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08.04.2019

16:13

Es gibt viele Anleger, die an der Seitenlinie stehen und erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, bevor sie eine Entscheidung treffen. dpa

Der deutsche Leitindex

Es gibt viele Anleger, die an der Seitenlinie stehen und erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, bevor sie eine Entscheidung treffen.

Dax-Umfrage

Am Aktienmarkt herrscht fast Euphorie – Experten raten zu ersten Gewinnmitnahmen

Von: Jürgen Röder

Die Stimmung der Anleger ist gut. Lösungen im Brexit-Chaos sowie im Handelsstreit zwischen den USA und China werden bereits als gegeben betrachtet.

DüsseldorfDie Anlegerstimmung hat sich nach einem Dax-Plus von 4,2 Prozent in der Vorwoche gedreht. „Die Champagnerkorken knallen zwar noch nicht, aber der Drahtkorb wurde bereits entfernt“, erklärt Stephan Heibel symbolisch die neue Lage am Aktienmarkt. Noch vor einer Woche hatten vielen Anleger ein Abrutschen in den Abwärtstrend befürchtet. Die kurzfristige Stimmung war auf einen Wert von minus 0,9 abgerutscht, was leicht niedergeschlagen bedeutet.

Doch nach Auswertung der aktuelle wöchentlichen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3300 Anlegern ist die Anlegerstimmung nun auf einen Wert von 4,2 gestiegen, den höchsten seit Januar 2018. „Ein Wert von über 4,3 entspricht Euphorie“, erläutert der Börsenexperte.

Euphorie ist laut Sentimentanalyse ein Kontraindikator. Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Die aktuelle Stimmung ist zu Recht gut: Die wichtige Hürde bei 11.800 Punkten hat der Dax vergangene Woche erfolgreich übersprungen. Nun richten die Anleger ihren Blick nach oben, die 12.500 Punkte kommen ins Visier.

Doch angesichts der schon fast euphorischen Stimmung rät Heibel: „Wer spekulativ auf steigende Kurse gesetzt hat, sollte bald mal ein paar Zwischengewinne mitnehmen.“ Seiner Meinung nach wird an den Aktienmärkten eine Lösung im Brexit-Chaos sowie im Handelsstreit bereits als gegeben betrachtet. Dabei könnte die jeweilige Lösung, wenn sie denn kommt, in ihrer Struktur enttäuschen: Ein wie auch immer gearteter Kompromiss zwischen China und den USA würde von den Trump-Gegnern sicherlich direkt im Anschluss als Fehler dargestellt werden.

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Und eine Lösung im Brexit-Chaos könnte auch so aussehen, dass das Chaos um ein Jahr verlängert wird, sollte der Vorschlag von Ratspräsident Donald Tusk angenommen werden. „Wir könnten zwar in den kommenden Wochen Lösungen sehen, auf die Anleger möglicherweise aber mit Verkäufen reagieren“, meint er.

Schließlich gelten die Brexit-Verhandlungen inzwischen als unberechenbar. Die Verhandlungen im Handelsstreit zwischen China und den USA könnte man ebenso beschreiben, obwohl dabei US-Präsident Donald Trump derzeit für gute Laune sorgt. „Doch das hat, wie wir inzwischen gelernt haben, keine Bedeutung“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?

Angaben in Prozent


Ein ähnliches Fazit ziehen die Experten der Investment-Beratungsfirma Sentix nach Auswertung ihrer aktuellen wöchentlichen Umfrage. Ihrer Meinung nach ist nicht nur die aktuelle Stimmung, sondern auch das Selbstvertrauen der Anleger gestiegen, was die Gefahr einer Konsolidierung deutlich erhöht.

Ähnliche Signale für eine Verschnaufpause an den Börsen kommen aus den USA: US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote in den vergangenen Tagen von 62 auf 92 Prozent hochgeschraubt, der stärkste Wochenanstieg seit vielen Monaten. Und der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Index“ der US-Aktienmärkte steht mit 74 Prozent kurz vor der extremen Gier, die er mit einem Prozentpunkt mehr erreicht hätte. Beide Werte mahnen zur Vorsicht und können als Indikator für eine bevorstehende Konsolidierungsphase gesehen werden.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf einen Wert von minus zehn gefallen und zeigt an, dass Privatanleger hohe Absicherungspositionen eingehen. Die erzielten Kursgewinne der vergangenen Wochen möchte niemand abgeben.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?

Angaben in Prozent


Ganz anders sieht es an der Frankfurter Terminbörse Eurex und der US-Terminbörse CBOEW in Chicago aus: Dort sind Anleger für weitere Kurssteigerungen positioniert.

Die US-Privatanleger trauen dem Braten wohl noch nicht, das Bulle/Bär-Verhältnis zeigt mit 6,7 Prozent nur einen leichten Bullenüberhang an. So zeigt sich, dass Profis hüben und drüben auf nachhaltig steigende Kurse setzen, während Privatanleger Angst um die erzielten Buchgewinne haben.

Mittelfristig sieht das anders aus, denn die Konjunkturdaten haben sich aufgehellt. Die Arbeitsmarktdaten in den USA sind besser als erwartet ausgefallen, die chinesische Konjunktur reagiert positiv auf die vor sechs Monaten verabschiedete Konjunkturstimulation. In Deutschland hat die Industrieproduktion vergangene Woche positiv überrascht. Zudem haben Notenbanken ihre Geldpolitik verändert: Keine Zinserhöhungen in den USA, keine Rückführung der Anleihen im Bestand der EZB. Gleichzeitig ist die Inflation niedrig.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?

Angaben in Prozent


Die aktuellen Umfrageergebnisse im Detail: 47 Prozent (plus 32 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sehen in der aktuellen Dax-Bewegung nun einen Aufwärtsimpuls, weitere 18 Prozent (plus zehn Prozentpunkte) eine Topbildung. Nur noch 27 Prozent (minus 27 Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus und an einen Abwärtsimpuls glaubt kaum noch jemand.

Allerdings gibt das Umfrageergebnis über die Selbstzufriedenheit der Anleger Rätsel auf: Jeder Fünfte (plus 13 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) soll in der vergangenen Woche auf die steigenden Kurse spekuliert haben. „Vor einer Woche waren die Teilnehmer so passiv und vorsichtig wie selten“, meint Heibel. „Es überrascht mich schon, dass so vielen Anleger auf steigende Kurse spekuliert haben wollen.“

Nur 21 Prozent (minus neun Prozentpunkte) der Teilnehmer sehen ihre Erwartungen der Vorwoche durch die aktuelle Börsenentwicklung kaum erfüllt, weitere elf Prozent (plus zwei Prozentpunkte) wurden sogar auf dem falschen Fuß erwischt. Hingegen sehen 47 Prozent (minus sieben Prozentpunkte) ihre Erwartungen als zum größten Teil erfüllt an.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?

Angaben in Prozent


Nur noch 19 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) erwarten für den Dax in drei Monaten weiter steigende Kurse, hingegen fürchten nun 31 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) einen Abwärtsimpuls und weitere 38 Prozent (plus ein Prozentpunkt) eine Seitwärtsbewegung.

Dennoch wollen nun 23 Prozent (plus vier Prozentpunkte) Aktien zukaufen, während jeder Fünfte (plus sieben Prozentpunkte) seine Aktienpositionen verkleinern will. Damit hat sich die hohe Neutralität der Vorwochen ein wenig aufgelöst (minus elf Prozentpunkte auf 57 Prozent).

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

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