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22.03.2019

11:35

Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe fällt kurzzeitig unter null dpa

Deutsche Euromünze

Bundesanleihen unter Druck.

Staatspapiere

Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe fällt kurzzeitig unter null

Von: Jakob Blume, Andrea Cünnen

Die Erwartungen an die Konjunktur in Deutschland haben sich verfinstert. Das hat einen Kursrutsch bei Aktien ausgelöst und macht Staatsanleihen attraktiver.

FrankfurtWegen neu aufgeflammter Rezessionsängste flüchten Anleger in den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen. Die Kurse der Papiere zogen am Freitagmorgen deutlich an, was im Umkehrschluss die Rendite drückt. So rutschte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe am Freitag erstmals seit Oktober 2016 wieder unter null Prozent auf bis zu minus 0,001 Prozent. Damit müssen Investoren dafür bezahlen, dem Bund Geld leihen zu dürfen.

Gleichzeitig zogen sich Anleger aus dem Aktienmarkt zurück. Dax und EuroStoxx50 drehten am Vormittag ins Minus und büßten jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 11.475 und 3338 Punkte ein. Der Euro verbilligte sich auf 1,1296 von zuvor 1,1386 Dollar.

Auslöser dieser Entwicklung war die überraschend trübe Stimmung der deutschen Einkaufsmanager. Das Barometer für das verarbeitende Gewerbe fiel auf 44,7 Punkte von 47,6 Zählern. Analysten hatten mit einem Anstieg auf 48 Stellen gerechnet. Ein Wert unter 50 signalisiert eine schrumpfende Wirtschaft. „Alles unter 45 Punkten kann man als Signal für eine bevorstehende Rezession interpretieren“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

„Der Rückgang des deutschen Einkaufsmanagerindex ist beunruhigend und zeigt, dass der Tiefpunkt noch nicht erreicht ist“, kommentieren die Analysten der niederländischen ING-Bank. Der Wert lasse vermuten, dass auch das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal nicht auf einen Wachstumskurs zurückkehrt.

Im vierten Quartal 2018 stagnierte die deutsche Volkswirtschaft und konnte nur knapp eine Rezession abwenden. Volkswirte sprechen von einer technischen Rezession, wenn die Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft.

Der jüngste Rendite-Rückgang der Bundesanleihe ist der vorläufige Höhepunkt einer seit Monaten anhaltenden Entwicklung: Innerhalb eines Jahres ist die Bund-Rendite um mehr als 80 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Im März 2018 warfen die Staatsbonds immerhin noch 0,67 Prozent Rendite ab.

Anfang des Monats hatte die Europäische Zentralbank ein Zinserhöhung im Jahr 2019 offiziell ausgeschlossen. Viele Marktteilnehmer rechnen daher auch im Jahr 2020 nicht mehr mit einem Zinsschritt der Notenbank. So sagt etwa Franck Dixmier, Chef-Anlagestratege für Anleihen bei Allianz Global Investors: „Die EZB steckt fest. Es gibt keine Perspektive für Zinsanhebungen in der näheren Zukunft.“

Anleger müssten sich daher in den kommenden Jahren auf ein extrem niedriges Zinsniveau einstellen. „Wir sind nicht weit entfernt von einer Japanisierung der Eurozone“, so Dixmier. In Japan sorgt die seit Jahren extrem lockere Geldpolitik der Notenbank dafür, dass die Renditen für 10-jährige japanische Staatsanleihen an der Null-Prozent-Marke verharren.

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Bevölkerungsentwicklung drückt auf die Renditen

Auch Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements bei Pimco Deutschland, glaubt an dauerhaft niedrige Zinsen und schwaches Wachstum. Er befürchtet ebenfalls: „Wir bewegen uns auf japanische Verhältnisse zu.“ Er sieht als Hauptgrund für den Abwärtstrend der Zinsen jedoch eher langfristige Faktoren wie die Bevölkerungsentwicklung an: Wenn die Lebenserwartung steigt, wird mehr gespart – die steigende Nachfrage nach sicheren Anlagemöglichkeiten drückt wiederum auf die Renditen für Anleihen.

Mittlerweile haben deutsche Anleger jedoch Erfahrung mit negativen Zinsen. Erstmals unter null Prozent war die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe am 14. Juni  2016 gerutscht. Damals spielte bereits die Angst vor einem Brexit eine große Rolle. Als die Briten kurze Zeit später tatsächlich gegen den Verbleib in der EU stimmten, rutschte die 10-jährige Bund-Rendite am 6. Juli auf das historische Tief von minus 0,2 Prozent.

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Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nähert sich der Nulllinie. Eine Wende ist nicht in Sicht, Sparer müssen sich an extrem niedrige Zinsen gewöhnen.

Seit Ende Oktober 2016 rentierte die Bundesanleihe wieder oberhalb der Null-Linie, im Februar 2018 stieg sie auf knapp 0,8 Prozent. Damals machten sich Anleger nach entsprechenden Daten aus den USA Sorgen, dass die Inflation zu stark anziehen und die US-Notenbank (Fed) die Leitzinsen zu rasch erhöhen werde.

Seither hat die Fed die Leitzinsen auf ein Band zwischen 2,25 und 2,5 Prozent angehoben. Und in dieser Woche hat Fed-Chef Jerome Powell das Ende der Leitzinserhöhungen angekündigt. Auch die Renditen der US-Staatsanleihen, die im vergangenen November auf bis zu 3,25 Prozent stiegen, sind wieder gefallen und lagen für 10-jährige Papiere zuletzt bei 2,5 Prozent.

Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank kann sich vorstellen, dass es jetzt zumindest wieder einige Monate mit Minus-Renditen geben wird. Für einen nachhaltigen und dauerhaften Rückgang der 10-Jahresrendite müsste die EZB ihre Geldpolitik aber wieder deutlich lockern. Das könnte sich die DZ Bank aber nur vorstellen, wenn sich eine Deflation – also ständig fallende Verbraucherpreise – oder eine wirtschaftliche Rezession in der Euro-Zone abzeichnet. Beides gilt derzeit als unwahrscheinlich.

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