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11.04.2019

20:00

Schlechte Gewinnprognosen

US-Bilanzsaison beginnt – Steigt die Gefahr für die Aktienmärkte?

Von: Katharina Kort, Astrid Dörner, Andrea Cünnen

In den USA beginnt die Bilanzsaison – und die Firmengewinne dürften zum ersten Mal seit 2016 fallen. Investoren stellen sich nun unbequeme Fragen.

Werden die Unternehmensgewinne langfristig zurückgehen? Reuters

Broker an der Wall Street

Werden die Unternehmensgewinne langfristig zurückgehen?

Frankfurt, New YorkDer Anfang vom Ende oder nur ein einmaliger Ausrutscher? Diese Frage stellen sich die Investoren, wenn am Freitag die Ergebnissaison in den USA mit den Großbanken JP Morgan und Wells Fargo in Fahrt kommt. Nach Jahren der stetig wachsenden Gewinne wird bei den US-Unternehmen im ersten Quartal zum ersten Mal seit dem Jahr 2016 ein Rückgang erwartet. Aber sind die Zeiten kontinuierlich zunehmender Profite auch längerfristig vorbei?

Eigentlich herrscht derzeit noch Hochstimmung bei den Anlegern: Nach einem schwierigen Jahr 2018 hat der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 seit Jahresanfang rund 15 Prozent zugelegt. Der Einbruch der Aktienmärkte aus dem vierten Quartal des vergangenen Jahres, er scheint fast vergessen.

Das erste Quartal mit einem Plus von 13 Prozent war der beste Jahresstart seit 1998. Seine Verluste von 14 Prozent von Oktober bis Dezember 2018 hat der US-Leitindex inzwischen mehr als wettgemacht: Mit mehr als 2 890 Punkten am Donnerstagmorgen steuert er auf sein im September 2018 erreichtes Rekordhoch von 2941 Punkten zu.

Doch vielen Strategen wird angesichts des neuerlichen Höhenflugs der US-Aktienmärkte mulmig zumute. Sie fürchten Rückschläge, wenn in den nächsten Wochen der Realitätscheck ansteht: Die US-Unternehmen öffnen ihre Bücher und geben Einblicke in das erste Quartal.

Realitätscheck Quartalsergebnisse

„Damit steht die Überprüfung an, ob die Fundamentaldaten die starken Kursgewinne seit Jahresbeginn mittragen oder ob sich die Aktienmärkte zunehmend von der Realwirtschaft lösen“, meint Christian Kahler, Aktienstratege bei der DZ Bank. Bereits im Vorfeld haben Unternehmen und Analysten ihre Ausblicke für die Gewinne deutlich nach unten geschraubt. Im Schnitt erwarten sie für die ersten drei Monate des Jahres einen Rückgang.

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Das wäre das erste Mal seit dem zweiten Quartal 2016. Die Parallelen sind frappierend: Damals wie jetzt sind es Ängste vor einer globalen Wirtschaftsabschwächung und die Sorgen über die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft, die die Aussichten trüben.
Was passiert, wenn die Unternehmen fürs erste Quartal tatsächlich Zahlen vorlegen, die unter denen des Vorjahres liegen?

Werden sich die Investoren von niedrigeren Gewinnen abschrecken lassen und die Kurse wieder nach unten schicken – oder bleibt der typisch amerikanische Optimismus erhalten? Im Durchschnitt rechnen die Analysten laut Finanzdatendienst Refinitiv damit, dass die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,5 Prozent sinken, um dann im zweiten Quartal wieder 2,8 Prozent zulegen.

Rückgang auch im Energie-Sektor

Die Anleger könnten also beruhigt sein, weil der Rückgang nicht lange anhält – so die These der Optimisten. Aber es gibt auch warnende Stimmen. Sie meinen, dass die Wall Street die Lage derzeit allzu positiv einschätzt. Der Chef-Aktienstratege von Morgan Stanley, Michael Wilson, etwa rechnet damit, dass das erste Quartal erst der Anfang ist. Er rechnet mit zwei oder mehr Quartalen mit rückläufigen oder flachen Gewinnen.

„Den größten Dämpfer für Gewinne erwarten wir von den Technologie-Firmen“, schreibt Wilson. Insgesamt würden die Gewinne in der Branche um mehr als zehn Prozent zurückgehen, im Bereich Halbleiter und Hardware sogar um je 24 Prozent und 16 Prozent, prognostiziert er. Aber auch im Energie-Sektor werden die Gewinne nach den Berechnungen von Morgan Stanley um mehr als 20 Prozent sinken.

Nach Ansicht der Analysten von Bank of America Merrill Lynch ist die Größe der Unternehmen entscheidend. „Während die Großen wahrscheinlich eine ‚Gewinn-Rezession‘ vermeiden können, können das die Kleinen nicht“, schreiben die Analysten. Mit einer Gewinn-Rezession sind zwei Quartale hintereinander mit sinkenden Ergebnissen gemeint. Die Analysten von Bank of America rechnen damit, dass die Gewinne bei den kleineren Unternehmen zweistellig zurückgehen.

Für den Aktienmarkt werde entscheidend sein, was das Management der Unternehmen über die kommenden Quartale zu sagen hat. „Die Ausblicke der Manager werden in dieser Gewinnsaison die Impulse für den Markt geben“, sind die Experten von Bank of America Merrill Lynch überzeugt.

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Insgesamt haben in den vergangenen Wochen und Monaten auch Hoffnungen auf ein Handelsabkommen mit China den Markt befeuert. Aber nach Ansicht von Oliver Pursche, Chefstratege von Bruderman Asset Management, ist irgendeine Art von Einigung in den Kursen bereits berücksichtigt. „Unternehmensgewinne und Wirtschaftsdaten“ seien viel entscheidender für den Markt.

„Fast das gesamte Gewinnwachstum ist auf das Ende des Jahres vertagt“, moniert auch Emily Roland, die die Kapitalmarktanalyse für John Hancock leitet. „Wir brauchen positive Überraschungen bei den Ergebnissen, um den Motor der starken Märkte weiter am Laufen zu halten.“

„Der US-Aktienmarkt ist anfällig für eine Korrektur“, heißt es auch beim Schweizer Vermögensverwalter Pictet Asset Management. Der US-Markt sei schon wieder teuer geworden, und die Gewinnmargen der Unternehmen dürften weiter sinken. Ein Grund dafür sind die steigenden Lohnkosten. Laut einer Umfrage des Wirtschaftsverbands National Association for Business Economics berichten fast zwei Drittel der US-Unternehmen über steigende Lohnkosten.

Für die Fondsgesellschaft DWS ist an den Börsen in den nächsten Wochen auch deshalb Vorsicht geboten, weil die Unternehmen rund um die Quartalszahlen keine eigenen Aktien zurückkaufen dürfen. Im vergangenen Jahr haben US-Firmen eigene Aktien im Rekordvolumen von rund einer Billion Dollar zurückgekauft. Grund dafür waren die steuerlichen Anreize der Regierung, im Ausland geparkte Gewinne zurückzuholen.

Dieses Geld haben die Unternehmen nur teilweise für Investitionen genutzt und größtenteils in eigene Aktien gesteckt. Damit haben sie das Angebot der Aktien verknappt und so den Kurs künstlich nach oben getrieben. Wenn die US-Firmen als Käufer kurzzeitig ausfallen, fehlt eine wichtige Stütze am Markt.

Schwerer Start ins Jahr für Banken

Die Aussichten für den Rest des Jahres sind nicht gerade rosig: Die globale Wirtschaft hat sich deutlich abgekühlt, und die US-Konjunktur hat mindestens einen Gang zurückgeschaltet. Positiv ist dagegen, dass sich die Frühindikatoren wie der nationale Einkaufsmanagerindex in den USA und der in China verbessert haben.

Daher fürchtet die Mehrheit der Analysten zumindest keine Gewinnrezession der US-Unternehmen für das gesamte Jahr. Sie erwarten für das Gesamtjahr ein Gewinnwachstum von 3,3 Prozent. Das wäre zwar nur ein Bruchteil des Gewinnwachstums von mehr als 20 Prozent aus dem Jahr 2018, von dem die Unternehmen mindestens die Hälfte den Steuergeschenken von US-Präsident Donald Trump verdanken. Aber zumindest würde ein Verlust über mehrere Quartale hinweg vermieden.

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Den Beginn der Ergebnissaison machen in den USA traditionell die Banken. An diesem Freitag legen die größte US-Bank JP Morgan und das Geldhaus Wells Fargo Zahlen vor. Am Montag sind Goldman Sachs und Citigroup an der Reihe, und am Dienstag kommt Morgan Stanley. Für die Investoren stehen bei den Banken die sinkenden Gewinne und die Politik der Notenbank Fed im Mittelpunkt.

Traditionell ist das erste Quartal eigentlich das stärkste für die Banken. Doch diesmal hatten die großen US-Geldhäuser einen schwierigen Start ins neue Jahr. Die Rally an den Aktienmärkten hat zwar vieles überdeckt. Aber Ende März invertierte ein wichtiger Bereich der Zinskurve zum ersten Mal seit 2007.

Das heißt: Anleger erhielten höhere Renditen für Staatsanleihen mit dreimonatiger Laufzeit als auf Papiere mit zehnjähriger Laufzeit. Das ist schlecht für die Margen der Banken im Kreditgeschäft und gilt als Warnsignal für eine mögliche Rezession. Auch die zuletzt sanftere Zinspolitik der Fed wird genau beobachtet. Die US-Notenbank kündete an, die Zinsen bis auf Weiteres auf dem derzeitigen Niveau von 2,25 bis 2,5 Prozent zu lassen, vielleicht sogar bis ins nächste Jahr.

Selbst eine Zinssenkung halten die Anleger für möglich. Das drückt zwar auf die Zinsmargen bei den Banken. Andererseits könnte die Fed damit eine mögliche Rezession noch etwas weiter hinausschieben – und das wäre gut für den Aktienmarkt. Außerdem würden auch die Banken unter einer Rezession leiden, wenn Kunden ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können.

Analysten schrauben Erwartungen zurück

Analysten haben ihre Erwartungen für die Bankergebnisse im ersten Quartal längst heruntergeschraubt. Lediglich Bank of America, Citigroup und Wells Fargo könnten die Gewinne vom ersten Quartal 2018 überbieten, glauben die Analysten von Factset. JP Morgan Chase, Goldman und Morgan Stanley würde das nicht gelingen.

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Brian Kleinhanzl von Keef, Bruyette & Woods (KBW) glaubt nicht, dass bei den Aktien der Großbanken noch Luft nach oben ist. Sie „haben es immer noch mit einer flachen Zinskurve und einer verlangsamten Konjunktur zu tun“ schreibt er. Die Großbanken haben wie andere US-Konzerne im vergangenen Jahr auch von den Steuersenkungen der US-Regierung profitiert. Damit sind die Vergleichsquartale schwerer zu schlagen.

Außerdem waren wohl die Handelsumsätze im ersten Quartal schwach, was auch an dem Shutdown – dem Ausgabenstopp der US-Regierung – im Januar lag, der eine ganze Reihe von Aktivitäten an den Märkten lahmgelegt hatte. Eins steht fest: Anleger müssen sich für die kommenden Quartale gut anschnallen.

Das hat auch der Vorstandsvorsitzende von JP Morgan, Jamie Dimon, kürzlich in einem 51-seitigen Brief an die Aktionäre klargemacht. Darin mahnte er, dass sich Investoren auf volatile Märkte einstellen müssen. „Das vierte Quartal 2018 könnte ein Vorbote dessen sein, was noch kommt“, schrieb er. Und da Dimon schon die Finanzkrise von 2008 vorausgesagt hat, hat sein Wort Gewicht.

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