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07.02.2019

13:30

Energiewende

Mit diesen Aktien könnte ihr Depot vom Kohleausstieg profitieren

Von: Kathrin Witsch

Der Kohleausstieg ist für die Steuerzahler eine Bürde – für Anleger dagegen eine Chance. So profitieren sie von den Milliarden des Bundes.

Für Anleger könnte der Transformationsplan im Rahmen des Kohleausstiegs eine interessante Investmentmöglichkeit sein. dpa

Kohleabbau

Für Anleger könnte der Transformationsplan im Rahmen des Kohleausstiegs eine interessante Investmentmöglichkeit sein.

DüsseldorfEs ist ein Kompromiss, der keine Verlierer kennen soll. Fast 40 Milliarden Euro betragen allein die zugesicherten Strukturhilfen in den kommenden 20 Jahren für den geplanten Kohleausstieg bis 2038. So empfiehlt es die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission.

Für den Steuerzahler bedeutet die Einigung eine hohe finanzielle Bürde. Für Investoren und Anleger könnte der Transformationsplan jedoch noch etwas ganz anderes sein: eine interessante Investmentmöglichkeit.

Wer jetzt in die richtigen Aktien investiert, kann eventuell von der neuen Zeitenwende am Energiemarkt als Anleger durchaus profitieren. Doch wer zählt zu den ökonomischen Gewinnern des Kohlekompromisses? Experten sehen sich längst nach passenden Titeln um. So rücken schnell die deutschen Energiekonzerne in den Fokus. Doch die Ausgangsposition von RWE, Uniper und Eon ist unterschiedlich – und es gibt auch Alternativen.

Eigentlich ist der Ausstieg für die Stromkonzerne ein Albtraum. Bis 2022 sollen noch Kraftwerke mit einer Leistung von 12,5 Gigawatt aus dem Markt. Ein Teil davon ist schon länger identifiziert. Neu hinzu kommen drei Gigawatt in Braun- und vier Gigawatt in Steinkohleanlagen. Zumindest die Braunkohlekraftwerke wird weitgehend RWE stilllegen müssen – weil die Braunkohleregionen im Osten Deutschlands vorerst geschützt werden.

Dennoch kletterte die RWE-Aktie seit Verkündung des Kohleausstiegsplans nach oben. „Das hat natürlich damit zu tun, dass Entschädigungen in Milliardenhöhe kommen könnten“, erklärt Analyst Holger Fechner von der NordLB. Viele Anleger hoffen, von den hohen Zahlungen zu profitieren.

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Die Analysten von Bernstein Research bewerten RWE in einem erstmals erstellten Monatsüberblick zu europäischen Versorgern vor dem Hintergrund des Kohlekompromisses mit „Outperform“ und einem Kursziel von 23 Euro. Neben RWE zählen die Experten auch Eon und weitere Versorger wie Engie, Iberdrola und Enel zu ihren „Top Picks“.

Denn der angekündigte Geldregen ist nicht der einzige Indikator für einen Aufwärtstrend bei den Aktien der Energieversorger. Das liegt einerseits an den im vergangenen Jahr stark gestiegenen Strompreisen. Hier sei die Talsohle laut Experten mittlerweile durchschritten, und Konzerne wie RWE, Eon und Co. erzielten höhere Margen. „Andererseits haben sich die Versorger in den letzten zwei Jahren relativ gut entwickelt. Mit dem Gesamtmarkt 2018 war es sogar eine Outperformance“, erklärt Energieanalyst Fechner.

RWE: Vom Benachteiligtem zum Profiteur der Energiewende

Die wohl größte Umwälzung auf dem Strommarkt war die Ankündigung des Milliardendeals zwischen den beiden Branchenriesen RWE und Eon. Eon will von RWE die 76,8 Prozent an der RWE-Ökostromtochter Innogy übernehmen, die der Konkurrent noch hält, und hat sich weitere Anteile per Offerte gesichert. Im Gegenzug erhält RWE die Aktivitäten von Innogy und Eon bei erneuerbaren Energien, 1,5 Milliarden Euro und ein Paket von 16,67 Prozent an Eon.

RWE wird damit auf einen Schlag zu einem der größten Grünstromerzeuger Europas – und damit zu einem Profiteur der Energiewende. Noch ist der Deal zwar nicht abgeschlossen. So gibt es Widerstand gegen den Megadeal der Energiegiganten – und das nicht nur in Deutschland. Auch im europäischen Ausland regt sich Widerspruch. Trotzdem ist Eon zuversichtlich, die Transaktion bis Ende des Jahres abzuschließen.

Erleichtert registrieren die Investoren zudem, dass die Kohlekommission sich darauf festlegte, dass die Unternehmen nicht enteignet, sondern einvernehmlich entschädigt werden. Die Energiebranche könnte so einen guten Schnitt machen – und daran ihre Aktionäre über steigende Dividenden teilhaben lassen. Denn auch als Dividendentitel überzeugen die Aktien der Stromkonzerne inzwischen wieder.

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Dass RWE und Eon wieder Gelder ausschütten, sei eine positive Entwicklung, betont Fechner. „Das ist auch weiterhin im Fokus der Versorger“, erklärt er. So ist allein die Dividende des Essener Stromversorgers Eon von 2016 auf 2017 um 43 Prozent, auf 0,30 Cent pro Aktie, gestiegen. Für 2018 erwarten Analysten sogar eine weiter Steigerung der Dividende. RWE schüttete nach zwei Jahren ohne Dividende dank der zurückgezahlten Brennelementesteuer immerhin wieder 1,50 Euro je Aktie aus, für 2018 sollen es immer noch 0,70 Cent sein.

Aber auch der Energieversorger Uniper profitiert von den Kohlausstiegsplänen der Bundesregierung. Zwar nicht ganz so aussichtsreich wie bei Eon und Uniper, aber auch hier, schreibt die US-Bank JP Morgan, verbesserten sich die Fundamentaldaten des Konzerns dank gestiegener Strompreise und der Entwicklungen hinsichtlich des geplanten Kohleausstiegs.

Bei Uniper sehe er allerdings auch die neuen Investoren als Grund für den jetzt schon sehr hohen Aufschwung in den vergangenen Monaten, sagt Fechner. „Hier ist der Kurs schon relativ hoch, und deswegen ist da nicht mehr so viel Musik drin wie bei den anderen Versorgern“, erklärt der Analyst.

Grüne Unternehmen haben durch Kohleaussteig Auftrieb

Der finnische Energiekonzern Fortum war bei dem deutschen Stromproduzenten Uniper im Sommer des vergangenen Jahres mit 47,35 Prozent eingestiegen, als er die restlichen Aktien der ehemaligen Eon-Tochter kaufte. Jetzt kratzt Fortum sogar an der Mehrheit: Inzwischen hält das Unternehmen 49,99 Prozent, wie er bei der Vorlage der Jahresbilanz mitteilte. „Im Moment ist der Strompreis hoch, die Konjunktur läuft gut, und die Entschädigung zur Vorhaltung von Stromkapazitäten, wenn nach und nach die Kohlemeiler vom Netz genommen werden, dürfte auch noch einmal interessant werden“, sagt Fechner.

Neben den fossilen Energieversorgern gibt es aber noch einen zweiten Tipp für Anleger: Aktien grüner Unternehmen. Denn auch sie gewinnen durch den nahenden Kohleausstieg an Auftrieb. Schließlich soll sich ihr Anteil an der Stromversorgung bis 2030 laut Bundesregierung noch deutlich erhöhen. Von aktuell 38 Prozent soll es dann auf 65 Prozent gehen. Das macht die Erneuerbarenbranche zu einer vielversprechenden Anlage.

Aber auch hier können einzelne Titel natürlich ein Risiko sein. Um das zu vermeiden, bietet sich ein Index wie der Solactive Alternative Energy Index an, der vom weltgrößten Turbinenhersteller Vestas Wind über First Solar bis zu Offshore-Primus Siemens Gamesa die führenden 20 Titel der Branche enthält. Auch der Index hat in den vergangenen Jahren zwar kräftig geschwankt, seit 2012 jedoch steigt der Kurswert der Branche.

Muss es unbedingt eine Einzelaktie sein, sollte bei Windkonzernen auf die internationale Ausrichtung des Unternehmens geachtet werden. Auf dem vormals starken deutschen Markt herrscht nämlich zunächst Flaute. Der Zuspruch der Bevölkerung zu neuen Windanlagen hierzulande sinkt, weswegen „Windanlagen in Deutschland vielleicht etwas problematisch werden könnten“, sagt Fechner. Viele Windkonzerne haben das verstanden und sich deswegen ein Auftragspolster im Ausland zugelegt. „Das scheint bei Konzernen wie Nordex beispielsweise gut zu laufen.“

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