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08.02.2019

15:30

Factoring

Start-up Billie will sich einen lukrativen, aber riskanten Markt erschließen

Von: Frank Matthias Drost

Das junge Unternehmen bietet Onlinegroßhändlern die Möglichkeit, die gesamte Forderungsfinanzierung abnehmen. Für das Start-up erhöht sich so auch das Risiko.

Die Gründer des Start-ups „Billie“ erschließen ein neues Marktsegment.  Carolin Weinkopf

Christian Grobe (l.) und Matthias Knecht

Die Gründer des Start-ups „Billie“ erschließen ein neues Marktsegment.

BerlinMit ihrem Start-up „Billie“ bieten die Unternehmer Christian Grobe und Matthias Knecht sogenannte Factoring-Dienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen an. Sie kaufen Firmen deren Forderungen gegenüber dem Endkunden mit einem Abschlag ab. Der Vorteil für Factoring-Kunden: Sie kommen schneller an ihr Geld.  

Jetzt will sich das Start-up weiter fokussieren und auch Onlinehändlern die Forderungsfinanzierung abnehmen – sofern es sich um Händler mit Unternehmenskunden handelt. Billie könnte dadurch in neue Umsatzdimensionen aufrücken, allerdings birgt dieser Schritt auch ein höheres Risiko.

„Wir haben mit Erstaunen festgestellt, dass es für die Onlinehändler, die sich an Unternehmen wenden, keine attraktiven digitalen Factoring-Lösungen gibt“, sagt Knecht. Diese Lücke will Billie schließen. Die Vorfinanzierung von Unternehmensrechnungen für kleine und mittlere Unternehmen bleibt aber ein Standbein von Billie.

Im Onlinehandel dominiert mit bis zu 95 Prozent die Finanzierungsvariante „Kauf-auf-Rechnung“. Dabei räumt der Onlinehändler seinen Kunden ein Zahlungsziel ein und weiß bis zum Schluss nicht, ob er auf offenen Rechnungen sitzen bleibt. Tut er das, sind Mahnschreiben fällig, das Inkasso muss organisiert werden.

Diese Risiken will Billie den Onlinehändlern abnehmen. „Bevor die Rechnung geschrieben ist, entscheiden wir mittels unserer digitalen Risikoprüfung in Echtzeit, ob der Kunde überhaupt auf Rechnung kaufen darf“, erläutert Grobe. Fällt die Prüfung positiv aus, lande die Rechnung bei Billie, und der Webshop-Betreiber habe keinerlei Aufwand mehr damit. Die Refinanzierung der Forderungen übernimmt die Deutsche Handelsbank.

85 bis 90 Prozent aller Anfragen von Unternehmenskunden im Webshop wollen die Gründer positiv bescheiden. Bei dem gesamten Prozess bleibt Billie komplett im Hintergrund, die Kundenbeziehung wird also nicht gestört.

Das Outsourcing der Forderungsfinanzierung kostet den Onlinehändler 1,5 bis bis 2,5 Prozent des Transaktionsvolumens. Selbst ist Billie über den Kreditversicherer Euler Hermes rückversichert.

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„Mich wundert nicht, dass Fintechs zunehmend das Factoring entdecken“, urteilt Nils Beier, Geschäftsführer Finanzdienstleistungen bei Accenture-Strategy. Es handele sich um eine traditionelle Form der Unternehmensfinanzierung, die nicht ganz unkompliziert und nicht sehr günstig sei, aber durch digitale Lösungen attraktiver gemacht werden könne.

Allerdings gibt Beier zu bedenken, dass der Erfolg dieser digitalen Alternativen stark von der Kompetenz abhänge, „Unternehmen zu bewerten und zu identifizieren“. Vor Betrug sei man nicht gefeit. Das sei gerade im B2B-Bereich angesichts der Wachstumsraten eine Riesenherausforderung. „Geht hier etwas schief, ist die Existenz eines Start-ups schnell gefährdet“, sagt Beier.

Mit derzeit 40 Mitarbeitern betreut Billie bislang zehn Onlinehändler, die jeweils auf einen Umsatz zwischen drei und 50 Millionen Euro kommen. In Deutschland wird das Marktvolumen der rund 5000 Onlinehändler im B2B-Bereich auf 75 Milliarden Euro taxiert, heißt es in Branchendiensten. Mittelfristig strebt Billie einen Marktanteil von bis zu 20 Prozent an. 

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