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04.09.2019

07:30

Europäische Zentralbank

EZB-Ratsmitglied Müller sieht keine starken Argumente für Bondkauf-Neuauflage

Immer mehr Notenbanker der EZB sprechen sich gegen eine Wiederaufnahme der Bondkäufe aus. Die Notenbank solle nur im Notfall auf diese zurückgreifen.

EZB: Müller sieht keine starken Argumente für Bondkauf-Neuauflage dpa

EZB in Frankfurt am Main

Einige EZB-Ratsmitglieder kritisieren die Strategie von Präsident Mario Draghi.

Frankfurt EZB-Ratsmitglied Madis Müller hat sich der wachsenden Gruppe von Notenbankern angeschlossen, die sich hinsichtlich der Notwendigkeit eines großen Stimulus-Pakets skeptisch äußern. Er hält eine Wiederaufnahme der Bondkäufe zum derzeitigen Zeitpunkt für unverhältnismäßig angesichts der Konjunkturlage.

Der Gouverneur der Zentralbank Estlands signalisierte, dass eine Zinssenkung auf der EZB-Ratssitzung am 12. September für ihn in Ordnung wäre, aber die Europäische Zentralbank nicht zur Geisel der Markterwartungen werden könne. Banken, darunter Goldman Sachs, Nomura und ABN Amro, prognostizieren eine neue Runde der quantitativen Lockerung, während Anleger eine Senkung des Einlagensatzes von mindestens zehn Basispunkten einpreisen.

Der 42-jährige Müller sagte, dass die Konjunkturaussichten sich verschlechtert hätten, aber dass es keine Rezession gebe und der Euroraum nicht vor einem Deflationsrisiko stehe, das normalerweise der Auslöser für Aktivakäufe wäre. Mit seiner Ablehnung einer größeren geldpolitischen Lockerung schließt er sich dem Lager seiner Amtskollegen Jens Weidmann aus Deutschland, Klaas Knot aus den Niederlanden, Robert Holzmann aus Österreich sowie EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger an. Sie haben argumentiert, dass die Notenbank auf Bondkäufe nur als Mittel der letzten Instanz zurückgreifen sollte.

”Ich glaube nicht, dass wir jetzt starke Argumente für die Reaktivierung der QE haben“, sagte Müller, der im Juni dem Rat beigetreten war, in einem Interview in Tallinn am Dienstag. „In einer Situation, in der kein Deflationsrisiko besteht, ist es nicht nur unverhältnismäßig, sondern es gibt meiner Meinung nach auch Bedenken bezüglich der Unwirksamkeit. Es könnte einfach nicht sehr produktiv sein.“

Der wachsende Widerstand gegen Quantitative Lockerungen (QE) könnte für Präsident Mario Draghi Probleme bringen, da er Investoren auf irgendeine Form von Stimulus eingestellt hat, nachdem die Wirtschaft unter den Handelsspannungen und dem Brexit leidet. Die Bondkäufe wurden Ende letzten Jahres bei 2,6 Billionen Euro begrenzt. Und eine Wiederaufnahme könnte erforderlich machen, dass die EZB die von ihr festgesetzten Obergrenzen zu ihren Käufen anhebt. Mit diesen Vorschriften soll verhindert werden, dass die Notenbank gegen das Verbot der Staatsfinanzierung verstößt.

Müller zeigte Zurückhaltung, die Limits zu überschreiten und sagte, dass es sehr schwierig sein würde, diese aufzugeben.

Mehr: Die Banken kritisieren die Geldpolitik der Notenbank scharf. Dabei sorgt der Kurs von EZB-Chef Draghi dafür, dass sie endlich entschlossen Reformen angehen.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Naumann

05.09.2019, 13:50 Uhr

Argumente sehe ich auch nicht für Bondkäufe. Frau Lagarde wird den Euro gegen die Wand fahren. Die Wirtschaft brummt seit Jahren und die Zinsen fallen? Bei einer Rezession werden wir wohl minus 5 Prozent Zinsen haben??? Einen Minuszins gab es seit Aufzeichnung der Zinsen im Jahr 1866 noch nie. Die Kaufkraft des Euro ist in den letzten 10 Jahren zirka um 18 Prozent gefallen! Das ist keine Währung das ist Toilettenpapier!

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