MenüZurück
Wird geladen.

02.10.2018

16:45

An den Märkten wachsen die Sorgen mit Blick auf Italien. dapd

Droht eine neue Euro-Krise?

An den Märkten wachsen die Sorgen mit Blick auf Italien.

Italienische Anleihen

Weder die EU noch die Märkte trauen den Haushaltsvorgaben aus Rom

Von: Regina Krieger

Die Details ihres Haushaltsplans muss die italienische Regierung erst in zwei Wochen vorlegen. Doch die Rhetorik aus Rom treibt den Anleihenmarkt zu Rekorden.

RomFünf Tage sind vergangen, seit die italienische Koalitionsregierung von Lega und Bewegung Fünf Sterne ihre Haushalts-Eckdaten festgelegt hat. Die angekündigte Neuverschuldung von 2,4 Prozent für die kommenden drei Jahre war ein Schock für die EU-Partner und drückt seitdem immer mehr auf die Märkte – auch am Dienstag.

Nach den Turbulenzen der vergangenen Tage erreichte der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen, Spread genannt, am Dienstag ein Fünf-Jahres-Hoch und lag bei 297 Basispunkten.

Das ist zwar noch von den Rekordwerten um die 500 Basispunkte von 2011 entfernt, als Italien am Rande der Staatspleite stand. Damals trat Silvio Berlusconi als Ministerpräsident zurück, und Mario Monti übernahm mit einer Expertenregierung. Doch die Sorgen mit Blick auf Italien steigen.

Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen notierte so hoch wie seit 2014 nicht mehr. Und auch der Euro gab nach. An der Mailänder Börse, die ein Minus von 1,4 Prozent verzeichnete, verloren erneut vor allem die Bankaktien.

Dabei sind die Details des Haushaltsplans der Regierung noch immer nicht publik. Bis Mitte Oktober muss Rom die Zahlen nach Brüssel liefern.

Ratingagentur: Moody’s sieht bei erneuter Krise wenig Handlungsspielraum für Europa

Ratingagentur

Moody’s sieht bei erneuter Krise wenig Handlungsspielraum für Europa

Die Ratingagentur geht nicht davon aus, dass Europa eine weitere Krise bewältigen kann. Dafür seien einige Risiken mittlerweile zu groß.

Entscheidend für die anhaltende Nervosität an den Märkten sind zwei Motive: Zum einen ist es Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria nicht gelungen, beim Treffen der Eurogruppe am Montagabend die anderen Kollegen von den italienischen Budgetplänen zu überzeugen. Die Regierung will die Staatsverschuldung senken, indem sie Wachstum durch mehr Konsum fördert. Doch Details fehlen immer noch.

Und die teuren Wahlgeschenke wie Steuersenkungen und die Einführung eines Grundeinkommens müssen gegenfinanziert werden.

Die Regierung werde um keinen Millimeter von der Zahl der 2,4 Prozent abrücken, sagte Vizepremier Luigi Di Maio am Dienstag. Minister Tria verließ die Eurogruppensitzung in Luxemburg am Montagabend und schwänzte das Ecofin-Treffen am heutigen Dienstag. Normalerweise stellt die italienische Regierung ihre Finanzplanung, die Basis für den Haushalt, ausführlich in einer Pressekonferenz vor.

Das zweite Motiv für die Turbulenzen sind Aussagen von Regierungsvertretern in Rom, die sich als Abkehr vom Euro deuten lassen. Das Gespenst einer neuen Euro-Krise wurde angeheizt von den Worten von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Der Luxemburger hatte gesagt, es wäre das Ende des Euros, wenn Italien eine Sonderbehandlung erhalten würde.

Die teuren Wahlgeschenke in Italien wie Steuersenkungen und die Einführung eines Grundeinkommens müssen gegenfinanziert werden. dpa

Droht eine neue Euro-Krise?

Die teuren Wahlgeschenke in Italien wie Steuersenkungen und die Einführung eines Grundeinkommens müssen gegenfinanziert werden.

Der parteilose Tria widersprach zwar postwendend. Aber Lega-Politiker wie der Ökonom Claudio Borghi, der Vorsitzende des Haushalts-Ausschusses der römischen Abgeordnetenkammer und bekennender Euro-Gegner, heizten die Diskussion an. „Ich bin felsenfest davon überzeigt, dass Italien mit einer eigenen Währung viele Probleme lösen würde“, sagte er in einer Radiosendung am Morgen.

„Wenn wir aber tatsächlich auf Konfrontationskurs zur EU hätten gehen wollen, um das zu erreichen, hätten wir 3,1 Prozent als Defizit angegeben, nicht 2,4. In Wahrheit wollen wir nur die Wirtschaftspolitik machen, die im Moment notwendig ist, damit es unserer Wirtschaft ein bisschen besser geht.“

Analysten beobachten das Spektakel in Rom mit Skepsis. „Wir rechnen mit monatelangen genauen Prüfungen der italienischen Haushaltspläne durch die EU-Kommission und die Rating-Agenturen“, sagte Matteo Ramenghi, Chief Investment Officer für Italien bei UBS Global Wealth Management. Ende des Monats kommt das Urteil von Moody’s und Standard & Poor's – der Ramschstatus ist nicht mehr weit weg.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Helmut da Silva

03.10.2018, 11:48 Uhr

Die EU will eine sich selbst erfüllende Prophezeiung gegen Italien inszenieren. Das Land solange kaputt reden bis alle es glauben um dann sagen zu können wir hatten Recht. Einfach widerlich.
In Italien war die EU großzügig, solange Linke Regierungen immer mehr Schulden machten. Auch die Rettung der Banca Monte dei Paschi di Siena mit Staatsgeld von 8,8 Milliarden Euro, durch eine EU genehme italienische Regierung, verstieß Ende 2016 gegen die seit Anfang 2016 in Kraft getretene EU-Vereinbarung zur Bankenrettung. Diese Vereinbarung soll für eine geordnete Abwicklung maroder Banken sorgen . Die EU-Kommission hat für den Notfall mehr oder weniger unlimitierte Liquiditätshilfen für die italienischen Banken in den nächsten sechs Monaten genehmigt entgegen ihrer eigenen EU-Vereinbarung. "Egal wie die Umstände sind, wird der Zugang zu den Bankkonten jederzeit gesichert sein", heißt es in einer Erklärung.
Kaum ist eine nicht EU-Genehme rechtsverortete Regierung in Italien im Amt, wird mit harten EU-Bandagen gegen die neue italienische Regierung gekämpft.
Die Situation Italiens haben EU-Genehme oder linke italienische Regierungen verschuldet. Die neue rechtsverortete Regierung in Italien hat noch keinen Cent zu diesem Desaster beigetragen wird aber von der EU-Diktatur sofort bekämpft. Geht es hier überhaupt um das geplante Defizit Italiens das mit 2.4% deutlich unter der Maastricht Vorgabe von 3% liegt??
Frankreich liegt seit 2008 beim BIP-Defizit zwischen 3,2 und 6,8% und 2016 bei 3,4%, und die Staatsschulden Frankreichs lagen 2016 bei 96%, heute über 100%. Wann geht die EU gegen Frankreich vor??
Italien liegt also mit dem geplanten BIP-Defizit für 2019 von 2.4% deutlich unter dem was Frankreich 2016 auswies.
Hier soll eine Regierung gestürzt werden durch die EU-Diktatur, gleiches Spiel wie bei Silvio Berlusconi.
Die EU ist kein Deut besser als Russland oder China nur das Vorgehen ist subtiler.
Es gibt ein Problem in Europa und das heißt Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×