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28.03.2019

16:31

Brexit-Folgen

Investor Mark Mobius sieht Großbritannien auf dem Weg zum Schwellenland

Von: Julia Rotenberger

Der Investor warnt vor einem ungeordneten Brexit. Großbritannien wirke wie ein Schwellenland. Staatsverschuldung und Zahlungsbilanz seien „schrecklich“.

Der Investor hält den Brexit für einen Fehler. Reuters

Mark Mobius

Der Investor hält den Brexit für einen Fehler.

DüsseldorfGroßbritannien ähnele zunehmend einem Schwellenland und riskiere eine Währungskrise, sollte es im kommenden Monat einen ungeregelten Brexit geben. Das hat Mark Mobius, ehemaliger Manager des auf Emerging Markets spezialisierten Fondsverwalters Franklin Templeton, im Gespräch mit der „Financial Times“ gesagt.

„Momentan profitiert Großbritannien noch von den niedrigen Zinsen der EU“, so Mobius, der als ein Pionier der Geldanlage im Schwellenländer-Segment gilt. Sobald aber die Briten die EU verließen, würden Marktteilnehmer beginnen, den soliden Status des Landes „schnell und unerbittlich“ zu hinterfragen. „Die Ratingagenturen werden sagen: 'Moment mal, keine EU-Mitgliedschaft mehr? Wir müssen herunterstufen'“, so der Investor.

Und der 82-Jährige legt nach: „Großbritannien ähnelt jetzt einem Schwellenland“, sagt er. Das Zahlungsbilanzdefizit der Briten sei „schrecklich“, ebenso wie die Staatsverschuldung.

Allerdings beschreibt Mobius die Lage möglicherweise als etwas zu düster. So betrug die Staatsverschuldung Großbritanniens im Februar dieses Jahres 82,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: Italien hat derzeit Staatsschulden in Höhe von rund 132 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung – und wird nicht mit einem Schwellenland verglichen.

Schlechter sieht die Lage beim Zahlungsbilanzdefizit aus. Das beträgt im dritten Quartal 2018 laut den aktuellsten Daten des britischen Statistikamtes rund 26,5 Milliarden Pfund, sechs Prozent des BIP, und war damit auf dem höchsten Stand seit 2016.

Das Land hat damit prozentual gesehen das höchste Zahlungsbilanzdefizit unter den EU-Staaten – noch vor Rumänien. Es ist somit besonders abhängig von Importen.

Für Mobius' These von einer möglichen Währungskrise spricht außerdem, dass Spekulanten zunehmend auf das britische Pfund zielen. Laut der Großbank Citi stiegen die Leerverkaufswetten auf die Verbilligung der Währung im März auf den höchsten Stand seit Dezember vergangenen Jahres.

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Mobius, der sich Ende 2018 aus der Verwaltung von Franklin Templeton zurückgezogen und eine neue Fondsgesellschaft unter dem Namen „Mobius Capital Partners“ gegründet hat, macht keinen Hehl daraus, dass er den Brexit für einen Fehler hält.

Das im Juli 2016 abgehaltene Referendum sei ein „Betrug“ gewesen. Die Briten seien „belogen worden“ und hätten einen Fehler gemacht, indem sie für den Austritt gestimmt hätten.

Er selbst erwäge es, den Sitz seiner neuen Firma im Falle eines ungeregelten Brexits aus London in eine andere Stadt in Europa zu verlegen – auch wenn das offenbar keine zufriedenstellende Lösung sei. Das Problem sei nämlich, dass London eine Art Zentrum für die auf Schwellenländer spezialisierte Finanzfirmen sei, so Mobius.

Marktteilnehmer würden die britische Hauptstadt gerne für Börsengänge auswählen – oder auch für Branchentreffen. Komme der ungeregelte Brexit, werde sich das ändern. „Wir müssten dann nach Paris, München oder an einen anderen Ort innerhalb der EU gehen“, sagt Mobius der FT. Er selbst würde Spanien gut finden: „Ich möchte gerne warmes Wetter haben.“

Unterdessen geht in dem – laut Wetterberichten – bewölkten London das Brexit-Drama weiter. So hat das britische Unterhaus am Mittwoch alle Alternativen zum Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May abgelehnt – immerhin acht Anträge. Die verfahrene Lage macht einen ungeordneten Brexit wahrscheinlicher.

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Die Märkte scheinen die Situation aber gelassen zu nehmen. Das Pfund, das nach der Debatte am Mittwoch Verluste verzeichnen musste, notiert am Donnerstag 0,6 Prozent höher gegenüber dem Euro. Der britische Leitindex FTSI 100 („Footsie“) notiert 0,9 Prozent höher gegenüber dem Vortag.

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