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05.10.2022

06:00

Versicherung

Munich Re übernimmt Insurtech Apinity von der Allianz

Von: Susanne Schier, Christian Schnell

Das Unternehmen ist eine Ausgründung der Allianz-Softwaretochter Syncier. Nun erhofft sich der Online-Marktplatz für IT-Services einen besseren Zugang zu weiteren Kunden.

Der Rückversicherer wird neuer Eigentümer des Insurtechs Apinity. imago/Ralph Peters

Munich Re-Zentrale in München

Der Rückversicherer wird neuer Eigentümer des Insurtechs Apinity.

Frankfurt, München Die Allianz gibt das Insurtech Apinity an den Rückversicherer Munich Re ab. Das teilten die Unternehmen am Mittwochmorgen mit. Apinity ist ein ehemaliger Geschäftsbereich der Allianz-Softwaretochter Syncier, der bisher unter dem Namen Syncier Marketplace aktiv war. Als eigenständiges Unternehmen tritt Apinity seit August 2022 auf – und will mit dem neuen Eigentümer nun unabhängiger am Markt agieren.

Es bietet einen Online-Marktplatz, über den sich Versicherer verschiedene IT-Services von Insurtechs und anderen Versicherern zukaufen können, beispielsweise wenn sie eine neue Produktstrecke im Internet aufbauen wollen. Alternativ können sie eine Lizenz für die Plattform erwerben und einen eigenen Marktplatz in ihrem Unternehmen aufbauen.

Munich Re übernimmt nun 100 Prozent der Anteile mit dem gesamten Team aus rund 30 Mitarbeitern sowie der Technologieplattform und den bestehenden Geschäftsbeziehungen. Einen Kaufpreis nennen die Beteiligten nicht.

Ursprünglich hat die Allianz das Softwarehaus Syncier im Jahr 2018 gegründet, um das hauseigene Betriebssystem (ABS) auch anderen Versicherungsunternehmen zugänglich zu machen. Da viele Versicherer vor allem in der Lebensversicherung noch mit veralteten IT-Systemen arbeiten, setzte die Allianz große Hoffnungen darauf, dass ihr Angebot im Markt gut angenommen wird. Doch das Interesse war offenbar begrenzt, sodass inzwischen keine Neukunden mehr angeworben werden.

Ein Grund war, dass Versicherer zögerlich agierten, die IT des großen Münchner Rivalen zu nutzen – trotz verschiedener Initiativen, die Unabhängigkeit zu demonstrieren. Beispielsweise hatte die Allianz die Rechte am Kernsystem an eine Stiftung übertragen.

Vorbehalte gegenüber der Allianz als Eigentümer

Andere Ideen wie der Syncier Marketplace, die das Unternehmen parallel vorantrieb, funktionieren offenbar besser. Doch auch hier zeigte sich, dass die Verbindung zur Allianz Nachteile mit sich bringt. Apinity-Geschäftsführerin Anna-Carina Häusler erklärt: „Wir waren bisher eine eigenständige Einheit innerhalb von Syncier und hatten mit der Kernversicherungsplattform der Allianz nichts zu tun.“ Manche Versicherer hätten dennoch Vorbehalte gehabt, mit „uns zusammenzuarbeiten“.

Deshalb habe man sich auf die Suche nach einem neutraleren Eigentümer gemacht, so Häusler weiter. Mit Munich Re als neuem Anteilseigner erhofft man sich nun Zugang zu weiteren Kunden.

Auch Syncier selbst hat bekanntermaßen bereits nach alternativen Investoren gesucht. „Unser Prozess war davon allerdings unabhängig, da wir frühzeitig in enger Abstimmung mit dem Unternehmen unseren eigenen Weg gegangen sind“, erklärt Häusler.

Munich Re als neuer Eigentümer passe sehr gut zu Apinity, da „der Rückversicherer einige digitale Services für Erstversicherer bietet, die wir künftig auf unserem Marktplatz anbieten können“, betont Häusler. Beispiele seien Realytix, eine Lösung zur automatischen Risikoeinschätzung, und die Nathan Risk Suite zur Optimierung des Naturgefahren-Risikomanagements.

Auch Munich-Re-Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek begründete die Übernahme gegenüber dem Handelsblatt unter anderem damit, dass Kunden die Services des Konzerns, beispielsweise im Bereich Naturkatastrophen oder Cyber, zukünftig über den Apinity-Marketplace beziehen könnten.

Insgesamt bietet Apinity aktuell rund 40 IT-Services auf dem Marktplatz an, unter anderem das Video-Ident-Verfahren von ID Now und den Dokumentenverarbeitungsservice von Konfuzio. Neben der Allianz und Munich Re gebe es „weitere Teilnehmer der Versicherungsbranche, die unser Angebot nutzen“, sagt Häusler. Momentan fokussiere man sich auf den deutschsprachigen Raum. Eine internationale Expansion sei mittelfristig geplant.

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