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03.06.2019

13:18

Es gibt viele Anleger, die an der Seitenlinie stehen und erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, bevor sie eine Entscheidung treffen. dpa

Der deutsche Leitindex

Es gibt viele Anleger, die an der Seitenlinie stehen und erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, bevor sie eine Entscheidung treffen.

Dax-Umfrage

Anleger reagieren panisch auf die Kursverluste

Von: Jürgen Röder

Die Auswertung der aktuellen Umfrage zur Anlegerstimmung zeigt: Vieles ist vergleichbar mit der Situation Ende Dezember 2018. Damals stieg der Dax rasant.

DüsseldorfAn den Börsen hat eine Emotion, die im alltäglichen Leben stets negativ ist, auch schon mal etwas Positives: Panik. „Jetzt haben wir Panik unter den Anlegern“, sagt Stephan Heibel nach Auswertung der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. „Es wird verkauft, was nicht festgenagelt ist.“

Somit hat der deutsche Leitindex laut Sentiment-Analyse nun ein Niveau erreicht, das für Käufe geeignet ist. „Es wäre überheblich, alles auf eine Karte zu setzen, aber erste Long-Positionen, also Wetten auf steigende Kurse, können auf dem erreichten Niveau bereits eingegangen werden“, schlussfolgert der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Eine Panik – also ein Ausverkauf mit hohen Umsätzen während eines Abwärtstrends, der anschließend in einen extremen Pessimismus der Anleger mündet – ist aus Sicht der Sentimentanalysten ein wichtiger Indikator für eine bevorstehende Trendwende. Denn dann haben viele Investoren – Börsenaltmeister André Kostolany nannte sie die „zittrigen Hände“ – ihre Aktien verkauft. Anschließend genügen schon wenige Käufe, damit die Kurse wieder steigen.

Für Heibel hat sich die aktuelle Stimmung deutlich eingetrübt, „schlimmer geht's kaum noch“. Viele Werte sind vergleichbar mit der Situation Ende Dezember 2018. Damals lag der Dax mit 10.279 Punkten auf einem Mehrjahrestief, um anschließend wieder auf 12.435 Zähler zu steigen. Doch der Sentiment-Experte warnt: „Die Stimmung kann über einen längeren Zeitpunkt auf dem Nullpunkt bleiben“. Der Leitindex muss also nicht zwangsläufig sofort wieder steigen.

Für ihn spreche aber vieles dafür, dass auf dem aktuellen Dax-Kursniveau von rund 11.700 ein zwischenzeitlicher Tiefpunkt liege. Bis auf das Sentiment der Stuttgarter Börse Euwax, das Privatanlegern eine zu bullische Positionierung attestiert, sind sämtliche Stimmungsindikatoren bereits so stark negativ, dass kaum noch hoher Verkaufsdruck aufkommen könne.

Schließlich sei die Rezessionsangst ebenfalls wieder aufgekommen, entsprechend wurden die Portfolios geräumt, damit die Investoren vielleicht einen halbwegs ruhigen Sommer verleben können.

Ein Punkt aber überrascht: Die Stimmung der Anleger ist extrem negativ, doch der Fünf-Wochendurchschnitt notiert noch deutlich im neutralen Bereich. Denn in der Vergangenheit hat insbesondere der Fünf-Wochendurchschnitt in Tiefpunkten ein gutes Kaufsignal erzeugt – beispielsweise auch Ende Dezember 2018.

Grafik

Der stärker schwankende wöchentliche Stimmungsindikator hingegen kann durchaus über mehrere Wochen auf einem negativen Extremwert verharren, ohne dass sich die Börse erholt.

Der Verhaltensökonom Joachim Goldberg sah bereits am vergangenen Mittwoch deutsche Aktien aufgrund negativer Erwartungen vieler Anleger unter Druck. Denn es gebe derzeit viele Pessimisten, meinte er nach Auswertung einer Umfrage zur Anlegerstimmung der Börse Frankfurt.

Goldberg vermutet aber, dass die meisten Anleger noch an den übergeordneten Aufwärtstrend glauben würden. Sein Fazit: Die Bären von heute bräuchten nun schnelle Erfolge, sonst bekämen sie Angst, einen Aufwärtstrend zu verpassen und würden entsprechend schnell wieder die Seite wechseln.

Auf der unteren Seite sollte der Bereich zwischen 11.600 und 11.700 Zählern Unterstützung bieten. „Deswegen sieht es für den Dax per Saldo nicht so schwarz aus, wie es die Chartbilder von heute vermitteln mögen“, schrieb er Mittwoch vergangener Woche.

Die Ergebnisse der aktuellen Sentiment-Umfrage im Überblick: Mit 63 Prozent (plus 30 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) haben die meisten Anleger eingesehen, dass der Dax einen Abwärtsimpuls erlebt. Nur noch jeder Vierte (minus 23 Prozentpunkte) betrachtet die aktuelle Entwicklung als Seitwärtsbewegung.

Es ist wohl eine Frage der zeitlichen Perspektive, ob man für den Ausverkauf zuletzt noch eine übergeordnete Seitwärtsbewegung erkennt. Der kurzfristige Sentimentindikator ist auf minus 5,9 Prozent gefallen, das tiefste Niveau seit dem chaotischen Börsenmonat Dezember 2018.

Fast jeder Dritte wurde von dem Ausverkauf in der vergangenen Woche (32 Prozent, plus 14 Prozentpunkte) oder zumindest von der Intensität des Ausverkaufs auf dem falschen Fuß erwischt. Weitere 31 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen der Vorwoche als kaum erfüllt.

Nur noch 28 Prozent (minus zehn Prozentpunkte) haben die Dax-Entwicklung in der vergangenen Woche so zum größten Teil erwartet. Weitere neun Prozent (plus drei Prozentpunkte) wollen sogar darauf spekuliert haben. Auch hier das gleiche Bild: Die Verunsicherung ist ebenfalls so groß wie zuletzt im Chaos-Dezember.

Auf ein extremes Niveau sind auch die Erwartungen an den Dax in drei Monaten gefallen: Inzwischen fürchten 28 Prozent (minus ein Prozentpunkt) dann einen anhaltenden Abwärtsimpuls und 16 Prozent (plus vier Prozentpunkte) erwarten den Boden der Korrektur erst in drei Monaten.

Unverändert 39 Prozent glauben, dass sich der Index zu diesem Zeitpunkt weiter seitwärts entwickeln wird. An steigende Kurse glauben nur noch 16 Prozent (minus zwei Prozentpunkte). „Seit zwei Jahren war der Zukunftspessimismus nicht mehr so groß“, erläutert Heibel. „Damals war Trump unter Dauerbeschuss der Medien, die Medien überzeugten die Leser davon, dass die Welt unter Trump dem Untergang geweiht sei“.

Aufgrund der jüngsten Aktionen Trumps im Rahmen der Verhandlungen mit China sowie Mexiko dürften diese Ängste wieder auf den Titelseiten stehen. Denn laut dem Abstimmungsergebnis beim Investitionsverhalten wollen eine Reihe von Anleger ihre Positionen doch noch verkleinern, obwohl die Aktienindizes schon kräftig nachgegeben haben.

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23 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien verkaufen, unverändert 19 Prozent wollen zukaufen. Derzeit noch unentschieden über ihre nächsten Aktionen sind 58 Prozent der Anleger (minus zwei Prozentpunkte).

Institutionelle Anleger sichern sich ab

Privatanleger, die an der Stuttgarter Börse Euwax mit Hebelprodukten auf den Dax handeln, haben in den vergangenen Tagen auf steigende Kurse spekuliert. Das Euwax-Sentiment ist über einen Wert von sieben gesprungen und zeigt damit eine sehr bullische Positionierung der Privatanleger an. „Das ist vor dem Hintergrund der aktuell eskalierenden Verhandlungen gefährlich“, meint der Sentimentexperte Heibel.

Institutionelle Anleger hingegen, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben in den vergangenen Tagen starke Absicherungsgeschäfte getätigt, sich also mit Puts eingedeckt, die bei fallenden Kursen an Wert gewinnen. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2,5 gesprungen und damit auf dem höchsten Niveau seit zwei Monaten.

Auch die US-Anleger haben sich abgesichert: Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE ist ebenfalls auf ein hohes Niveau angesprungen. Entsprechend haben US-Fondsmanager ihre Investitionsquote deutlich zurückgefahren, diese Woche ging der Wert um zehn Prozentpunkte auf nur noch 60 Prozent zurück.

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte steht mit einem Wert von 27 Prozent im Angstmodus und sogar kurz vor Panik. Andere kurzfristige technische Indikatoren zeigen an, dass am US-Markt eine zumindest kleine Gegenbewegung fällig ist.

Das sehen die Experten der Investment-Beratungsfirma Sentix ähnlich. „Wir attestieren damit Angst und steuern auf einen antizyklischen Kaufzeitpunkt im S&P 500 zu“, heißt es in ihrer Analyse von diesem Montag. „Die Aktienkurse sollten spätestens nach Ablauf einer weiteren Woche steigen.“

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

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