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11.07.2018

20:54 Uhr

Fondsbilanz

US-Aktienfonds bringen in der ersten Jahreshälfte die höchsten Erträge

VonIngo Narat

Die Wall Street scheint der Maxime „America first“ zu folgen. US-Fonds sind die Gewinner des ersten Halbjahrs. Geldverwalter investieren nun mehr in Übersee.

Investitionen in Produkte mit Ausrichtung auf die Wallstreet haben sich in der ersten Jahreshälfte als erfolgreich erwiesen. Getty Images; Per-Anders Pettersson

US-Flagge

Investitionen in Produkte mit Ausrichtung auf die Wallstreet haben sich in der ersten Jahreshälfte als erfolgreich erwiesen.

FrankfurtFondsanleger können sich nach den ersten sechs Monaten des Jahres über Gewinne freuen. Dazu müssen sie allerdings jenseits des Atlantiks investiert haben. Beste Wahl waren Produkte mit Ausrichtung auf die Wall Street. Das sind US-Aktienfonds oder Branchenprodukte für Titel aus den Bereichen Technologie und Gesundheit, in denen US-Konzerne dominieren.

Im Schnitt kommen diese Fonds auf Gewinne von fünf bis zehn Prozent. Das ergibt eine Auswertung von Scope Analysis für das Handelsblatt. „Es läuft einfach gut beim Wachstum in den USA“, sagt Scope-Mann André Härtel und erklärt so die herausragenden Anlageergebnisse.

Die Übersicht enthält die durchschnittlichen Anlageergebnisse von Fonds für verschiedene wichtige Ausrichtungen nach Anlageklassen, Ländern, Regionen und Investmentstilen. Sie zeigt neben den Halbjahresergebnissen zur besseren Einordnung auch die Resultate für die vergangenen fünf Jahre. Über die kürzere Sechsmonatsdistanz rutschen viele Fonds in die roten Zahlen.

Verlierer sind beispielsweise europäische Aktienprodukte und insbesondere die deutschen. Im Minus liegen auch Schwellenländerfonds. Wegen der steigenden Zinstrends verbuchen die Anleihedepots ebenfalls Verluste. Nur die US-Bondprodukte koppeln sich dank des steigenden Dollars ab. Das gelingt, weil alle Erträge in der Übersicht in Euro ausgewiesen sind.

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So drängt sich der Eindruck auf, US-Präsident Donald Trump gestalte mit seinen Handelsbeschränkungen und Drohungen das Geschehen an den Börsen mit. Igor de Maack, Fondsmanager beim französischen Vermögensverwalter DNCA, geht noch weiter: „Er hat im ersten Halbjahr die Entwicklung der Märkte diktiert.“

Das Motto „America first“ und ein bedrängtes Europa spiegeln sich in den Wertentwicklungen wider. Die Drohung von Einfuhrzöllen auf Autos beispielsweise ließ die Aktien der Branche absacken, allen voran die der großen deutschen Hersteller.

Die Politik beschleunigt den Trend

Der bekannte Vermögensverwalter Bert Flossbach fühlt sich bei Trump „erinnert an einen Jungen, den man in einen großen Bagger gesetzt hat, und der nun allen zeigen will, was er mit den vielen Hebeln so alles mit Freund und Feind anstellen kann“. Der Kölner Mitgründer von Flossbach von Storch fährt fort: „Er demonstriert der ganzen Welt, welchen Einfluss der Präsident einer Hegemonialmacht hat, die über die größte Wirtschaft, das schlagkräftigste Militär und die wichtigste Währung verfügt.“

Marcus Stahlhacke, Fondsmanager bei Allianz Global Investors, hält die Börsenentwicklungen aber für rational. „Die positive Grundstimmung zugunsten der US-Märkte kann man fundamental noch gut begründen: mit der besser laufenden Konjunktur im Vergleich zu Europa, den höheren und weiter steigenden Zinsen, dem starken Dollar“, sagt er. Ähnlich sieht das Martin Stürner.

Der Chef des Vermögensverwalters PEH Wertpapier erkennt seit einigen Jahren einen Börsenvorteil von großen Konzernen: „Die entwickeln ein globales Eigenleben unabhängig von der Politik, und das sind häufig US-Adressen; die Politik des US-Präsidenten hat diesen Trend noch einmal dynamisiert.“ Als typische Konzerne nennt er Technologiehäuser wie Microsoft, Intel, Apple oder den Biotech-Riesen Amgen.

Stürner glaubt, dass die US-Vorteile bei Kapitalmarktanlagen mehr sind als eine kurzlebige Episode. „Eine Ablehnung Trumps bringt nichts, wir müssen uns bei den Geldanlagen einfach auf ihn einstellen“, sagt er. Seine klare Empfehlung: „Aus heutiger Sicht spricht viel für mehr US-Anlagen.“ Stahlhacke von Allianz Global Investors hat in einigen Mischfonds des Hauses den Wall-Street-Anteil bereits angehoben. Dafür findet er wirtschaftliche Gründe. Seiner Meinung nach wird die US-Steuerreform die dortige Konjunktur weiter beflügeln: „Für die nächste Quartalssaison erwarten wir gute Gewinnzahlen.“

Der Weltindex für die USA-Wette

Das Thema Steuerreform ist auch ein Stichwortgeber für den Marktstrategen Martin Lück beim weltweit größten Vermögensverwalter Blackrock. Seiner Meinung nach sind die positiven Effekte in den Aktienkursen noch nicht vollständig berücksichtigt. Und er findet ein weiteres Argument für die Wall Street. Seiner Meinung nach werden die US-Firmen zusätzliche Gelder dank der Steuerreform auch für weitere Aktienrückkäufe nutzen. Aus der europäischen Perspektive sollte außerdem der Greenback Anlegern zusätzliche Währungs‧gewinne bescheren: „Der Euro könnte bis zum Jahresende auf 1,10 Dollar fallen.“

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Andere Häuser haben sich entsprechend ausgerichtet. Beim großen US-Verwalter MFS stellt Chefstratege James Swanson die Weichen für den Heimatmarkt. Er sieht Amerika vom weltweiten Wachstumsrückgang nicht betroffen. Swanson hält die Wall Street für interessanter als Anlagen in Europa oder Japan. Michael Grady, Ökonom beim britischen Asset-Manager Aviva Investors, ist ebenfalls guter Dinge: „Wir haben unsere Einschätzungen für US-Aktien angehoben.“

Die Dominanz der amerikanischen Börsen ist kein Ereignis der Trump-Ära. Ein Blick in die Fondsbilanz belegt, dass die US-Märkte bereits während der vergangenen fünf Jahre die besten Anlageergebnisse lieferten. Dort anlegende Aktienfonds spielten fast 14 Prozent jährlich ein, Technologie-Branchenprodukte führen mit fast 19 Prozent die langfristige Hitliste sogar an.

Wer auf eine Fortsetzung der Trends setzt, für den hat Ali Masarwah einen Rat. Der Analyst bei der Fondsratingagentur Morningstar empfiehlt die Ausrichtung an einer globalen Aktienanlage Indexfonds auf den MSCI Welt. Die Messlatte hat einen 61-prozentigen US-Anteil. „Aktiv verwaltete Fonds mit internationaler Ausrichtung haben typischerweise eine geringere Wall-Street-Quote“, sagt der Experte.

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