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27.08.2019

04:00

EEX-Chef Peter Reitz im Interview

„Wir brauchen einen globalen Preis für CO2 – denn wir adressieren ein globales Problem“

Von: Andreas Kröner

Der Chef der Energiebörse EEX spricht über die Nachteile einer CO2-Steuer. Zudem kündigt er eine Expansion in den USA an – und weitere Zukäufe.

Der Chef der Energiebörse treibt die Expansion der EEX in den USA voran. BOSTELMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt

Peter Reitz

Der Chef der Energiebörse treibt die Expansion der EEX in den USA voran.

Leipzig Die mögliche Einführung einer CO2-Steuer in Deutschland sieht die EEX kritisch. Bei einer Steuer lege man die Höhe fest und hoffe, dass diese dann die gewünschte Lenkungswirkung entfalte, sagt EEX-Chef Peter Reitz im Interview.

„Aber es ist unwahrscheinlich, dass der CO2-Ausstoß durch eine Steuer exakt so stark sinkt wie gewünscht. Das ist bei einem Handelssystem anders.“ Hier könne man durch die Menge an ausgegebenen CO2-Zertifikaten sicherstellen, dass man seine Ziele exakt erreiche.

In der Politik wird derzeit intensiv über eine stärkere Bepreisung von CO2 diskutiert. Am 20. September will das Klimakabinett der Bundesregierung dazu Entscheidungen treffen. Die EEX steht laut Reitz im intensiven Austausch mit der Politik. Über die EEX läuft seit 2005 ein großer Teil des Handels mit europäischen CO2-Zertifikaten.

Das europäische System deckt aber bisher nur ungefähr die Hälfte aller Emissionen in Europa ab – und das muss sich aus Sicht von Reitz ändern. „Alle Sektoren müssten in den Emissionshandel miteinbezogen werden – also auch die Bereiche Wärme und Verkehr“, fordert er.

Die Energiebörse wolle außerdem ihr Geschäft in den USA kräftig wachsen lassen und in weitere Geschäftsfelder vorstoßen, sagte Reitz.

Zur Person

Der Manager

Reitz hat Mathematik studiert und in dieser Zeit seine Haushaltskasse als DJ aufgebessert. Seine berufliche Karriere startete der 53-Jährige als Produktmanager bei der Deutschen Börse. Von 2000 bis 2001 arbeitete er für den Index-anbieter Dow Jones in New York. Anschließend zog er in den Vorstand der Deutsche-Börse-Derivate-Sparte Eurex ein. Seit August 2011 ist Reitz Chef der Leipziger Energiebörse EEX.

Das Unternehmen

Die European Energy Exchange (EEX) entstand 2002 durch die Fusion der Strombörsen Frankfurt und Leipzig. Das Unternehmen gehört mehrheitlich der Deutschen Börse, die 75 Prozent der Aktien hält. Die EEX bietet den Handel mit Strom, Gas, CO2-Zertifikaten, Fracht, Metallen und Agrarprodukten an. 2018 stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 268 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn um 24 Prozent auf 92 Millionen Euro.

Aktuell baue das Unternehmen in den Vereinigten Staaten einen Markt für Lkw-Fracht auf. „Wir planen zudem einen Eintritt in den weltgrößten Gasmarkt USA. Unsere US-Tochter Nodal wird noch in diesem Jahr die ersten Gas-Derivate einführen.“

Die Deutsche-Börse-Tochter hatte Nodal vor zwei Jahren für einen niedrigen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag übernommen. Im vergangenen Jahr stieg das Unternehmen in den US-Emissionshandel ein, 2019 folgt nun das Geschäft mit Lkw-Fracht und Gas.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Reitz, in Deutschland wird so viel über Klimaschutz diskutiert wie lange nicht. Was können Sie als Chef der Energiebörse EEX beitragen, um die Menschheit zu retten?
So hoch will ich gar nicht greifen. Aber die EEX trägt bereits eine ganz Menge zur Verbesserung des Klimaschutzes bei. Über uns läuft ein großer Teil des europäischen Emissionshandelssystems, kurz EU ETS, das durch die Steuerung der Menge der Emissionszertifikate eine CO2-Bepreisung vornimmt – in erster Linie für die Energieerzeugung und die Industrie. Das deckt jedoch nur ungefähr die Hälfte aller Emissionen in Europa ab. Bei dieser Begrenzung darf es nicht bleiben. Denn der Umwelt ist es egal, ob CO2 bei der Stromerzeugung, durch Autos oder durch die Ölheizung im Keller entsteht.

In Berlin wird aktuell über eine CO2-Steuer diskutiert. Was halten Sie davon?
Die Frage ist immer, was man mit einem Instrument erreichen will. Das Ziel muss ja sein, den Ausstoß von CO2-Emissionen zu reduzieren. Die Steuer ist eine Einnahmequelle, bei der man die Höhe festlegt und hofft, dass diese dann die gewünschte Lenkungswirkung entfaltet. Aber es ist unwahrscheinlich, dass der CO2-Ausstoß durch eine Steuer exakt so stark sinkt wie gewünscht. Das ist bei einem Handelssystem anders. Da kann man durch die Menge an ausgegebenen CO2-Zertifikaten sicherstellen, dass man seine Ziele exakt erreicht.

Was sollte die Politik aus Ihrer Sicht tun?
Alle Sektoren müssten in den Emissionshandel miteinbezogen werden – also auch die Bereiche Wärme und Verkehr. Der beste Weg wäre, das bestehende europäische System entsprechend zu erweitern. Dafür bräuchte es jedoch eine politische Einigung auf europäischer Ebene – und eine solche ist erfahrungsgemäß kurzfristig nicht zu erreichen.

Was kann Deutschland aus eigener Kraft tun?
Das Emissionshandelssystem sieht ausdrücklich nationale Ergänzungsmöglichkeiten vor. Deutschland könnte also entscheiden, die Bereiche Verkehr und Heizung mit in das System aufzunehmen. Das ETS führt dann dazu, dass der Markt den günstigsten Weg findet, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

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