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08.02.2019

11:00

Burkhard Balz

Bundesbank-Vorstand fordert europäische Alternative zu Paypal und Apple Pay

Von: Katharina Schneider

In Europa funktioniert kein Zahlungssystem grenzüberschreitend, in Echtzeit und für alle Kanäle. Der Bundesbank-Vorstand mahnt zum schnellen Handeln.

Der Bundesbank-Vorstand setzt sich für eine europäische Alternative zu Paypal und Apple Pay ein. dpa

Burkhard Balz

Der Bundesbank-Vorstand setzt sich für eine europäische Alternative zu Paypal und Apple Pay ein.

Frankfurt Dieser Appell von Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz ist unmissverständlich: Um im Zahlungsverkehr gegenüber internationalen Technologiekonzernen bestehen zu können, müssen die Kreditinstitute in Deutschland und Europa ein einheitliches Zahlungssystem aufbauen – und zwar schnell. Es soll Zahlungen in Echtzeit abwickeln und in allen Situationen funktionieren: an der Ladenkasse, im Internet, per Smartphone und zwischen Privatpersonen.

Balz hielt an diesem Donnerstag die „Policy Lecture“ – also eine Vorlesung – im Forschungszentrum SAFE an der Frankfurter Goethe-Uni. Mehrfach betonte er, dass ein „schnelles Handeln“ und „schnelle Erfolge“ wichtig seien. Die nächsten Monate – und nicht etwa Jahre – würden mit darüber entscheiden, „welche Rolle europäische Anbieter in diesem neuen, globalen ‚Spiel‘ einnehmen können“.

Hintergrund seiner Rede waren die jüngsten Entwicklungen im Zahlungsverkehr: US-Konzerne wie Google, Apple und Amazon sowie chinesische Anbieter wie Ant Financial und Tencent drängen immer stärker in den Bezahlmarkt – angefangen vom Online-Handel bis hin in die Ladengeschäfte.

Noch dazu vergeben Amazon und Paypal auch kleinere Geschäftskredite – was Balz als „ein Warnsignal für die etablierte Bankenwelt“ bezeichnet. Er fürchtet: Durch Netzwerk-, Skalen- und Verbundeffekte der großen Plattformen könnten sich Monopole herausbilden. Den Kunden könne es schwerfallen, Alternativen zu finden, dann gelte für die Konzerne das Prinzip: „the winner takes it all“.

Zugleich ändert sich das Verhalten der Verbraucher: Sie zahlen inzwischen häufiger mit Kreditkarte oder Girocard und verwenden dabei immer öfter die Kontaktlos-Technologie NFC – kurz für Near Field Communication. Beim Online-Einkauf setzen sie Bezahlverfahren wie Paypal oder Amazon Pay ein.

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Bei Zahlungen zwischen Privatleuten werden P2P-Bezahl-Apps beliebter. Und erste Verbraucher zahlen auch an der Ladenkasse mit ihrem Smartphone – etwa über Google Pay, Apple Pay oder Banking-Apps. Gemäß einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hat das sogar schon beinahe jeder dritte Deutsche ausprobiert.

Universelles Zahlungsmittel gesucht

Laut Balz nimmt in Europa zudem der Bedarf an universell einsetzbaren Zahlungsmitteln zu. Inzwischen würden hier mehr als acht Prozent der Kartenzahlungen grenzüberschreitend getätigt. Die Girocard – also die Bankkarte, die von vielen Verbrauchern noch immer als EC-Karte bezeichnet wird – sei dafür ebenso wie andere nationale Debitkarten aber nicht gerüstet. Dass Kunden heute damit im europäischen Ausland zahlen können, ist Kooperationen mit den US-amerikanischen Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard zu verdanken. Auf den Karten ist das an den Symbolen „VPay“ oder „Maestro“ zu erkennen.

Aus Sicht von Balz ist es an der Zeit, „eine unabhängige europäische Lösung unter Einbindung der starken, effizienten nationalen Systeme – soweit vorhanden – zu schaffen“. Davon verspricht er sich, dass der Wettbewerb insgesamt belebt sowie europäische Zahlungsmittel und deren Anbieter gestärkt werden.

Voraussetzung sei, dass die Kreditinstitute ihre internen Systeme fit machten für die Echtzeitverarbeitung von Zahlungen, auch Instant Payments genannt. „Die Bundesbank begrüßt hier auch Überlegungen, etablierte Zahlungsmittel wie die Girocard aufzuwerten und ‚europatauglich‘ zu gestalten, indem etwa die grenzüberschreitende Abrechnung über die neuen Instant-Payments-Kanäle erfolgt“, sagte Balz.

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Es dürfe aber nicht nur diskutiert, sondern es müsse auch gehandelt werden. „Schnelle Erfolge sind wichtig“, betonte er. Vorstellbar sei zudem „eine Art Marke für europäische Zahlungen“. „Das würde Chancen eröffnen, sich im digitalen Zahlungsmarkt kraftvoller zu positionieren.“ Auch bei der französischen Notenbank sei davon schon die Rede gewesen.

Bei P2P-Transfers werde bereits daran gearbeitet, diese SEPA-weit, also zwischen den 28 Ländern des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums, zu erleichtern. „Ein solcher P2P-Service könnte auch auf andere Bezahlsituationen, beispielsweise im stationären oder elektronischen Handel, ausgeweitet werden“, sagte Balz.

Forderung ist schwierig umzusetzen

In Verbindung mit einfachen, sicheren, eventuell biometrischen Authentifizierungsverfahren und leicht bedienbaren Apps könnte mobilen Zahlungen europaweit der Durchbruch gelingen. „Wir müssen jetzt die Weichen für diese neuen europäischen SEPA-Zahlverfahren stellen. Denn sonst ist für uns der Zug sprichwörtlich abgefahren“, so Balz.

Trotz der Drohkulisse dürfte es extrem schwierig sein, diese Forderung umzusetzen. Schon in Deutschland tun sich Banken und Sparkassen sehr schwer, gemeinsame Bezahldienste zum Erfolg zu führen.

Für einzelne Zahlungssituationen wurde das bereits versucht: So zielt Giropay allein auf den Internet-Einkauf, Paydirekt ist ein deutsches Pendant zu Paypal und ist sowohl im Online-Shop als auch für Zahlungen zwischen Privatpersonen verfügbar, und mit Kwitt können sich Kunden der Sparkassen und Genossenschaftsbanken schnell Geld überweisen. Noch erzielten diese Dienste aber keine großen Marktanteile.

Um ein einheitliches System in Europa zu schaffen, dürften also nicht nur Appelle der Notenbanken, sondern auch deren aktive Unterstützung wichtig sein.

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