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19.09.2019

20:36

Profi-Anlageempfehlung

Keine Angst vor einem No-Deal-Brexit!

Von: Ken Fisher

Wird der Brexit noch einmal verschoben, so fördert dies die Unsicherheit der Unternehmen. Der Vorteil eines No-Deal-Brexit ist: Er bringt Klarheit.

Je schneller der Brexit kommt, desto eher schwindet die Unsicherheit. Reuters

Demonstrantin mit britischer Flagge

Je schneller der Brexit kommt, desto eher schwindet die Unsicherheit.

Ein wesentlicher Bremsfaktor für die deutsche Konjunktur lässt sich ganz einfach beseitigen: durch Fortschritte mit dem Brexit, ob er nun hart, weich oder ohne Deal passiert.

Der Einbruch des Handels mit Großbritannien ist ein Hauptgrund für den Rückgang der Exporte und des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal. Auch die Abschwächung in China und die Probleme der Autobauer belasten. Doch diese sind nicht leicht zu beheben. Der Brexit schon. Je schneller er kommt, desto eher schwindet die Unsicherheit.

Dieses Argument habe ich schon in meiner Kolumne Ende 2018 angeführt. Seitdem zeigen die Daten, dass das Herumeiern und Verzögern rund um den Brexit schadet. Als die Briten im Frühjahr noch von einem wahrscheinlichen No-Deal-Brexit am 29. März ausgingen, weiteten sie rasch ihre Warenlager aus. Produktionsbetriebe bauten massive Lagerbestände auf, Privathaushalte häuften lange haltbare Lebensmittel und Medikamente an. Das trieb das britische BIP nach oben und nutzte auch Deutschland, weil Aufträge vorgezogen wurden. Im Februar nahmen die Lieferungen auf die Insel um knapp acht Prozent ab gegenüber dem Vorjahr, im März um gut zehn Prozent.

Aber dann schoben die Politiker den Brexit auf Oktober, die Lagerbestände verloren ihren Zweck. Die Exporte brachen im April um gut ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr weg, sackten im Mai um 7,5 Prozent und im Juni um gut 14 Prozent. Firmen arbeiteten ihre Bestände ab. Auch die Aktivitäten in den britischen Fabriken gingen zurück und zogen das dortige BIP im Frühsommer nach unten.

Und nun debattieren die Briten wieder über den Brexit, das aktuelle Ziel ist Halloween. Der Premierminister möchte ihn dann vollziehen, egal wie. Die meisten Abgeordneten wollen das nicht. Sie versuchen, eine Verschiebung zu erzwingen. Der Premierminister dagegen will Neuwahlen erreichen. Klarheit hat niemand.

Das ist problematisch. Unternehmen können nicht einmal Interimspläne umsetzen, während die Politiker weiterhin für Unentschiedenheit sorgen. Was passiert bei einer Verschiebung um drei Monate oder mehr? Kein Firmenchef bei klarem Verstand würde eine langfristige Investition tätigen. Es würden nur weiter Waren gehortet werden. Das hilft weder Großbritannien noch Deutschland. Großbritannien ist Deutschlands fünftgrößter Exportmarkt. Ein florierendes Großbritannien stärkt den Mittelstand und die deutschen Großkonzerne gleichermaßen.

Hoffen wir also, dass es mit dem Brexit vorangeht und die Unsicherheit, die auch den Aktienkursen schadet, beendet wird. Fürchten Sie sich nicht vor einem No-Deal-Brexit. Begrüßen Sie vielmehr die Klarheit, die er brächte.

Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

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