundy. So werden künftig Anleger aus China über ein sogenanntes „Stock Connect“ Programm zwischen Schanghai, Shenzhen und Hongkong an Alibabas Wachstum teilnehmen können.

Außerdem erschaffe sich das Unternehmen mit der Zweitnotierung in Zeiten sich verschlechternder Beziehungen zwischen China und den USA eine „Rettungsleine“, so Lundy. Die zwei größten Volkswirtschaften der Welt befinden sich seit mehr als einem Jahr in einem Handelskonflikt. Zwar sagte US-Präsident Donald Trump am Dienstag, dass eine Teileinigung sehr wahrscheinlich sei, doch zugleich drohte er mit Strafzoll-Erhöhungen, sollte keine Vereinbarung zustande kommen.

Für New York hatte sich Alibaba bei seiner Erstnotierung vor allem wegen strengeren Auflagen in Hongkong entschieden. Ansonsten wäre Hongkong Alibabas „erste Wahl“ gewesen, wie der Mitgründer Joe Tsai bereits 2013 zugab. Erst 2018 lockerte die Hongkonger Börse die Regeln und ließ unter anderem die unterschiedliche Gewichtung von Aktien sowie eine Zweitnotierung zu.

Hauptregulierungsbehörde soll allerdings auch künftig die amerikanische Börsenaufsicht SEC bleiben. Nur wenn das Handelsvolumen der in Hongkong notierten Wertpapiere 55 Prozent überschreiten würde, würde diese Verantwortung an Hongkong gehen.

Handelsblatt Premium

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Philipp Scharrer

13.11.2019, 14:45 Uhr

Die Frage ist doch, was bedeutet das für den Kurs von Alibaba? Mehr Aktien = niedrigerer Kurs / Stück? Angeblich handelt es sich um ca. 500 Mio. Stück, was in etwa 20% des Gesamtvolumens entspricht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×