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Christian Noyer im Interview

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„Die Defizitländer bewältigen ihren Rückstand“

Wenn man Ihnen zuhört, gewinnt man den Eindruck, dass zumindest in der EZB der deutsch-französische Motor noch ganz gut funktioniert?

Aber ja, absolut. Das ist ein sehr wichtiger Gesichtspunkt - wir hatten vielleicht unterschiedliche Wertungen in einer außergewöhnlichen Situation. Wir waren auf unbekanntem Gelände, mussten völlig neue Antworten finden. In allen Zentralbanken gab es Zögern in Bezug auf unkonventionelle Maßnahmen. Aber im Kern unserer Ziele und Politiken gibt es keinen Dissens.

Jens Weidmann ist innerhalb der EZB nicht isoliert?

Überhaupt nicht, auf keinen Fall.

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    Manche Leute in Deutschland machen sich Sorgen wegen der Target-Salden, also der Verbindlichkeiten, die zwischen einzelnen Zentralbanken des Eurosystems entstanden sind. Haben sie recht?

    Da herrscht große Verwirrung. Konsequenzen gäbe es nur in dem extrem unwahrscheinlichen Fall, dass ein Euro-Land quasi explodiert und seine Zentralbank überhaupt nichts zurückzahlt. Dann aber würden alle EZB-Anteilseigner für die Folgen gemeinsam aufkommen. Die Target-Salden mit einem Risiko für den deutschen Steuerzahler gleichzusetzen ist wirklich eine Sünde für einen Ökonomen. Es ist eine schreckliche Vereinfachung, so zu tun, als würde hier Deutschland den Südländern Kredit gewähren, damit die weiter Geld ausgeben können, ohne sich anzustrengen. Die Realität ist, dass enorme politische Anstrengungen im Gange sind. Die Defizitländer bewältigen ihren Rückstand bei der Wettbewerbsfähigkeit.

    Haben Sie nicht die Sorge, dass Europa undemokratischer wird, weil viele Entscheidungen Hals über Kopf in kleinen Zirkeln getroffen werden?

    Da stimme ich Ihnen überhaupt nicht zu. Im Gegenteil, wir erleben mehr Demokratie, mehr geteilte Verantwortung und Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten. Wir brauchen echten politischen Mut in den Euro-Staaten, damit sie ihre nationale Einstellung etwas verändern und fortfahren, die europäische Integration zu vertiefen. Ein Europa, das nur auf dem Geld beruht, ist einfach nicht genug! Unsere politischen Führer müssen den Willen der Gründungsväter wie Jean Monnet oder Konrad Adenauer wieder entdecken. Sie müssen der ganzen Welt beweisen, dass sie ein politisches Europa wollen, dass sie in Richtung auf ein föderales System vorangehen wollen. Die Lösung unserer Krise besteht darin, Europa aufzubauen. Seien wir entschlossen!

    Kommentare (48)

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    Account gelöscht!

    18.07.2012, 07:05 Uhr

    Eine Bankenunion kann den finalen Zusammenbruch des Schnellballprinzips unseres fiat money Systems nicht aufhalten sondern lediglich das Überleben einige Monate verlängern. Je länger wir den Crash nach hinten schieben, je mehr Billionen noch vorher in das System gepumpt werden, desto schmerzhafter und nachhaltiger wird der Zusammenbruch ausfallen. Aber daß sich die politische Elite dieser Welt mit allen Mitteln gegen den finalen Zusammenbruch wehrt, ist logisch, denn sie würden ihn wohl kaum überleben.

    Ludwig500

    18.07.2012, 07:06 Uhr

    Man kann es sich nicht so einfach machen, die Aussagen von Herrn Noyer als dumm oder schlecht informiert zu interpretieren. Der Mann weiss wie Märkte funktionieren, was die Märkte wollen.

    Er ist einfach nur Mitglied der grossen Geldallianz. Deshalb reitet er munter weiter auf dem toten Pferd, dass sich nur noch bewegt weil ihm ständig Stromstösse in Form von Rettungsmilliarden verpasst werden.

    Unfassbar, was für gewissenlose Bankster auf die Schlüsselpositionen gesetzt wurden.

    HansWurst

    18.07.2012, 07:17 Uhr

    Man kann noyer nicht als hochverraeter abtun. Wacker kaempft er fuer die interessen frankreich und den zugang der fpiigs zum deutschen einlagen sicherungsfonds, um sozialistische wohltaten seines premiers zu lasten der deutschen weiter finanzieren zu koennen.
    Man wuenschte sich unsere deutschen volksverraeter wuerden so fuer unsere interessen kaempfen.

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