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19.08.2019

13:23

Bundesbank-Monatsbericht

Vermögen deutscher Haushalte sind im ersten Quartal des Jahres geschmolzen

Von: Jan Mallien

Aus dem aktuellen Monatsbericht der Bundesbank geht hervor: Im ersten Quartal gab es im Durchschnitt real eine negative Rendite von minus 0,1 Prozent.

Die nominalen Zinsen befinden sich in Deutschland weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau. dpa

Zerbrochenes Sparschwein

Die nominalen Zinsen befinden sich in Deutschland weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau.

Frankfurt Für Sparer sind es derzeit schwere Zeiten – zumindest im Hinblick auf ihre Renditen. Wer sein Geld auf die Bank gebracht oder deutsche Staatspapiere gekauft hat, kämpft schon seit Längerem gegen den Schwund. Die Zinsen, sofern es sie noch gibt, liegen unter der Inflation.

Lange Zeit haben zumindest Aktien durch ihre Kursgewinne die durchschnittliche Rendite noch oberhalb der Null gehalten. Doch seit Anfang 2017 schwankt der Deutsche Aktienindex (Dax) stärker. Vor allem zum Ende des vergangenen Jahres gaben die Kurse deutlich nach.

Auch im ersten Quartal 2019 sind daher die Vermögen real, also nach Abzug der Inflation, geschmolzen. Genauer gesagt: Es gab im Durchschnitt eine real negative Rendite von minus 0,1 Prozent, wie aus dem aktuellen Monatsbericht der Bundesbank für August hervorgeht. Im Verlauf des vergangenen Jahres war die reale Gesamtrendite sogar bis auf minus 2,5 Prozent gefallen. Grund für die leichte Erholung Anfang 2019 war das kurzzeitig verbesserte Börsenumfeld.

Bei der Berechnung der Renditen hat sich die Bundesbank an der Struktur des tatsächlichen Geldvermögens in Deutschland orientiert. Mehr als 40 Prozent der privaten Vermögen liegen in Bankeinlagen und Bargeld. Ansprüche gegen Versicherungen machen über 30 Prozent aus, Aktien und Investmentfondsanteile hingegen nur einen geringen Anteil. Trotz des geringen Gewichts haben sie starken Einfluss, weil sie viel schwankungsanfälliger sind.

Berücksichtigt man diese Gewichtung und die Renditen der Anlageformen, ergab sich für Januar bis März abzüglich der Teuerung ein Minus von 0,1 Prozent. Nach wie vor gab es bei Aktien auf Jahressicht noch Kursverluste, auch wenn diese viel geringer ausfielen als im vergangenen Jahr. Dank der Kursgewinne zu Jahresbeginn konnten die Verluste größtenteils, aber nicht vollständig, kompensiert werden. Unter dem Strich aber lag die Inflation immer noch höher als die nominale Portfoliorendite.

Grafik

Längerfristige Daten der Bundesbank zeigen, dass es auch in der Vergangenheit schon negative Renditen gab. Aktien- und Investmentfondsanteile zeigen einen ähnlichen Renditeverlauf, das liegt an dem Gewicht der Aktienfonds. Bankeinlagen und Versicherungsansprüche verhalten sich ebenfalls ähnlich. Denn Versicherer legen das Geld der Kunden vor allem in Zinspapieren an.

Die reale Rendite auf Bankeinlagen schwankt nicht sehr stark. Seit den Neunzigerjahren lag sie meist unter einem Prozent und war auch früher manchmal negativ, allerdings nur kurzzeitig. Seit die EZB die Zinsen auf Rekordtiefs gesenkt hat, sind die realen Renditen hier aber schon über längere Zeit negativ.

Auch bei den Renditen aus Versicherungsansprüchen gibt es einen klaren Abwärtstrend. Hierbei geht es vor allem um Lebens- und private Rentenversicherungen. Ein beträchtlicher Teil dieses Geldes ist in Staatsanleihen und Pfandbriefen angelegt und über einen langen Zeitraum gebunden. Das Niedrigzinsumfeld hat sich daher dort erst mit Verzögerung bemerkbar gemacht. Zuletzt ist die Rendite dort deutlich gesunken, weil ältere, höher verzinste Papiere ausgelaufen sind.

Deutlich besser, aber auch schwankungsanfälliger sind die Renditen aus Aktien- und Investmentanteilen. Sie haben in den vergangenen Jahren entscheidend dazu beigetragen, dass die reale Gesamtrendite der Haushalte positiv war.

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