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27.07.2019

12:26

Milliardenübernahme

LSE bestätigt Verhandlungsgespräche mit Refinitiv über Zusammenschluss

Die Londoner Börse verhandelt mit dem Finanzdatenanbieter Refinitiv über einen Zusammenschluss – und verhindert damit wohl die Teilübernahme durch die Deutsche Börse.

Insider berichten, dass die Börse mit dem Finanzdienstleister Refinitiv fusionieren will. dpa

London Stock Exchange

Insider berichten, dass die Börse mit dem Finanzdienstleister Refinitiv fusionieren will.

London/New York Die Londoner Börse will für 27 Milliarden Dollar den Finanzdatenanbieter Refinitiv übernehmen und damit unabhängiger vom schwankungsanfälligen Handelsgeschäft werden. Die Verhandlungen dazu seien im Gange, teilte die London Stock Exchange (LSE) am Samstag mit. Den Kauf, der auch die Refinitiv-Schulden einschließe, wolle sie mit neuen LSE-Aktien abwickeln. Ob es zu einem Abschluss komme, sei aber noch ungewiss.

Der Vorstoß durchkreuzt auch die Pläne der Deutschen Börse für einen Kauf einer Refinitiv-Devisenhandelsplattform. Sie geht nun nicht mehr von einem erfolgreichen Abschluss ihrer seit Monaten laufenden Verhandlungen aus.

Refinitiv ist die ehemalige Finanzmarktsparte des kanadischen Informationskonzerns Thomson Reuters, die 2018 mehrheitlich vom US-Investor Blackstone übernommen worden war. Basierend auf der damaligen Bewertung von 20 Milliarden Dollar würde Blackstone einem Insider zufolge bei einem Zustandekommen des Geschäfts seine ursprüngliche Investition in weniger als einem Jahr in etwa verdoppeln.

Eine Übernahme würde die Position der LSE als Informationsdienstleister stärken. Dieses Geschäft hat der Börsenbetreiber vorangetrieben, weil es konstantere Einnahmen verspricht als das Handelsgeschäft. Zudem könnte sich das Londoner Unternehmen besser gegen die Folgen eines ungeregelten Austritts der Briten aus der EU wappnen.

Der Kauf würde auch die Refinitiv-Schulden von zuletzt rund zwölf Milliarden Dollar umfassen, die aus der größtenteils schuldenfinanzierten Übernahme durch Blackstone resultieren. Einem Insider zufolge könnte schon in der neuen Woche eine Einigung erzielt werden.

Der Verkauf der Thomson-Reuters-Finanzmarktsparte an Blackstone wurde im Oktober abgeschlossen. 45 Prozent des in Refinitiv umfirmierten Geschäfts sind noch im Besitz des Daten- und Nachrichtenanbieters Thomson Reuters, dem Mutterkonzern der Nachrichtenagentur Reuters. Refinitiv hat nach eigenen Angaben mehr als 40.000 Kunden in über 190 Ländern.

Die Eikon Terminals von Refinitiv sind das größte konkurrierende System zu den Bloomberg Terminals auf den weltweiten Finanzmärkten. Thomson Reuters übernahm damals rund 13,5 Milliarden US-Dollar der Schulden von Refinitiv. Ausgehend davon und in Verbindung mit der neuen Bewertung von 27 Milliarden US-Dollar müsste die LSE entsprechend 13,5 Milliarden Dollar in neuen Anteilen ausgeben. Das wäre eine der größten Kapitalerhöhungen an der Londoner Börse seit Jahren.

Den Plänen der Londoner Börse zufolge würden die bisher an Refinitiv beteiligten Unternehmen zu LSE-Aktionären. Dafür erhalten sie einen Anteil von rund 37 Prozent und Stimmrechte von unter 30 Prozent. Thomson Reuters bestätigte die Verhandlungen. Sollte es zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, würde man einen Anteil von 15 Prozent an der LSE besitzen, erklärte der Konzern.

Der Vertrag über die Nachrichten-Lieferung an Refinitiv mit einer Laufzeit von 30 Jahren bliebe gültig. Refinitiv war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Blackstone wollte sich nicht äußern. Die Thomson-Reuters-Aktien stiegen nach einem ersten Bericht der „Financial Times“ über die Pläne am Freitagabend auf ein Rekordhoch. Die LSE schloss am Freitag mit einer Marktkapitalisierung von 21,4 Milliarden Euro und einer Nettoverschuldung von 1,1 Milliarden Euro.

Unter der Blackstone-Führung hatte sich Refinitiv bereits von einigen Randgeschäften getrennt. Zuletzt gab es laut Insidern auch Gespräche über einen Verkauf der Devisenhandelsplattform FXall an die Deutsche Börse, die entsprechende Meldungen bestätigte. Die Deutsche Börse gab am Samstag in einer Adhoc-Mitteilung bekannt, dass sie nicht mehr weiter von einem erfolgreichen Abschluss ausgehe.

Verhandlungen über eine Fusion von LSE und Deutsche Börse sind bereits mehrfach gescheitert. Die LSE betreibt auch die Mailänder Börse, die italienische Anleihen-Plattform MTS und die Handelsplattform Turquoise. Zudem dominiert sie mit ihrer Tochter LCH das milliardenschwere Geschäft mit der Abwicklung von Euro-Derivaten.

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