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14.06.2018

19:34 Uhr

Janus Capital

Bond-König Bill Gross vergrault die Investoren

VonAstrid Dörner

Die Italienkrise bescherte dem Anleihe-Manager Ende Mai deutliche Verluste. Die seien nun wieder wettgemacht, beteuert er. Doch Anleger sind skeptisch.

Der Pimco-Gründer versucht nun seinen zweiten Anlauf als Investor. Reuters

Bill Gross, Investor bei Janus

Der Pimco-Gründer versucht nun seinen zweiten Anlauf als Investor.

New YorkBill Gross hatte nicht viel Zeit, seine zweite Karriere zu planen. Im Herbst 2014 war klar, Pimco, der Fondsgesellschaft, die er selbst gegründet und später an die Allianz verkauft hatte, und zwar schnell. Also rief er einen alten Weggefährten an.

Dick Weil leitete einst das operative Geschäft von Pimco, seine Frau hatte eine Zeit lang als Assistentin für Gross gearbeitet. Nun war Weil Chef des deutlich kleineren Vermögensverwalters Janus Capital und fand sofort einen Platz für einen der bekanntesten Anleihe-Investoren der Welt.

Seit knapp vier Jahren nun setzt der 74-jährige Gross alles daran, seinen zweite Anlauf als Investor ebenso erfolgreich zu machen wie bei Pimco. Doch das ist schwieriger, als er erwartet hatte.

Sein neuer Fonds, der Global Unconstrained Bond Fund, musste Ende Mai einen heftigen Einbruch melden. Um gut drei Prozent war der Fonds an dem Tag gefallen. Die Turbulenzen in Italien hatten den einstigen Starinvestor kalt erwischt, wie er später einräumte.

Nun jedoch habe sich der Fonds von dem schwärzesten Tag seiner Geschichte erholt, betonte Gross am Mittwoch im Börsensender CNBC. „Der Fonds hat in den vergangenen Wochen 2,5 Prozent zugelegt.“

An seiner Strategie, die ihm die heftigen Verluste eingebracht hatte, hält Gross jedoch weiter fest. Der Investor setzt auf fallende Kurse von Bundesanleihen und auf steigende Kurse von amerikanischen Staatsanleihen. Er spekuliert darauf, dass sich die Zinsdifferenz der beiden Papiere verringern wird, denn steigende Kurse bei Anleihen führen zu sinkenden Renditen und umgekehrt.

Derzeit liegt die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere bei rund 0,5 Prozent und die der Treasuries, des US-amerikanischen Pendants, bei rund drei Prozent. „Irgendwann, hoffentlich bald, wird sich dieser Abstand verringern“, ist sich Gross sicher. Für ihn sei das „das Handelsgeschäft des Jahrhunderts“, er räumte aber ein, dass es kurzfristig zu Volatilitäten kommen könnte – so wie Ende Mai.

Wegen der turbulenten Regierungsbildung in Italien waren sowohl deutsche als auch amerikanische Anleihen gefragt, die Rendite der Treasuries fiel auf gut 2,8 Prozent, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen rutschte auf rund 0,2 Prozent. Und die Differenz stieg, anstatt sich zu verringern. Zwar hatte Gross nicht in italienische Papiere investiert. „Doch Italien wirkt sich auf die Bundesanleihen aus. Denn wenn Italien am Ende entscheidet, die EU zu verlassen, wird das schwere Konsequenzen haben“, gab Gross zu bedenken.

Der starke Kursrutsch brachte dem einstigen Anleihekönig Häme ein. Ein Minus von drei Prozent ist zwar in der Aktienwelt verschmerzbar, doch Anleihefonds sind auf Stabilität angelegt und gelten als deutlich sicherer, mit wenig Ausschlägen nach unten und oben.

„Drei Prozent an einem Tag zu verlieren ist ein verdammtes Desaster“, ätzte Hedgefonds-Manager Douglas Kass von Seabreeze Partners Management auf Twitter. Todd Rosenbluth vom Analysehaus CFRA wies Ende Mai darauf hin, dass riskante Wetten, die nicht aufgehen, potenzielle Investoren abschrecken könnten.

Das hat auch Gross zu spüren bekommen. Investoren haben im vergangenen Monat 300 Millionen Dollar aus seinem Fonds abgezogen, wie aus Zahlen des Analysehauses Morningstar hervorgeht. Dabei könnte Gross eigentlich Mittelzuflüsse gut gebrauchen.

Gut zwei Milliarden Dollar ist sein neuer Fonds schwer und ist damit winzig im Vergleich zum Total Return, der zu den besten Zeiten unter Gross auf 293 Milliarden Dollar wuchs – dem weltweit größten seiner Art. Der Großteil der zwei Milliarden stammt zudem aus Gross’ eigener Tasche. Dass er durch seine Scheidung abgelenkt gewesen sei und die Entwicklungen in Europa deshalb verpasst habe, wie es ein Artikel in der „New York Times“ suggerierte, weist Gross als „lächerlich“ zurück.

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Der Pimco-Mitgründer wollte mit dem Unconstrained Bond Fund endlich wieder ungestört investieren können, befreit vom Management des damals zwei Billionen Dollar schweren Bond-Hauses und mit einem kleineren Fonds, mit dem er bei großen Entscheidungen nicht mehr Gefahr lief, die Märkte zu bewegen.

Doch die neuen Freiheiten haben den alten Erfolg nicht nachhaltig zurückgebracht. Der „Bill-Gross-Effekt“, den Weil kurz nach dem Einstieg seines früheren Chefs für Janus gesehen hatte, ist verpufft. Janus ist mittlerweile mit dem britischen Konkurrenten Henderson verschmolzen.

Gross, dessen Vermögen auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, könnte es sich durchaus leisten, einfach in Rente zu gehen. Doch der drahtige Mann mit der rauchigen Stimme will nicht ruhen, er will es sich und seinen ehemaligen Pimco-Kollegen noch einmal beweisen.

Er lehnt es ab, in die Janus-Zentrale nach Denver in Colorado zu ziehen, und hat sich stattdessen im kalifornischen Newport Beach ein Büro gesucht, von dem er direkt auf sein altes Unternehmen blicken kann. „Wie mein Abend ist, hängt davon ab, ob ich am Tag besser war als sie“, sagte er 2016 über die alten Kollegen im Interview mit der „New York Times“.

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Es waren dramatische Monate im Herbst 2014. In der Nacht zum 26. September hinterließ er eine schlichte, handschriftliche Kündigung. Er hatte offenbar von Plänen der Allianz erfahren, ihn als Investmentchef zu ersetzen, und wollte dem zuvorkommen.

Gross verklagte später die Firma, die er mitgegründet und zum größten Anleihe-Investor der Welt gemacht hatte. Erst 2017 einigten sich die Partien außergerichtlich. Bekannt ist nur, dass Gross die 80 Millionen Dollar Entschädigung für einen gemeinnützigen Zweck gespendet hat.

In der Pimco-Zentrale hatte sich Gross noch verewigt. Im sogenannten Founders Room, einem Konferenzsaal mit Blick zum Meer, hängt sein Porträt neben dem der anderen Firmengründer. Es ist eine Erinnerung an bessere Zeiten.

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