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14.06.2018

14:54 Uhr

EZB-Ratssitzung

EZB beendet umstrittene Anleihenkäufe noch 2018

Eine Kurswende in der europäischen Geldpolitik zeichnet sich ab: Die EZB will ihre Anleihenkäufe zum Jahresende einstellen. Den Leitzins belässt sie jedoch bei null Prozent.

Europäische Geldpolitik

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Europäische Geldpolitik: Sparer hoffen auf Besserung – EZB wagt Kurswende

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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) treibt die Kurswende voran. Sie kündigte am Donnerstag nach der Zinssitzung in Riga an, abhängig von den Wirtschaftsdaten ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe zum Jahresende einzustellen. Bislang waren die Transaktionen bis mindestens Ende September terminiert, das weitere Vorgehen aber unklar. Momentan kaufen die Währungshüter für 30 Milliarden Euro pro Monat. Ab Oktober sollen es nur noch 15 Milliarden Euro sein. Insgesamt sind die Käufe damit bis Ende 2018 auf knapp 2,6 Billionen Euro angelegt.

Die Entscheidungen im Überblick

  • Der Leitzins bleibt unverändert bei null Prozent.
  • Der Einlagezinssatz für Banken bleibt unverändert bei minus 0,4 Prozent.
  • Erstmals nennt der EZB-Rat auch einen konkreten Zeithorizont: Die Leitzinsen sollen mindestens bis zum Ende des Sommers 2019 auf diesem Niveau bleiben.
  • Das Kaufprogramm für Staatsanleihen läuft mit einem Niveau von 30 Milliarden Euro pro Monat bis Ende September weiter und wird dann bei halbiertem Volumen bis Ende des Jahres fortgeführt. Nach dem Jahresende sollen die Anleihekäufe nicht fortgesetzt werden. Die EZB nennt damit erstmals ein Enddatum für das umstrittene Programm.
  • Die Zentralbank plant noch nicht mit einem Schrumpfen ihrer Bilanzsumme. Enden sollen die Nettokäufe. Auslaufende Anleihen im Bestand der EZB werden auch weiterhin durch neue Käufe ersetzt werden. Das Gesamtvolumen soll jedoch ab 2019 nicht weiter steigen.

Die Wertpapiertransaktionen waren in den vergangenen Jahren die wichtigste Waffe der Notenbank im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht zu schwache Inflation. Doch im Mai kletterte die Teuerung auf 1,9 Prozent und liegt damit im Zielbereich von knapp zwei Prozent. Dieses Niveau strebt die EZB als Optimalwert für die Wirtschaft an, hat es in den vergangenen Jahren aber meistens verfehlt.

Die Währungshüter gehen zudem davon aus, dass die Leitzinsen noch bis einschließlich Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Die EZB hatte zum letzten Mal im Jahr 2011 ihre Sätze angehoben, bevor sie wegen der Staatsschuldenkrise zu einer extrem lockeren Geldpolitik umschwenkte.

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Ökonomen begrüßten die Entscheidung. „Die Neuigkeit ist die unerwartete Klarheit. Es kommt etwas überraschend, dass sich die EZB so derart weit aus dem Fenster lehnt“, erklärte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Es müsse jetzt schon einen dramatischen Einbruch beim Wirtschaftswachstum geben, damit sie von dieser recht klaren Festlegung wieder abrücke und die Käufe verlängere. „Die Inflation spricht für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik“, sagte Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank.

Im Unterschied zur EZB hat die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik angesichts des Wirtschaftsbooms bereits deutlich stärker gestrafft. Am Mittwoch erhöhte sie ihren Leitzins um einen weiteren Viertelpunkt auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit zehn Jahren. Die Fed begann bereits Ende 2015 damit, ihre Zinsen anzuheben.

Reaktionen auf die EZB-Entscheidung

Friedrich Heinemann, ZEW

"Der EZB-Rat hat den Einstieg in das Ende der Anleihenkäufe zu einem günstigen Zeitpunkt angekündigt. Vertreter der neuen italienischen Regierung haben durch verschiedene Äußerungen zuletzt signalisiert, dass sie die Unterstützung der EZB für unverzichtbar mit Blick auf eine Lösung des italienischen Schuldenproblems halten. In dieser Lage hat die EZB der Euro-Zone nun endlich ein glaubwürdiges Signal gegeben, dass sie sich nicht durch eine italienische Drohkulisse ihre geldpolitischen Entscheidungen diktieren lässt. Sonst hätte sich der Eindruck verdichtet, dass inzwischen die Fiskalpolitik die Geldpolitik vor sich her treibt."

Isabel Schnabel, Ökonomin und Wirtschaftsweise

"Selbst wenn die EZB die Anleihenkäufe zum Jahresende beendet, bleibt die Geldpolitik sehr expansiv. Bedeutsam ist vor allem die Ankündigung, dass die Zinsen lange nicht erhöht werden. Ich halte es daher für voreilig, schon jetzt von einer Wende in der Geldpolitik zu sprechen, zumal sich die EZB die Option offenhält, das Kaufprogramm doch fortzusetzen."

Andreas Martin, Vorstandsmitglied BVR

"Die Entscheidung der EZB, ihr Anleihen-Kaufprogramm zum Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen, war überfällig. Nun sollte die EZB auch die Zinswende möglichst bald im Jahr 2019 einleiten. Strafzinsen auf Bankeinlagen bei der EZB passen nicht zu einem Währungsraum, der sich im vierten Jahr des Aufschwungs befindet."

Der BVR ist der Dachverband der Volks- und Raiffeisenbanken.

Holger Schmieding, Berenberg Bank

"Die Neuigkeit ist die unerwartete Klarheit. Es kommt etwas überraschend, dass sich die EZB so derart weit aus dem Fenster lehnt. Es müsste einen dramatischen Einbruch beim Wirtschaftswachstum geben, damit sie von dieser recht klaren Festlegung wieder abrücken und ihre Anleihenkäufe 2019 verlängern würde. Gleichzeitig hat sie mit der Festlegung, ihre Zinsen nicht vor September 2019 steigen zu lassen, eine weiche Botschaft ausgesendet. Auch hier hat sie sich überraschend deutlich festgelegt. Alles in allem ist das etwas, was die Märkte beruhigt und die Spannung etwas herausnimmt."

Uwe Burkert, LBBW

"Die EZB hat sich viel Zeit gelassen mit ihrem Einstieg in den Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik. Die letzen 45 Milliarden Euro Nettokäufe sind wohl vor allem zur Gesichtswahrung nötig. Inzwischen kommt sie durch die makroökonomischen Daten unter Druck und vielleicht auch durch das Tempo der Zinserhöhungen in den USA. Der Markt wird ab jetzt vor allem über das Datum der ersten Zinserhöhung spekulieren. Nach eigener Aussage der EZB wohl erst nach dem Sommer 2019 - das wäre dann im September 2019. Sie könnte entgegen der Verlautbarung der EZB früher kommen, wenn der Inflationsdruck doch schneller steigt als gedacht, sie könnte aber auch später erfolgen, wenn die gegenwärtige leichte Konjunkturschwäche länger andauert."

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe

"Die EZB hat ihre Kommunikation deutlich geändert. Sie diagnostiziert nun hinreichende Fortschritte, ihr Inflationsziel zu erreichen. Ungewöhnlich forsch hat sie daraufhin das Ende der Wertpapierkäufe bereits besiegelt und auch die Zins-Forward-Guidance angepasst. Danach sind Leitzinserhöhungen ab Herbst 2019 möglich."

Carsten Brzeski, ING

"Das ist zumindest teilweise ein unerwarteter Schwenk in der Kommunikation. Die EZB hat zugleich einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung eines sanften Ausstiegs aus der lockeren Geldpolitik getan. Doch es ist noch keine Entscheidung per se, sondern eine Absichtserklärung."

Jürgen Michels, BayernLB

"Die Aussagen zum Ende der Nettokäufe des QE-Programms und zum weiteren Verlauf der Zinsen waren viel expliziter als von uns erwartet. Im Rahmen der gestiegen Unsicherheit auch von der Handelsseite hatten wir erwartet, dass die EZB sich mehr Freiheitsgrade für die Ausgestaltung der künftigen Politik behalten würde."

Thomas Altmann, QC Partners

"Die ultra-lockere Geldpolitik geht in die Verlängerung. Viele haben mit einem etwas früheren Ende der Anleihenkäufe gerechnet. Bis jetzt sind einige von einer ersten Zinserhöhung im Juni ausgegangen. Nach der heutigen Kommunikation dürfte sich dies weiter nach hinten verschieben. Die Kommunikation der EZB ist ungewöhnlich klar. Offensichtlich will sie mögliche Turbulenzen an den Kapitalmärkten bereits im Vorfeld eindämmen. Die EZB hatte offensichtlich große Angst, beim Timing der ersten Zinserhöhung falsch verstanden zu werden."

Thomas Gitzel, VP Bank

"Die europäischen Währungshüter werden heute ungewöhnlich deutlich. Während das Ende der Anleihenkäufe zum Jahresende 2018 weitgehend erwartet worden war, ist die Aussage zu den Zinsen für eine Notenbank außergewöhnlich unverklausuliert. Mario Draghi beugt damit Spekulationen einer baldigen Zinserhöhung vor. Die Währungshüter wollen damit eine Aufwertung des Euro verhindern. Tatsächlich reagierte der Euro nach Veröffentlichung des Pressetextes mit Schwäche. Dies zeigt einmal mehr, dass die Wechselkursnotierungen einige Zinserhöhungsfantasien in sich trugen.

Mario Draghi gelingt einmal mehr ein schwieriger kommunikativer Spagat. Während die Aussicht auf eine Einstellung der Anleihenkäufe den Euro möglicherweise unter Aufwertungsdruck gebracht hätte, ist das Gegenteil der Fall. Das Beibehalten eines niedrigen Zinssatzes bis mindestens Sommer 2019 enttäuscht die Märkte und führte sogar zu einer Euro-Schwäche. Die EZB bleibt jedenfalls noch für einen sehr langen Zeitraum eine sehr expansive Notenbank."

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