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06.12.2018

12:49

Nikkei, Topix, Shanghai Composite

„Huawei-Schock“ belastet Asiens Börsen

Von: Martin Kölling, Astrid Dörner

Die Börsen in Asien haben am Donnerstag im Minus geschlossen. Besonders die Verhaftung einer Huawei-Managerin sorgte für Unruhe.

Vor einem Börsenvideofenster in Tokio AP

Japan

Vor einem Börsenvideofenster in Tokio

TokioAsiens Börsen standen am Mittwoch nach dem Kursrutsch in den USA nur moderat unter Druck. Sowohl in Japan als auch in Korea und China startete der Handel zwar deutlich im Minus. Die Verluste waren aber geringer als in den USA, wo der Dow-Jones-Index am Dienstag 3,1 Prozent verloren hat. Offenbar linderten gelassene Analysten-Kommentare die Sorge um die US-Konjunktur und die Unsicherheit über den Handelskrieg zwischen China und den USA.

Auch ein Tweet von Donald Trump, der China am späten Dienstagabend (Ortszeit) trotz des jüngsten Waffenstillstands „größere Zölle“ ankündigte, beeindruckte die Anleger kaum. Der US-Präsident drohte erneut mit Zöllen, sollte es nicht zu einer umfangreichen Handelsvereinbarung kommen.

In China lag der Shanghai Composite Index über 1,6 Prozent tiefer. Auch der koreanische Kospi-Index verlor 1,5 Prozent. Noch stärker sank die Hongkonger Börse: Der Hangseng-Index ging knapp 2,5 Prozent aus dem Rennen.

Japans Aktien wurden in Asien am härtesten von der Verhaftung der Huawei-Finanzchefin getroffen. Der Nikkei-225-Index sank zwischenzeitlich fast drei Prozent, bevor er sich kurz vor Handelsschluss wieder etwas erholte. Der Schlussstand lag letztlich mit 21.501 Yen immer noch 1,9 Prozent unter dem Vortag. Der breiter gewichtete Topix verlor 1,8 Prozent.

Die Wirtschaftszeitung Nikkei nannte den Fall „den Huawei-Schock“. Ausländische Hedgefonds, die sich zum US-China-Gipfel am vorigen Wochenende eingekauft hätten, würden verkaufen, erklärt ein Händler den Verlust. Und ein Stratege ergänzt, dass es mit der neuen Unsicherheit im US-chinesischen Handelskonflikt und dem Chaos um den Brexit in Europa nur Verkaufssignale, aber keine positiven Nachrichten gegeben habe.

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Im Frühhandel erreichte der Dax ein neues Jahrestief, in der Folge wurden die Verluste immer größer. Die Hoffnungen auf eine Jahresendrally sind damit gestorben.

So verloren viele Firmen an Wert, die am China-Geschäft verdienen. Der Baumaschinenhersteller Komatsu ging 3,9 Prozent unter dem Vortag aus dem Handel, der Roboterhersteller Yaskawa verlor 5,3 Prozent. Allerdings sanken Yaskawas Rivalen Fanuc und Kawasaki Heavy weniger als der Nikkei.

Besonders sorgen sich die Japaner um die globale Lieferkette im Hightech-Bereich. Denn Japan verdient als Ausrüster und Zulieferer von chinesischen Firmen an deren Handel mit den USA mit. Die Aktien von Firmen der Halbleiterindustrie wie Sumco, Advantest und Tokyo Electron verloren zeitweise sechs bis acht Prozent an Wert.

Auch der Kurs des Technikinvestors Softbank sackte zwischenzeitlich sechs Prozent ab und ging mit einem Minus von 4,9 Prozent aus dem Handel. Denn Softbanks japanische Mobilfunktochter, die am 19. Dezember einen der größten Börsengänge der Welt aufs Parkett legen soll, nutzt sehr viele Huawei-Anlagen und hat sich für den Start der neuen 5G-Netze noch stärker mit den Chinesen eingelassen.

Doch es gab auch Nutznießer der Huawei-Krise. Der Aktienkurs des japanischen Huawei-Rivalen NEC legte um 1,5 Prozent zu. Die Japaner hatten sich kürzlich mit dem südkoreanischen Elektronikriesen Samsung Electronics verbündet, um global als Ausrüster für 5G-Netze in die Spitze aufsteigen. Und sie hoffen, in die Lücke zu stoßen, die Verbannung des chinesischen Konkurrenten aus Netzen in den USA, Großbritannien und Australien hinterlässt. 

Analysten geben sich trotzt der Schwankungen gelassen: Die Märkte reagierten immer nervöser auf den Anstieg der kurzfristigen Zinsen in den USA, kommentierte Sean Darby, Chefstratege von Jefferies, den jüngsten US-Kursrutsch. Für seinen Geschmack seien die Anleger aber zu nervös. Denn die Zinsen liegen noch nicht über denen der langfristige Anleihen, was als Zeichen einer kommenden Konjunkturschwäche interpretiert wird. Die Zinskurve habe sich also noch nicht umgekehrt „und es gibt keine Zeichen für eine finanzielle Notlage.“

Matt Maley, Aktienstratege bei Miller Tabak, glaubt sogar, dass die Märkte schon Ende der Woche wieder steigen könnten. Dann werden Daten für den US-Arbeitsmarkt veröffentlicht. „Sollten sie die Erwartungen erfüllen oder gar übertreffen, kann es eine große Bewegung in die andere Richtung geben.“

Bei den Einzelwerten in China ging es darüber hinaus vor allem für den chinesischen Daimler-Partner BAIC kräftig bergab. Die Aktien sind nach einem Bericht über eine mögliche höhere Beteiligung der Deutschen unter Druck geraten. Sie notierten am Mittwoch zeitweise 13,5 Prozent schwächer. Seit Jahresbeginn haben sie mehr als die Hälfte an Wert verloren.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Dienstag unter Berufung auf Insider berichtet, Daimler sei daran interessiert, seinen Anteil am Joint Venture Beijing Benz Automotive (BBAC) von 49 auf mindestens 65 Prozent zu erhöhen. Die Gespräche seien noch in einem frühen Stadium. Der Dax-Konzern erklärte, er wolle sich zu Spekulationen nicht äußern und bekräftigte, mit der bestehenden Partnerschaft zufrieden zu sein.

Als Grund gilt die Sorge, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen langsamer anheben könnte als bisher angenommen. Dies könnte die Bank von Japan noch länger von einer Straffung ihrer ultralockeren Geldpolitik abhalten. In Japan liegen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen mit 0,055 Prozent weiterhin nahe null Prozent. Und die seit zwei Jahrzehnten andauernde Nullzinspolitik drückt die Gewinne der Versicherer und der Banken im Kreditgeschäft.

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