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19.10.2018

12:38

Seit Juni 2018 haben Aktien italienischer Banken 37 Milliarden Euro an Wert verloren. dpa

Filiale der Unicredit

Seit Juni 2018 haben Aktien italienischer Banken 37 Milliarden Euro an Wert verloren.

Italien

Haushaltschaos in Rom – An den Finanzmärkten steigt die Furcht vor einer neuen Euro-Krise

Von: Jürgen Röder, Regina Krieger

Italiens Haushaltspolitik sorgt für heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten. Besonders Italiens Anleihenmärkte leiden, aber auch der Euro steht unter Druck.

Düsseldorf, RomDie schwarzen Freitage in Italien häufen sich. An der Börse und an den Anleihenmärkten spiegeln sich die Entscheidungen der Koalitionsregierung in Rom unmittelbar wider. Die Rendite-Differenz (Spread) zwischen den zehnjährigen deutschen Staatsanleihen und ihren italienischen Pendants hat das höchste Niveau der vergangenen fünf Jahren erreicht. Und die Aktienkurse in Mailand fallen - vor allem die der Finanzwerte finden keinen Halt.

Darin wirft Brüssel Italien schwere Verstöße gegen die Regeln der Euro-Zone vor und kritisiert die Pläne zur Neuverschuldung um 2,4 Prozent im kommenden Jahr als „noch nie dagewesene“ Abweichung von den Kriterien des Stabilitätspaktes.

Jetzt muss Rom den Brief bis Montag beantworten und erklären, wie der Haushalt finanziert werden soll.

Grundsätzlich will die Regierung auf ihrem Kurs beharren. Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria zwar sagte beim Treffen mit Moscovici, man beginne einen konstruktiven Dialog. In der Sache aber blieb er hart.

„Wir haben unterschiedliche Einschätzungen, und wir Italiener werden die Motive unserer Politik und unsere Wachstumsstrategie besser erklären“, versprach Tria. „Wir werden sehen, ob unsere Erwartungen erfüllt werden.“ Vizepremier und Legachef Matteo Salvini sagte: „Für Italien entscheiden die Italiener.“

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Marktexperten erinnert die Situation an das Krisenjahr 2011, als Italien kurz vor der Staatspleite stand. Im Fokus der Anleger stehen daher die Turbulenzen am italienischen Anleihenmarkt. Die Rendite der zehnjährigen Staatsbonds ist auf 3,75 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit mehr als vier Jahren.

Die Renditedifferenz (Spread) zu einer zehnjährigen deutschen Staatsanleihe hat zwischenzeitlich 345 Basispunkte erreicht, das höchste Niveau seit April 2013. „Ich bin besorgt über die Auswirkungen des hohen Risikoaufschlags auf die Wirtschaft“, kommentierte Antonio Patuelli, Präsident des italienischen Bankenverbands ABI.

Euro-Kurs fällt weiter

„Die Kombination aus steuersenkenden Rechts- und ausgabenfreudigen Linkspopulisten in Rom hat Italiens Anleihen wieder eine Dynamik beschert, die sehr an 2011 erinnert“, kommentiert Ulrich Leuchtmann, der die Devisenanalyse der Commerzbank leitet.

Damit spielt er auf die Euro-Krise an, eine Staats-, Banken- und Wirtschaftskrise ab dem Jahre 2010, die die Kapitalmärkte extrem belastete. Damals, auf dem Höhepunkt der Turbulenzen Ende 2011, lag die Rendite von zehnjährigen italienischen Staatsanleihen bei knapp sieben Prozent.

„Das Problem ist: Wenn die Renditen (für zehnjährige italienische Staatsanleihen) erst einmal ein Niveau erreichen, das die Schuldentragfähigkeit signifikant schlechter aussehen lässt, dann gibt’s kein Halten mehr“, meint der Experte. Wann dieser „Point of no Return“ für Italien überschritten werde, könne aber niemand genau sagen.

Im Gegensatz zur Euro-Krise im Jahr 2011, als der Wechselkurs relativ stabil blieb, könnte diesmal die Gemeinschaftswährung deutlich in Mitleidenschaft gezogen werden. „Anders als damals steht nun mit dem Dollar eine Währung zur Verfügung, für die es attraktive Zinsen gibt“, begründet Leuchtmann. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen liegt aktuell bei 3,17 Prozent. Der Euro-Kurs ist gegenüber dem Dollar bereits in den vergangen drei Wochen um mehr als drei Cent gefallen.

Angesichts der steigenden Renditen in Italien geht es um eine entscheidende Frage: Wie sehr verzögern diese Turbulenzen die geldpolitische Normalisierung, die die Europäische Zentralbank (EZB) bereits begonnen hat? Oder werden die Notenbanker gar in das alte Muster zurückfallen und ihr Anleihenkaufprogramm wieder aufleben lassen?

Bankaktien geben weiter nach

Ähnlich turbulent wie am Anleihemarkt geht es derzeit am italienischen Aktienmarkt zu. Am Donnerstag fiel der Auswahlindex FTSE MIB 1,9 Prozent ins Minus auf 19.087 Punkte, am Freitag geht es weiter abwärts – unter die Marke von 19.000 Zählern.

Zu den größten Verlierern zählten Finanzwerte. Die Banco BPM, nach Unicredit und Intesa Sanpaolo das drittgrößte Kreditinstitut des Landes, sackte allein am Donnerstag um weitere 5,7 Prozent ab und markierte am Freitag mit 1,67 Euro ein neues Allzeittief. Seit die Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega im Juni ihre Arbeit aufnahm, haben die Bankaktien bereits 37 Milliarden Euro an Wert verloren.

Nach dem Urteil der EU-Kommission droht der nächste schwarze Freitag für Italien: Ende des Monats erscheint das Länder-Ranking von Moody’s und Standard and Poor’s. Italien ist nur noch zwei Stufen über dem Ramschstatus.

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