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13.03.2019

12:10

DSW-Studie

Das sind die größten Kapitalvernichter der Börse

Von: Anke Rezmer, Peter Köhler

Die lockere Geldpolitik hat an der Börse keinen Effekt mehr, Anleger ergreifen daher bei manchen Konzernen die Flucht. Die Deutsche Bank war 2018 der schlechteste Wert im Dax.

Börse: DSW-Studie zeigt die größten Kapitalvernichter imago/Jan Huebner

Deutsche Bank

Die Aktie war im vergangenen Jahr der schlechteste Wert im Dax.

FrankfurtEdler Rahmen für eine traurige Bilanz: Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat am Mittwoch im noblem Hotel Sofitel nahe der Alten Oper in Frankfurt die Liste der „50 größten Kapitalvernichter“ vorgestellt.

Der „Spitzenreiter“ in dieser Kategorie war 2018 im Börsensegment Prime Standard das eher unbekannte Pharmaunternehmen Mologen, gefolgt vom Möbelkonzern Steinhoff und der mittlerweile insolventen Gerry Weber AG.

Letztere steht auch für den weiteren Niedergang der Textilindustrie, den fünften Platz belegt mit Tom Tailor ebenfalls eine Modemarke. Das Schlusslicht im Deutschen Aktienindex (Dax) findet sich auch auf der „Watchlist“ der DSW wieder – die Deutsche Bank.

Ein Minus von knapp 56 Prozent reichte beim größten deutschen Kreditinstitut für den zehnten Rang, auf Dreijahressicht beträgt der Kursverfall sogar gut 64 Prozent, im Fünf-Jahres-Zeitraum sind es 76 Prozent.

Für die politisch motivierte, mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank kann sich DSW-Aktionärsschützer Klaus Nieding nicht erwärmen. Es sollte eigentlich klar sein, dass „in der Regel kaum ein olympiatauglicher Leichtathlet zu erwarten ist, wenn sich zwei Lahme zusammentun“, sagte Nieding. Beide Banken hätten zu viele überlappende Geschäftsfelder, als dass ein Zusammenschluss Sinn machen würde.

Ein prominenter Neuzugang in der Liste der Kapitalvernichter ist der Chemiekonzern Bayer, dem die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto nicht gut bekommen ist. Im Berichtsjahr steht ein Minus von 39,2 Prozent.

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Zum Vergleich: der Dax30 und der MDax verloren 2018 rund 18 Prozent, der TecDax kam mit einem Rückgang um fünf Prozent noch glimpflich davon. Die Titel auf der negativen Performanceliste der Anlegerschützer – die die Dividenden berücksichtigt – brachten im Schnitt Verluste von 44 Prozent.

Es sei augenscheinlich, dass die extrem lockere Geldpolitik an der Börse keinen Effekt mehr habe, meinen die DSW-Experten. „Die Flut des billigen Geldes hebt schon lange nicht mehr alle Schiffe“, meint Nieding. Da Anleger weltweit durchaus mit einem Crash rechnen müssten, flüchteten die Anleger aus „nicht so gut funktionierenden Gesellschaften“.

Leider waren auch die Börsengänge im vergangenen Jahr keine Werbung für die Aktie. Im Schnitt fielen die Newcomer nach dem Börsendebüt um 19,1 Prozent zurück. Am schlimmsten erwischte es den Autozulieferer STS Group mit einem Kursverfall von knapp 58 Prozent, größter Lichtblick war Siemens Healthineers, die Medizintechnik-Tochter des Münchner Konzerns, die nach dem Börsengang um 30,5 Prozent zulegte.

Kommentare (2)

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Herr Lothar Bitschnau

13.03.2019, 12:47 Uhr

Dem Volkswagenkonzern scheint es zu gelingen, seine Altlasten in 3 bis 4 Jahren abzuarbeiten und gleichzeitig bei ansehnlichen Erträgen und ohne Kapitalerhöhungen einen extrem herausfordernden Wandlungsprozess zu schaffen.
Wieso ist das einer Deutschen Bank nach mehr als 10 Jahren und trotz mehrerer Kapitalerhöhungen nicht möglich, obwohl vergleichbare Mitbewerber mit Erträgen glänzen?

Herr Helmut Metz

13.03.2019, 14:51 Uhr

Herr Bitschnau, zu den "Altlasten" der DB nur eine einzige Zahl: 75 Billionen USD Derivate-Exposure.
https://www.zerohedge.com/news/2014-04-28/elephant-room-deutsche-banks-75-trillion-derivatives-20-times-greater-german-gdp
Ob diese Zahl seit 2014 weiter angestiegen oder gesunken ist, weiß ich nicht, aber das spielt auch keine große Rolle. Damit ist die DB nämlich die "institutionalisierte" Derivate-Bombe schlechthin. Es darf unter gar keinen Umständen zu einem massiven Deleveraging kommen:
"Eine wichtige Rolle bei der Verstärkung ökonomischer Zyklen spielt der Leverage-Effekt. In Phasen mit niedrigen Zinsen und einer guten Ertragslage ist es für Unternehmen und Finanzinstitutionen attraktiv, die Rendite des Eigenkapitals durch eine steigende Fremdfinanzierung hochzuhebeln. (...)
Akteure, die in guten konjunkturellen Phasen einen prozyklischen Leverage einsetzen, verringern damit ihre Eigenkapitalpuffer. Sie werden deshalb von negativen Schocks besonders stark betroffen. Durch die Hebelwirkung sind sie gezwungen, in größerem Umfang Aktiva abzustoßen, was bei einer schlechten Marktsituation nur mit erheblichen Verlusten möglich ist."
http://www.blicklog.com/2008/11/17/deleveraging-der-hebel-zur-finanzkrise/
Ich würde jedenfalls liebend gerne mal einen Blick in die Bücher der DB werfen. Viellecht durfte das der Olaf Scholz ja tun - und fand sie "besser" als jeden Stephen-King-Schocker. ;-)

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