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11.10.2018

12:51 Uhr

Dax-Neuling Wirecard: Diese Gründe führen zu den Kurssprüngen dpa

Firmenzentrale

Wirecard ist an der Börse noch immer mehr wert als rund ein Viertel der dort enthaltenen 30 Werte.

Dax-Neuling

Diese 5 Gründe führen zu den Kursausschlägen bei Wirecard

VonChristian Schnell

Seit Ende September ist der Zahlungsdienstleister Wirecard im Dax gelistet. Doch seit dieser Woche steht die Aktie heftig unter Druck – hier sind die Gründe.

MünchenKursturbulenzen wie die der Wirecard-Aktie zu Wochenbeginn sind für Dax-Konzerne absolut ungewöhnlich: 13 Prozent verlor das Papier am Montag, um sieben Prozent legte der Zahlungsdienstleister am Dienstag zu. Am Mittwoch folgte dann ab dem frühen Nachmittag ein erneuter beispielsloser Absturz. Aus einem Minus von 0,6 Prozent gegen 13 Uhr wurden zum Börsenschluss um 17.30 Uhr mehr als 14 Prozent.

An diesem Donnerstag eröffnete Aktie zum Handelsstart rund ein Prozent im Minus. Am Mittag folgte gegen den Markttrend sogar ein Plus von rund einem Prozent. Fünf Gründe sind für die heftigen Kursausschläge der vergangenen Tage ausschlaggebend:

1. Der Kursverlauf

Wirecard ist bisher in diesem Jahr der Überflieger am deutschen Aktienmarkt. Der Kurs hatte sich in der Spitze allein seit Ostern mehr als verdoppelt. Wer fünf Jahre zurückrechnet, kommt auf eine Versiebenfachung des Kurses. Mit der Kursentwicklung von heute steht die Aktie aber lediglich wieder auf dem Kursniveau von Mitte Juli.

Gerade drei Monate zurück notierte der Kurs schon bei 155 Euro. Seit dem Jahresanfang beträgt das Plus damit noch immer rund 60 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten sind es so weiterhin deutlich über 100 Prozent.

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Bei solchen Entwicklungen werden Börsianer generell skeptischer und ziehen Linien nach unten ein, die bei einem Durchbrechen automatische Verkäufe nach sich ziehen. Dadurch setzt sich eine Spirale in Bewegung, so wie am Montag oder Mittwoch.

2. Die Bewertung

Wirecard hatte zwischenzeitlich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 75 erreicht. Das ist außergewöhnlich hoch für einen Dax-Wert. Erklären lässt sich das lediglich mit großen Hoffnungen, die Anleger in aufstrebende Tech-Konzerne haben. Dort sind solche Bewertungen nicht ungewöhnlich, speziell in den USA an der Technologiebörse Nasdaq.

Hierzulande sind solch hohe Börsenwerte jedoch noch immer ein Warnzeichen. Viele Börsianer haben deswegen zuletzt die Party um Wirecard mitgefeiert, waren aber auch immer mit einem Finger auf dem Verkaufsknopf.

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Jetzt drücken ihn viele von ihnen vorsichtshalber und nehmen die vermutlich satten Gewinne mit, die sie durch den rechtzeitigen Einstieg vor Wochen oder Monaten erwirtschaftet haben. Sobald eine Tendenz erkennbar ist, dass es mit dem Wirecard-Kurs wieder dauerhaft nach oben geht, wird diese Gruppe zurückkehren.

3. Die Börsenstimmung

Die Stimmung unter Börsianern ist nach dem Ende der Sommerferien gewöhnlich positiv. Alle sind aus dem Urlaub zurück und gleichzeitig gilt es, die Zeit bis zum Jahresende noch zu nutzen, um die eigene Kursperformance nach oben zu schrauben.

In diesem Jahr ist das etwas anders. Eine Gemengelage aus einem in den Augen vieler schon zu lange anhaltendem Börsenaufschwung, dazu die reduzierten Konjunkturaussichten für Deutschland und etliche Gewinnwarnungen quer über alle Branchen lassen viele Anleger vorsichtiger werden.

Oder um es kurz auszudrücken: Die Sorglosigkeit ist weg. Die tatsächliche Lage ist zwar nicht gut, aber auch nicht schlecht. Gefühlt ist sie aber schlecht. Und das lässt viele im Moment sehr viel zurückhaltender agieren.

4. Die Politik

Wirtschaftspolitische Vorgänge spielen an der Börse immer eine Rolle. Diesmal aber umso mehr. Da ist zum einen die große Weltpolitik mit dem seit Wochen schwelenden Handelskonflikt zwischen den USA und China. In den sind direkt oder indirekt natürlich auch Europa, Japan und Kanada verwickelt, sodass die Unordnung und besonders die mangelnde Aussicht auf eine Lösung quasi spürbar sind.

Hinzu kommt eine Notenbankpolitik, die zwischen der EZB und der US-Notenbank Fed mehr und mehr auseinanderklafft. In den USA ist die Zinswende längst eingeleitet, weshalb die von vielen Anlegern seit langem ersehnte Rückkehr an den Bondmarkt endlich möglich ist. In Europa gibt es dafür bestenfalls erste Hinweise. Allein die Aussicht aber belastet am Aktienmarkt vor allem die hochbewerteten Technologiewerte wie Wirecard.

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5. Der Dax-Aufstieg

Es ist erst die dritte Handelswoche, in der Wirecard nun im Dax gelistet ist. Wer die Historie bemüht, erkennt ein Kursmuster wie dort auch bei früheren Aufsteigern in die oberste deutsche Börsenliga. Vorher legt der Kurs kräftig zu, braucht es doch einen höheren Börsenwert, als ihn die etablierten Titel dort schon haben. Anschließend entweicht hingegen etwas die Luft.

Da der Wirecard-Kurs in den Monaten vor dem Dax-Aufstieg besonders stark von Käufern getrieben wurde, fällt dieses Phänomen nun umso deutlicher auf. Sorgen um einen sofortigen Wiederabstieg aus dem Dax müssen sich Anleger indes nicht machen.

Wirecard ist an der Börse noch immer mehr wert als rund ein Viertel der dort enthaltenen 30 Werte. Außerdem achtet die Deutsche Börse bei der Zusammensetzung des Dax auf Kontinuität. Kurzfristige Auf- und Abstieg aufgrund einer Börsenlaune gab es dort in den 30 Jahren des Dax-Bestehens so gut wie nicht.

Das Fazit: All diese Gründe, die den Wirecard-Kurs im Moment stark ausschlagen lassen, kommen von außerhalb des Unternehmens. Mögliche Horrormeldungen von Wirecard selbst, die die hohen Kursverluste vom Montag und Mittwoch begründen könnten, gibt es nicht.

Ganz im Gegenteil: Am Dienstag verkündete Vorstandschef und Großaktionär Markus Braun bei der hauseigenen Investorenkonferenz in London einen neuen Strategieplan, der nun bis zum Jahr 2025 reicht. Bis dahin sollen sich Umsatz und Ergebnis im Vergleich zum aktuellen Stand versechsfachen. Widerspruch von Analysten gab es dazu keinen. Die meisten erwarten weiterhin deutliche Kursgewinne in den kommenden zwölf Monaten.

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