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22.10.2019

18:27

Erfolgreiche Spekulationen

14 US-Senatoren fordern Aufklärung zu den „Trump-Chaos-Trades“

Von: Jürgen Röder

Laut dem US-Magazin „Vanity Fair“ gab es vor wichtigen Ereignissen sehr hohe Handelsaktivitäten. Die anschließenden Gewinne waren extrem hoch.

Laut dem US-Magazin „Vanity Fair“ wussten Akteure hinter diesen Mega-Trades, was Trump sagen würde, und hätten sich entsprechend am Markt positioniert. Bloomberg

Donald Trump

Laut dem US-Magazin „Vanity Fair“ wussten Akteure hinter diesen Mega-Trades, was Trump sagen würde, und hätten sich entsprechend am Markt positioniert.

Düsseldorf US-Präsident Donald Trump und sein möglicher Einfluss auf die Börsenentwicklung sind ein Thema in den USA. 14 demokratische US-Senatoren haben unter anderem das FBI aufgefordert, „beunruhigende Berichte über verdächtige Geschäfte an unseren Futures- und Aktienmärkten“ zu untersuchen.

Anleger sollen nicht-öffentliche Regierungsinformationen verwendet haben, um riesige illegale Gewinne zu erzielen. Das Magazin „Vanity Fair“ hatte vergangene Woche ausführlich über derartige Vorgänge berichtet.

Unter der Überschrift „Das fantastisch profitable Geheimnis der Trump-Chaos-Trades“ verweist Autor William D. Cohan auf zahlreiche verdächtige Trades mit E-mini S&P 500 Futures im Juni und September. Cohan glaubt, dass die Akteure hinter diesen Mega-Trades wussten, was Trump sagen würde, und sich entsprechend am Markt positioniert hätten.

Die Börse von Chicago (CME), an der die Papiere gehandelt werden, wies den Bericht als „offenkundig falsch“ zurück.

Zum Hintergrund: Der E-mini S&P 500 Future ist ein Terminkontrakt, mit dem sowohl institutionelle als auch private Anleger handeln. Der Vorteil: Dieser Future ist sehr liquide, das Tagesvolumen liegt bei über einer Million Kontrakten, und der Handel findet 23 Stunden am Tag statt, an sechs Tagen in der Woche.

Dadurch können Anleger sogar nachts ihre Position mit einem Stop-Loss absichern oder mögliche Gewinne schnell mitnehmen. Der E-mini hat einen Hebel von 50. Einen Anstieg im S&P 500 um einen Punkt hat einen Gewinn von 50 Dollar im Kontrakt zur Folge – und natürlich umgekehrt.

Wie groß der Einfluss von Trumps Tweets auf die Börsenkurse ist, haben verschiedene Untersuchungen gezeigt. Die US-Bank JP Morgan hat bereits einen neuen Index entwickelt, der den Einfluss der Tweets auf den Anleihemarkt misst. Auffällig ist auch, dass Trump stets auf die 200-Tagelinie beim US-Index Dow Jones achtet.

Vier auffällige Handelsaktivitäten gab es laut „Vanity Fair“:

Vor dem Drohnenangriff in Saudi-Arabien

Der Freitag, 13. September, war für einen Anleger oder eine Gruppe von Investoren ein regelrechter Glückstag. In den letzten zehn Minuten des Handels an der Chicago Mercantile Exchange (CME), der größten Börse der Welt, wurden 120.000 E-minis auf den S&P 500 verkauft, eine große Spekulation auf fallende Kurse. Um 15.50 Uhr in New York, es war kurz vor Mitternacht in Teheran. Der US-Auswahlindex notierte bei 3010 Punkten.

Wenige Stunden später griffen Drohnen einen großen Teil der saudi-arabischen Ölinfrastruktur an; die Ölpreise schnellten in die Höhe. Rund eine Stunde später, als die CME wieder eröffnete, war der S&P-Index 30 Punkte gefallen. Der Gewinn: 180 Millionen Dollar.

Vor Neuigkeiten im Handelsstreit

Bereits drei Tage zuvor wurden – ebenfalls in den letzten zehn Minuten des Handels – 82.000 S&P E-minis gekauft, als der Index bei 2969 notierte. In Peking war es zu diesem Zeitpunkt fast vier Uhr morgens. Wenige Stunden später kündigte die chinesische Regierung an, die Zölle für eine Reihe von in Amerika hergestellten Produkten zu erhöhen.

Der Index legte anschließend um fast 30 Punkte zu. Und als US-Präsident Donald Trump am gleichen Tag noch verkündetet, dass er die Zölle auf einige chinesische Waren verschieben würde, stieg der S&P-Index auf 3016 oder um 47 Punkte.

Ein Anstieg um 47 Punkte bedeutet ein Plus von 2.350 Dollar pro E-mini und bei 82.000 Kontrakten ein Plus von rund 190 Millionen Dollar.

Vor den Entspannungssignalen in Hongkong

55.000 E-mini-Kontrakte wurden am 3. September drei Minuten vor dem Handelsende an der CME gekauft. Bei einem S&P-Kurs von 2906.

Gegen 21.00 Uhr in New York – 9.00 Uhr in Hongkong – fing der Markt an, bis auf 2936 Punkte zu steigen. Gegen 14 Uhr in Hongkong – 2.00 Uhr in New York – kündigte die Hongkonger Führerin Carrie Lam an, dass sie das umstrittene Auslieferungsgesetz, das die Stadt seit Monaten aus Protest heimgesucht hatte, zurückziehen werde. Wer die E-mini-Verträge ein paar Stunden zuvor gekauft hatte, konnte einen Gewinn von 82,5 Millionen Dollar einstreichen.

Vor dem G20-Gipfel

Der größte Deal gelang aber am 28. Juni, als in den letzten Minuten des Handels plötzlich 420.000 E-minis gekauft wurden – 40 Prozent des gesamten täglichen Handelsvolumens.

Zu diesem Zeitpunkt war Präsident Trump in Osaka, Japan, und auf dem Weg zu einem etwa einstündigen Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping im Rahmen des G20-Gipfels.

Am Samstag in Osaka, nachdem der Markt in Chicago geschlossen war, tauchte Trump nach seinem Treffen mit Xi auf und sagte: „Wir hatten ein großartiges Treffen.“ Die folgende Woche war eine gute an der Börse. Eine Woche später lag der Index knapp unter 3000, ein Plus von 84 Punkten oder 4.200 Dollar pro E-mini-Kontrakt. Wer die 420.000 E-minis am 28. Juni kaufte, hätte einen stattlichen Gewinn von fast 1,8 Milliarden Dollar erzielen können.

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