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03.06.2019

17:48

Rocket-Internet-Tochter

Online-Modehändler wagt Börsengang

Von: Robert Landgraf

Die Global Fashion Group will bei ihrem Gang aufs Parkett 300 Millionen Euro einsammeln. Mit dem Geld will die Rocket-Beteiligung weiter wachsen.

Rocket Internet: Global Fashion Group will an die Börse Reuters

Rocket Internet

Die Investmentfirma hat die Global Fashion Group mitgegründet.

Frankfurt Der Online-Modehändler Global Fashion Group lässt sich nicht schrecken von der angeschlagenen Börsenstimmung wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China: Das Unternehmen wagt den Gang in das Top-Segment Prime Standard der Börse Frankfurt. Einschließlich Platzierungsreserve plant der Online-Händler, der mehrheitlich dem schwedischen Finanzinvestor Kinnevik und der Start-up-Schmiede Rocket Internet der Samwer-Brüder gehört, bis zu 345 Millionen Euro über die Ausgabe neuer Aktien einzunehmen.

Mit dem Geld wollen die Luxemburger ihre weitere Expansion finanzieren, um die „Position als führender Online-Einzelhändler für Mode und Lifestyle in den Wachstumsmärkten zu festigen“, wie die Ko-Vorstandschefs Christoph Barchewitz und Patrick Schmidt betonen.

In diesem Jahr verlief das Geschäft mit Börsengängen bisher mau. Lediglich die Firma für Kommunikationssysteme Frequentis hatte den Sprung auf das Frankfurt Parkett gewagt, allerdings ins zweitklassige Segment General Standard. Und bereits am ersten Handelstag war die Aktie unter den Ausgabekurs von 18 Euro gerutscht. Derzeit liegt die Aktie bei 17,80 Euro. Finanzkreise meinen allerdings, dass die Konsortialbanken aktuell Kurspflege über die Platzierungsreserve betreiben und die Aktie stützen würden.

Dagegen musste der dänische Arzneimittel-Importeur Abacus Medicine seine Aktien-Neuemission zum zweiten Mal absagen, nachdem der erste Versuch bereits Ende Oktober vergangenen Jahres gescheitert war. Das 2004 gegründete Unternehmen begründete den Rückzug mit dem aktuell ungünstigen Marktumfeld. Die Firma hat sich auf den Parallelimport teurer verschreibungspflichtiger Arzneimittel spezialisiert.

Die 2011 gegründete Global Fashion Group beliefert den Raum Asien-Pazifik und erreichte im vergangenen Jahr 11,2 Millionen Kunden. Der Umsatz des Online-Modehändlers wuchs zwischen 2016 und 2018 von 887 Millionen auf 1156 Millionen Euro, wie der Konzern mitteilt. 2018 belief sich die operative Marge auf minus 4,3 Prozent. Für das laufende Jahr peilt der Vorstand einen Umsatzanstieg auf 1,3 Milliarden Euro an und will sich der Ertragswende nähern.

In der Global Fashion Group sind 2014 Zalando-Ableger zusammengefasst worden, wie Finanzkreise betonen. Dazu zählten etwa Dafiti aus Lateinamerika, Jabong aus Indien, Lamoda aus Russland und Zalora aus Südostasien und Australien. Hinter Zalando stehen ebenfalls Kinnevik und Rocket Internet. Der Wert des Börsenkandidaten wird im Quartalsbericht von Kinnevik auf eine Milliarde Euro beziffert. Das sei konservativ bewertet, betonen Finanzkreise. Berenberg Bank, Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten federführend die Aktienemission.

Die Bilanz der sechs Börsengänge aus dem Reich der Samwer-Brüder fällt überwiegend stark negativ aus. Die beiden schwächsten Börsengänge von Tochtergesellschaften aus dem Imperium von Rocket Internet, dem Nukleus für die Geschäftsaktivitäten von Marc, Oliver und Alexander Samwer, stammen aus dem vergangenen Jahr: Mit den Unternehmen Home 24 und Westwing brachten sie zwei Online-Möbelhändler an die Börse.

Wer in die beiden Unternehmen investierte, wurde schwer enttäuscht: Im Vergleich zum Ausgabekurs verlor Home 24 fast 83 Prozent, bei Westwing sieht es mit gut 69 Prozent nicht viel besser aus. Zu den verlustreichen Neuemissionen zählten auch Rocket Internet selbst und Hello Fresh. Dagegen konnten Anleger mit Zalando einen satten Gewinn von über 63 Prozent erzielen. Und bei Delivery Hero legte der Kurs über die Hälfte gegenüber dem Emissionspreis zu.

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