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15.06.2022

22:51

Fed

Größter Zinsschritt seit 1994: US-Notenbank Fed hebt Leitzins um 0,75 Prozentpunkte an

Von: Frank Wiebe

Die Währungshüter in den USA wollen härter durchgreifen. Fed-Chef Powell hofft weiterhin, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, ohne eine Rezession auszulösen.

Der Präsident der US-Notenbank Fed. AP

Jerome Powell

Der Präsident der US-Notenbank Fed.

Washington Die US-Notenbank (Fed) hat ihren Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent angehoben – der Schritt ist der größte seit 1994. Zudem machte Fed-Präsident Jerome Powell deutlich, dass im Juli eine weitere Zinsanhebung um 0,5 bis 0,75 Prozentpunkte ansteht.

Vorausgegangen waren in den Vormonaten bereits zwei Anhebungen um insgesamt 0,75 Prozentpunkte. Zugleich gehen die Entscheidungsträger der Notenbank jetzt auch von einem insgesamt höheren Zinsniveau in den kommenden Monaten aus als zuvor projektiert.

Sie rechnen nun mit 3,4 Prozent für Ende dieses Jahres und sogar mit 3,8 Prozent Ende kommenden Jahres. Diese Prognosen sind keine Festlegungen, zeigen aber doch, wohin der Trend nach Meinung der Fed geht.

Nach der letzten Fed-Sitzung im Mai hatte Powell erst einen kleineren Schritt von einem halben Prozentpunkt im Juni in Aussicht gestellt.

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    Doch der Anstieg der Inflationsrate auf 8,6 Prozent sorgte dafür, dass die Notenbanker nun umdenken: So wurde der aktuelle Beschluss zur Leitzinsanhebung mit nur einer Gegenstimme von Esther George, der Chefin der regionalen Fed in Kansas, gefällt. George wäre lieber bei einem halben Prozentpunkt geblieben.

    Die Überraschung an den Märkten hielt sich in Grenzen

    Bereits Anfang der Woche war durchgesickert, dass die Fed wahrscheinlich stärker straffen würde als im Mai avisiert. Die Überraschung an den Märkten hatte sich daher in Grenzen gehalten. Die Anleger an der Wall Street zeigten sich daher wenig beeindruckt, nachdem sie an den Vortagen unter Druck gestanden hatten: Die Aktien zogen an, die Anleiherenditen zeigten sich entspannt.

    Der US-Ökonom Mohamed El-Erian, der die Allianz berät, twitterte: „Die Märkte begrüßen es, dass die Fed jetzt ernsthafter die Inflation angeht.“ Er forderte sie auf, „jetzt ihr Momentum und ihre Entschlossenheit“ beizubehalten.

    Eric Noland, Ökonom der US-Börsengesellschaft CME, meinte, die Investoren seien jetzt unsicher, wie groß der nächste Zinsschritt ausfällt.

    Nach einer Datenauswertung der CME glauben 61 Prozent an noch einmal 0,75 Prozentpunkte, 28 Prozent an einen halben Prozentpunkt und elf Prozent sogar an einen ganzen Prozentpunkt. Powell nannte die am Freitag bekannt gegebene Inflationsrate „überraschend“. Er sagte: „Wir hatten mit einem Fortschritt gerechnet, haben aber das Gegenteil bekommen.“ Mit immer neuen Formulierungen betonte der sichtlich angespannte Fed-Chef in der Pressekonferenz, wie besorgt die Notenbank wegen der hohen Inflation sei und zugleich wie entschlossen, sie zu bekämpfen.

    „Die Öffentlichkeit muss das Vertrauen behalten, dass wir die Mittel haben, die Inflation zu senken, dass wir diese Mittel nutzen und dass sie funktionieren“, betonte er. Im Vorfeld hatten Kritiker der Fed vorgeworfen, zu spät auf den Anstieg der Inflation reagiert und damit Glaubwürdigkeit verspielt zu haben.

    „Die Fed hat der Inflation den Krieg angesagt“

    Powell machte deutlich, dass er in den kommenden Monaten jeweils sinkende Inflationsraten sehen will. Zugleich gibt er die Hoffnung nicht auf, die Preissteigerung wieder nahe an das Ziel von zwei Prozent heranzuführen, ohne dabei eine Rezession auszulösen. Er räumte aber ein: „Das ist schwieriger geworden.“

    Die neuen Prognosen der Währungshüter sehen die Inflation jetzt bei 2,2 Prozent Ende 2024 und die Arbeitslosigkeit, die heute bei 3,6 Prozent liegt, dann etwas höher bei 4,1 Prozent. Powell ließ anklingen, dass er dieses Ergebnis – die Inflation nahe am Ziel der Fed und die Arbeitslosigkeit immer noch historisch niedrig – als Erfolg ansehen würde.

    Die Inflation hat an Breite gewonnen

    Diane Swonk, die Chefökonomin der Beratungsgesellschaft Grant Thornton, teilt seinen Optimismus nicht. Sie schrieb auf Twitter: „Die Fed hat nun der Inflation den Krieg angesagt. Dabei wird es traurigerweise Opfer geben. Das ist sehr hart.“

    Der Fed-Chef betonte, die Geldpolitik könne nur die Nachfrage beeinflussen, die zurzeit sehr hoch sei, und das gerade auch auf dem Arbeitsmarkt. Externe Faktoren wie den Krieg in der Ukraine oder neue Lockdowns in China könne er nicht beeinflussen. Er räumte aber ein, die Inflation habe an Breite gewonnen und sei nicht allein von Energie und Lebensmitteln getrieben.

    Außerdem stellte er klar, dass die Fed zwar stark auf die Kerninflation achte, bei der die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel ausgeschlossen seien. Aber für die Bürger sei letztlich die gesamte Preissteigerung ausschlaggebend. Und diese Preise unter Kontrolle zu halten, betonte er, sei seine gesetzliche Aufgabe.

    Außerdem wiederholte er mehrmals, stabile Preise seien „das Fundament“ der Volkswirtschaft und letztlich auch die Voraussetzung für einen gut funktionierenden Arbeitsmarkt.

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