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02.09.2019

23:04

Trotz Razzia und geplatzter Übernahme

Deutsche Börse steigt in europäischen Leitindex auf

Von: Andreas Kröner

Das Unternehmen wird in den Euro Stoxx 50 aufgenommen. Der Aufstieg könnte der Aktie zusätzlichen Rückenwind verleihen.

Der Hauptsitz der Deutsche Börse AG in Eschborn bei Frankfurt am Main (Hessen). dpa

Deutsche Börse

Der Hauptsitz der Deutsche Börse AG in Eschborn bei Frankfurt am Main (Hessen).

Frankfurt Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer musste zuletzt zwei schmerzhafte Rückschläge verkraften: Erst platzte eine große Übernahme im Devisenhandel, dann rückte die Staatsanwaltschaft zu einer Razzia wegen dubioser Steuergeschäfte an. Dem Aktienkurs der Deutschen Börse hat beides jedoch nicht nachhaltig geschadet.

Und deshalb hat Weimer nun einen Grund zur Freude: Die Aktie des hessischen Unternehmens steigt in den Euro Stoxx 50, ein führendes europäisches Börsenbarometer, auf. Dies teilte der Indexanbieter Stoxx, der zur Deutschen Börse gehört, am Montagabend mit. Die Aufnahme erfolgt am 23. September.

Deutschlands größter Börsenbetreiber hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr ausgebaut und sieht sich auf einem guten Weg, seine für 2019 ausgegebenen Ziele zu erreichen. Die Aktie hat seit Jahresbeginn gut 30 Prozent zugelegt. Am Montag kletterte das Papier auf ein neues Rekordhoch von 137,50 Euro.

Der Aufstieg in den Euro Stoxx 50 könnte nun für zusätzlichen Rückenwind sorgen. Denn viele Anleger setzten auf Indexfonds (ETFs), die Börsenbarometer eins zu eins nachbilden. Nach Angaben der Deutschen Börse gibt es 33 ETFs auf den Euro Stoxx 50, die insgesamt auf ein Anlagevolumen von 31 Milliarden Euro kommen. Diese ETFs müssen sich nun mit Deutsche-Börse-Aktien eindecken.

LBBW-Analyst Uwe Streich hat berechnet, dass Aufsteiger in den Euro Stoxx 50 im letzten Monat vor der Bekanntgabe dieses Ereignisses im Schnitt eine um 4,2 Prozentpunkte bessere Performance aufs Parkett legen als der Index selbst. „Vor der Umsetzung des Entscheids war eine weitere massive Outperformance zu beobachten“, sagte Streich dem Handelsblatt.

Analysten empfehlen Aktien der Konkurrenz

Die Deutsche Börse profitiert davon, dass sie über ein sehr robustes Geschäftsmodell verfügt, das in guten und schlechten Zeiten reichlich Gewinn abwirft. Zudem hat das Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt eine Reihe von Wachstumsinitiativen gestartet und mehrere kleine und mittelgroße Übernahmen gestemmt.

Große Übernahmen sind der Deutschen Börse in den vergangenen Jahren im Gegensatz zur Konkurrenz jedoch nicht gelungen. Erst vor kurzem scheiterte der Konzern mit dem Versuch, dem Finanzdatenanbieter Refinitiv Teile von dessen Devisenhandelsgeschäft abzukaufen.

„Das Scheitern des Deals ist enttäuschend“, erklärten die Analysten von Berenberg anschließend. „Es sieht so aus, als müsste die Deutsche Börse bei ihrer M&A-Strategie wieder bei Null anfangen.“ Grundsätzlich sind die Analysten der Meinung, dass der Konzern im Vergleich zu anderen Börsen noch zu stark abhängig ist vom Auf und Ab an den Märkten. Sie empfehlen Anlegern deshalb, innerhalb des Sektors lieber Aktien der Chicago Mercantile Exchange (CME) und der London Stock Exchange (LSE) zu kaufen.

Der Deutsche-Börse-Deal mit Refinitiv ist gescheitert, weil die LSE Refinitiv nun als Ganzes übernimmt. Dafür legen die Briten satte 27 Milliarden Dollar auf den Tisch. Die Deutsche Börse kann sich solche schuldenfinanzierte Megadeals nicht leisten. Denn das Unternehmen darf das „AA“-Rating seiner Tochter Clearstream nicht gefährden, weil diese Bonitätsnote für die Geschäfte des Wertpapierverwahrers essenziell ist.

Vergangene Woche musste Vorstandschef Weimer dann die nächste schlechte Nachricht verdauen: Am Dienstagmorgen rückten rund 50 Beamte zu einer Razzia in der Konzernzentrale in Eschborn an. Bei den Durchsuchungen ging es nach Handelsblatt-Informationen um den Verdacht auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Rahmen von Cum-Ex-Geschäften. Clearstream-Mitarbeiter sollen Banken bei mutmaßlich illegalen Geschäften beraten haben.

Die Deutsche Börse erklärte, die Durchsuchungen erfolgten im Rahmen von Ermittlungen gegen Kunden und Mitarbeiter. „Die Deutsche Börse kooperiert – wie bereits in der Vergangenheit – mit den Ermittlungsbehörden vollumfänglich.“

Mehr: Einst analysierte der Stephan Leithner Skandale der Deutschen Bank. Nun muss er sich als Vorstand der Deutschen Börse wieder mit dubiosen Geschäften auseinandersetzen.

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